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Wirtschaft

Griechen bringen ihre Euros in Sicherheit

Immer mehr Griechen ziehen ihre Ersparnisse von ihren Konten ab. Vom drohenden Banken-Run ist die Rede. Neben der politischen Dauerkrise steuert das Land auf den Bankrott des Bankensystems zu.

Foto: EPA/ALKIS - dpa

Griechenland Banken Kunden

Vier Jahre ist es her, da traten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück vor die Kameras. Mit einem einzigen Satz sorgten sie für Ruhe bei der deutschen Bevölkerung in Mitten der nahenden Krise: "Die Spareinlagen sind sicher." Von solch einem Urvertrauen kann der griechische Staatspräsident Papoulias nur träumen. Zwar könnte er genauso medienwirksam vor die Kameras treten - glauben würde ihm in der momentanen Situation aber niemand.

Seit Anfang der Woche heben immer mehr Griechen ihre Ersparnisse von den Konten ab. Tumultartige Situationen vor den großen Banken gab es noch nicht. Trotzdem ist die Rede von bis zu 900 Millionen Euro täglich. "Wenn man den Gesamthaushalt der griechischen Banken anschaut, dann ist das dramatisch", sagt Wirtschaftswissenschaftler Dirk Schiereck von der Technischen Universität Darmstadt. In den letzten zwei Jahren hätten die Griechen bereits rund 45 Milliarden Euro von den Banken abgehoben. "Diese Tendenz hat sich in den letzten Wochen noch beschleunigt fortgesetzt", so Schiereck.

Fehlende Transparenz

Prof. Dirk Schiereck, Finanzwissenschaftler der TU Darmstadt. Foto privat.

Dirk Schiereck: "Domino-Effekt nicht auszuschließen"

Doch spitzt sich die Situation weiter zu, könnte das Bankensystem innerhalb weniger Tage kollabieren. Denn es gehört zur Logik der Banken, dass sie immer nur einen kleinen Teil der Ersparnisse zur Auszahlung bereithalten. Den Rest legen die Banken an, oder geben es als Kredit an die Kunden weiter, damit das Geld auch arbeitet. "Wenn jetzt die Menschen ihre Einlagen abziehen, entsteht bei den Banken eine Finanzierungslücke und die müssen die Banken abdecken", erklärt Dirk Schiereck. Normalerweise könnten sich die Banken Kredite vom Staat beschaffen. Doch da der selbst nichts habe, "besteht die akute Gefahr, dass die Banken zahlungsunfähig werden und zusammenbrechen", so Schiereck.

Wie viel Geld die griechischen Banken noch an ihre Kunden auszahlen können, weiß niemand: "Diese Information wird anscheinend bewusst zurückgehalten", sagt Hans-Peter Burghof, Experte für Bankenwirtschaft an der Universität Hohenheim. Fakt ist, dass die Spareinlagen der griechischen Bevölkerung die verfügbaren Gelder des Rettungsfonds EFSF, die für den griechischen Bankensektor vorgesehen waren, bei weitem übersteigen. 18 Milliarden Euro des Rettungsfonds stehen möglichen Forderungen von geschätzten 140 Milliarden Euro gegenüber. Dass die Griechen angesichts der Debatte über die Rückkehr zur Drachme verstärkt Geld abheben, ist für Hans-Peter Burghof logisch. Wann es aber zum wirklichen Banken-Run kommt, hinge von ganz marginalen Dingen ab. "Das ist ein Prozess, der sich sehr schnell abspielen kann", so Burghof. Manchmal sei sogar die ungeschickte Äußerung eines Politikers ausreichend.

Kaum Steuerungsmöglichkeiten

A Monday Sept. 17, 2007 photo showing customers standing in a queue outside a branch of the Northern Rock the British mortgage lender in Harrow, London. Shares of British mortgage lender Northern Rock PLC, hit by a liquidity crisis which sent customers lining up to withdraw billions in deposits, tumbled more than 30 percent Monday Sept. 17. Britain's first bank run in almost a century has prompted the government Monday Oct. 15, 2007, to take a cue from the U.S. response to the Great Depression and promise laws that will automatically guarantee savings and quick compensation in the event of a bank collapse. Critics, however, suggest that such a knee-jerk political decision could incur significant insurance costs for banks, especially for smaller financial institutions _ a cost that will likely be passed on to customers via higher charges.(AP Photo/ Max Nash)

Schlange stehen vor einer Filiale der Northern Rock Bank

Kommt es zum Ernstfall, bliebe meistens nur ein sogenanntes Moratorium. "Das heißt, man beschließt erstmal, dass niemand mehr Geld abheben kann", so Burghof. Danach könnten die Banken dazu übergehen, den Sparern wöchentlich eine festgelegte Summe auszuzahlen. "Aber einfach so laufen lassen, kann man so einen Run nicht." Alleine das Signal eines solchen Moratoriums sei schon vernichtend für die Bonität Griechenlands, warnt Burghof.

Runs auf einzelne in Verruf geratene Banken gab es schon häufiger, wie beispielsweise bei der irischen Bank "Northern Rock" oder der österreichischen Bank "Bawag". Doch in den meisten Fällen konnte eine Verstaatlichung die Anleger vor dem Totalverlust ihrer Spareinlagen bewahren. Für einen flächendeckenden Run auf alle Banken, wie er Griechenland möglicherweise bevorsteht, gibt es nur wenige Vergleichsfälle. Argentiniens Finanzkrise und die große Wirtschaftskrise 1929 zählen dazu - in beiden Fällen verloren die Sparer fast ihr gesamtes Vermögen.

Der Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistung an der Universität Hohenheim, Hans-Peter Burghof. Foto: privat

Burghof: "Information wird anscheinend bewusst zurückgehalten"

Ein Bankrott des griechischen Bankensystems, könnte auch für Deutschland teuer werden, sagt Peter Burghof: "Wenn man diesen Nibelungenschwur weiterführt und alles in Normalität halten möchte, dann wird es beliebig teuer." Dirk Schiereck sieht auch ohne europäische Unterstützung erhebliche Mehrbelastungen auf die großen EU-Länder zukommen: "Viele Europäische Banken halten Titel und Wertpapiere von griechischen Banken." Vor allem die französischen Banken seien nervös, weil sie sich besonders stark in Griechenland engagieren. "Bei einem Zusammenbruch der griechischen Banken ist ein Domino-Effekt nicht auszuschließen."