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Wirtschaft

Griechenlandkrise belastet G20-Treffen

Ausnahmezustand in Cannes: Der noble Ort an der französischen Mittelmeerküste wird für drei Tage zum Zentrum der Welt. Auf großer Bühne müssen die Europäer den Krisenmanager geben.

Skulpturen in den Landesfarben der Teilnehmer (Foto: DW/Böhme)

Wer jemals in Cannes an der Cote d'Azur gewesen ist, dem dürfte die besondere Atmosphäre in Erinnerung geblieben sein: Diese Mischung zwischen mondänem Treffpunkt der Schönen und Reichen und den vielen anderen, die einen Hauch davon abbekommen wollen. Vor allem auf der Prachtstraße namens Croisette spielt sich das ab, jenem mit Palmen gesäumten Boulevard entlang der Mittelmeerküste. Doch in diesen Tagen ist alles anders: Das bunte Treiben - Fehlanzeige. Die Gegend rund um den Boulevard de la Croisette ist abgesperrt, nur Menschen und Fahrzeuge mit einer Sondergenehmigung dürfen in diese Sperrzone hinein. Der Grund: Im Festivalpalast, weltberühmt durch die alljährlich hier stattfindenden Filmfestspiele, treffen sich die Mächtigen aus 20 Ländern dieser Welt.

Schockwellen aus Athen erschüttern Cannes

Polizisten mit Motorrädern (Foto: DW/Scheschkewitz)

Kleines Aufgebot....

In Cannes wird in diesen Tagen Geschichte geschrieben - so jedenfalls ist auf den unzähligen Gipfel-Plakaten zu lesen, die an jeder Straßenlaterne hängen und in jedem Reklameschild zu sehen sind. Aber um Geschichte zu schreiben, müssen die Akteure zunächst Griechenland und dann die Welt retten. Dabei hatten sich die Regisseure des G20-Gipfels alles so schön ausgedacht. Gerade noch rechtzeitig hatte die Europäische Union ein großes Rettungspaket für die Euro-Zone im Allgemeinen und Griechenland im Besonderen auf den Weg gebracht. Damit war eigentlich der Weg frei, sich in Cannes Gedanken zu machen über den Zustand der Weltwirtschaft, eine Reform des Weltwährungssystems und die weitere Regulierung der Finanzmärkte. Doch dann am Montagabend der Schock aus Athen: Regierungschef Giorgos Papandreou möchte das Volk über den europäischen Rettungsplan für sein Land abstimmen lassen.

Krisentreffen statt Gipfel-Glamour

Wagenkolonne der französischen Poilzei in Cannes (Foto: DW/Scheschkewitz)

...und größeres Aufgebot für alle Fälle

Eine einsame Entscheidung des Premiers, von der alle überrascht wurden. In Europa, aber auch in der eigenen Regierung. Es glühten die Telefone zwischen Berlin, Paris, Brüssel und Athen. Ergebnis: Frühere Anreise der Bundeskanzlerin nach Cannes, Krisentreffen am späten Mittwochabend (02.11.2011), Papandreou wird zum Rapport nach Cannes einbestellt. Gelingt es der Runde um Nicolas Sarkozy, Angela Merkel, dazu EU-Kommissionschef Jose-Manuel Barroso, EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Jean-Claude Juncker, dem Chef der Euro-Gruppe, nicht, eine wie auch immer geartete Einigung zu erzielen, dann stehen die Europäer am Tag darauf vor ihren G20-Partnern völlig blamiert da. Ob man dann auf dem Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer einfach so wird zur Tagesordnung übergehen können, ist mehr als fraglich.

Baden und Fliegen verboten

Dabei hat sich Gastgeber Nicolas Sarkozy alle erdenkliche Mühe gegeben, den Glanz von Cannes noch ein bisschen aufzupolieren. Und natürlich hat er auch keine Kosten gescheut, was die Sicherheit angeht: Geschätzte 20 Millionen Euro kostet der riesige Polizeieinsatz, von 12.000 Polizisten ist die Rede. Die Reichen müssen ihre riesigen Yachten ein paar Tage lang woanders ankern, und ihre Privatflugzeuge dürfen am kleinen Flughafen Cannes-Mandelieu nicht starten und landen. Auch das Baden ist im immer noch warmen Mittelmeer zumindest in der Bucht von Cannes verboten, genauso wie der Schiffsverkehr. Demonstranten dürfen ihre Meinung im 30 Kilometer entfernten Nizza kundtun. Dort verlief eine erste Protestaktion am Dienstagabend friedlich.

Autor: Henrik Böhme, z.Zt. Cannes
Redaktion: Daniel Scheschkewitz

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