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Wirtschaft

Gunter Sachs - doch kein Steuerhinterzieher?

Der Millionär Gunter Sachs hat Vermögen und Einkünfte korrekt versteuert. Zu diesem Schluss kommen die Schweizer Steuerbehörden. Sind die Enthüllungen aus dem Offshore-Leaks-Projekt damit haltlos?

Der Medienrummel Anfang April dieses Jahres war gewaltig. Ein internationales Konsortium investigativer Journalisten aus 46 Ländern (ICIJ) hatte einen großen Datenbestand über Steueroasen ausgewertet, die vorher nicht öffentlich zugängig waren.

Unter dem Stichwort "Offshore Leaks" berichteten renommierte Medien wie die Washington Post in den USA und in Deutschland die Süddeutsche Zeitung und der Norddeutsche Rundfunk darüber, wie wohlhabende Menschen ihr Geld in Steuerparadiesen anlegen, um zu Hause Steuern zu sparen oder zu hinterziehen.

Der prominenteste Fall in Deutschland war der des Multimillionärs Gunter Sachs (Bild oben mit seiner damaligen Ehefrau Brigitte Bardot, 1966). Der Industriellen-Erbe hatte die deutsche und die schweizerische Staatsbürgerschaft und lebte von 2008 bis zu seinem Tod 2011 in Gstaad bei Bern, wo er auch steuerpflichtig war.

"Das System Sachs"

Unter der Überschrift "Das System Sachs" schilderte die Süddeutsche Zeitung (SZ) ausführlich die verschlungenen Wege, auf denen Sachs umgerechnet rund 97 Millionen Euro seines Vermögens auf die Cook Islands im Südpazifik geschafft hat - mutmaßlich, um in der Schweiz keine Steuern zahlen zu müssen.

Die Schweizer Steuerbehörde entschloss sich daraufhin zu einer Nachprüfung. Die ergab aber "keine Hinweise auf steuerlich relevante neue Tatsachen", teilte die Steuerbehörde Bern in dieser Woche der Rechtsanwaltskanzlei Lenz & Staehelin mit, die sich um Sachs' Offshore-Firmen kümmert. Mit anderen Worten: Alles ist korrekt verlaufen, ein Verfahren wird es nicht geben.

Wie passt das zu den Recherchen der Süddeutschen Zeitung, die in Deutschland als erste über den Fall berichtet hatte? "Es passt nicht. So muss man das sagen", schreibt Bastian Obermayer, einer der Autoren des ursprünglichen Sachs-Artikels, in der SZ. "Das liegt aber nicht daran, dass die berichteten Fakten falsch gewesen wären", so Obermayer weiter.

Millionen auf den Cook-Inseln

Auf den Cook-Inseln etwa hatte Sachs Teile seines Vermögens in fünf Stiftungen geparkt, sogenannten Trusts. Die SZ hatte im April berichtet, die Trusts seien weder in den letzten Steuerunterlagen noch im offiziellen Erbschaftsinventar des Millionärs aufgeführt. Die Nachlassverwalter hatten gegenüber der Zeitung erklärt, sie hätten zwar nicht die Trusts selbst, aber das darin enthaltene Vermögen bei der Steuer angegeben.

Eine Sprecherin der Steuerverwaltung des Kantons Bern bewerte dieses Vorgehen als nicht korrekt, so die SZ in dem Bericht. Es müssten "Belege, Urkunden oder Bescheinigungen Dritter" eingereicht werden, um die Existenz der Trusts nachzuweisen.

Alles korrekt?

Offenbar ist dieselbe Steuerverwaltung bei der Nachprüfung der Jahre 2008-2011 nun zu einer anderen Einschätzung gekommen. Genauere Auskünfte wollte die Behörde gegenüber den Medien nicht geben und verwies auf das Steuergeheimnis.

"Die Entscheidung der Berner Finanzverwaltung ist kein umfänglicher Freispruch - dafür bleibt zu vieles ungeklärt", schreibt die SZ. Hat Sachs sein Vermögen auch vor 2008 korrekt deklariert? Und was geschah mit den umgerechnet rund 65 Millionen Euro in Luxemburg, von denen die Steuerprüfer nur sagen, die entscheidenden steuerlichen Angaben seien "im Wesentlichen" gemacht worden. Ungeklärt sind auch grundsätzliche Fragen: "Warum agierte Sachs anonym? Wofür der ganze Aufwand, die Anwälte, die Geheimniskrämerei?", schreibt die SZ.

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"Offshore-Leaks" - das Ausmaß des Steuerbetrugs (11.04.2013)

Bei den "Offshore-Leaks" handelt es sich um 2,5 Millionen unternehmensinterne Dokumente, die angeblich den beiden führenden Anbietern von Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen gestohlen wurden. Wer das 260 Gigabyte große Datenpaket 2012 den Medien zuspielte, ist bis heute nicht bekannt. Zeitungen und Sender feierten die Dokumente im April dieses Jahres als Sensation.

Enthüllung oder Presseskandal?

Allerdings wurde im Anschluss bekannt, dass diese angeblich so brisanten Daten den Steuerbehörden der USA, Großbritanniens und Australiens schon seit Jahren vorliegen. Schon 2009 soll den Behörden eine Datensammlung von 400 Gigabyte aus denselben Quellen angeboten worden sein, darunter die Dokumente, die später an die Medien gingen. 2010 wurden die Daten schließlich an die Staaten übergeben. Auch der deutsche Finanzminister hat über seinen US-Kollegen inzwischen Zugriff auf die Daten.

"Gigabyte-Gigantismus", spottete der in der Schweiz arbeitende Journalist René Zeyer auf der Online-Plattform Journal21.ch und fragt sich: "Was haben denn die staatlichen Behörden in den drei Jahren, seit sie in Besitz dieser Daten sind, damit gemacht? Waren die Informationen dermaßen unergiebig, dass beschlossen wurde, sie nach mehrjähriger Analyse teilweise der Presse zuzuspielen?"

Zeyer, der auch als Kommunikationsberater für die Finanzbranche tätig ist, hält den Umgang mit den "Offshore-Leaks" sogar für einen "Presseskandal". Ohne Überprüfung durch weitere, unabhängige Quellen sei das Datenmaterial nichts wert. Die Journalisten "wurden im besten Fall als nützliche Idioten missbraucht - und wissen nicht mal, von wem. Ihre großartige monatelange und schweißtreibende Auswertungsarbeit war für die Katz."

Fest steht nur, dass bisher wenig passiert ist - vom großen Medienrummel im April einmal abgesehen. Ob die Daten nicht mehr hergeben oder die Auswertung noch mehr Zeit braucht, ist unklar. Sicher ist nur, dass das Bekanntwerden der Daten den Finanzämtern nur recht sein kann. Denn die Botschaft an die Steuerbürger, insbesondere die reichen, ist deutlich: Im Zeitalter digitaler Datenlecks lassen sich Vermögen in Steueroasen nicht ewig verheimlichen.

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