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Europa

Grüne Energie von der Grünen Insel

Irland ist als "grüne Insel" bekannt - bisher bezieht sich das in erster Linie auf die Landschaft und nicht auf die Lieferung umweltfreundlicher, alternativer Energien. Das könnte sich jedoch bald ändern.

Finger an Grashalmen (Foto: DW)

Irisches Gras - irisches Gold? Biomasse könnte ein profitables Geschäft werden

Zwischen Regenschauern scheint die Sonne an einem typischen irischen Frühsommertag. Simone, Uta, Tamara und Burkart knien auf einem Ackerstreifen bei Oak Park, dem nationalen Agrarforschungszentrum. Die jungen Wissenschaftler von der Dubliner Universität UCD sammeln Proben vom Boden, der Luft und dem Gras.

Dr. John Finnan ist auf dem 225 Hektar großen Forschungsgelände für die praktische Umsetzung des Bioenergieprojekts zuständig. Die "grüne Insel" importiere mehr als 90 Prozent ihres Energiebedarfs, erzählt er, hauptsächlich fossile Brennstoffe, Öl oder Kohle.

Gleichzeitig werde der größte Teil der landwirtschaftlichen Produkte exportiert. "Zur Zeit ist das nicht sehr profitabel", erklärt Finnan. "Ohne Subventionen würden die Bauern hier überhaupt kein Einkommen erzielen". Sowohl für Irlands Handels- als auch die Treibhausbilanz wäre es seiner Ansicht nach sinnvoll, Energiepflanzen zu kultivieren, um den Anteil importierter fossiler Brennstoffe zu reduzieren.

Klimakrise als Chance

Wissenschaftler sammeln Grasproben (Foto: DW)

Die Forscher sammeln Proben vom Boden, der Luft und dem Gras

Bereits während der ersten Ölkrise in den 60er-Jahren wurden hier Pflanzen für die Energiegewinnung kultiviert. Zwischendurch war der Ölpreis so niedrig, dass die Behörden die Notwendigkeit nicht mehr sahen. Die Sorge um das Weltklima lässt das Interesse aber wieder wachsen.

Auf den zehn Ackerstreifen, die die Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz gerade bearbeiten, wächst ganz normales irisches Gras. "Wir interessieren uns für alles, was gewinnbringend kultiviert werden kann", erklärt Finnan. Weide und Miscanthus, eine "Energiepflanze", gelten als besonders vielversprechend für den Gewinn von Biomasse.

Gras hat Vorteile

Aber auch ganz normales Gras ist eine potentielle Energiequelle. Es kann dreimal im Jahr geerntet werden. Danach kommt es zusammen mit Jauche in eine sauerstofffreie Vergärungsanlage. Der Zersetzungsprozess setzt Methangas frei, aus dem Wärme oder Strom erzeugt werden können.

Cara Augustenborg und John Finnan (Foto: DW)

Dr. Cara Augustenborg und Dr. John Finnan glauben an den Nutzen des Grases

Finnan arbeitet mit der Dubliner Universität UCD zusammen. Dr. Cara Augustenborg ist eine der leitenden Wissenschaftlerinnen, die das Projekt durchführen. Die promovierte Umweltbiochemikerin glaubt, dass Gras für irische Bauern, die auch gleichzeitig Viehwirtschaft betreiben, gewisse Vorteile gegenüber anderen Energiepflanzen hätte. "Weide und Miscanthus müssen längerfristig angepflanzt werden", erklärt sie. "Der Bauer muss sich für drei bis 15 Jahre festlegen. Aber sie könnten das Gras, das sowieso hier wächst, benutzen. Wenn sich dann etwas ändert, können sie ganz einfach die Kühe wieder weiden lassen."

Biopflanzen und die Treibhausgase

Die Proben aus Carlow werden in den Labors der UCD-Universität untersucht. Projektchef Professor Christoph Müller will nicht nur wissen, wie hoch der Biogasertrag von unterschiedlichen Pflanzen ist, sondern auch, wie die Gesamtökobilanz aussieht. Wie viel Stickstoff muss man zum Beispiel benutzen, um den Ertrag zu steigern? "Stickstoff wirkt sich auch auf die Treibhausgasemissionen aus", warnt der deutsche Professor. "Insbesondere Lachgas wird verstärkt abgegeben. Und wir wissen, dass das Erwärmungspotential etwa 300 Mal so stark ist wie das des CO2."

Deshalb testen die Wissenschaftler auf den zehn Ackerstreifen in Oak Park unterschiedliche Arten und Mengen von Düngern und messen den Ertrag und die Emissionen. Auch die Gärreste aus dem Biogasreaktor werden als Dünger wieder eingesetzt und getestet.

Gewinnzone angestrebt

Simone Hepp (Foto: DW)

Doktorandin Simone Hepp untersucht Proben auf Treibhausgase

Zum Jahresende werden erste Ergebnisse des Projekts erwartet. Für Professor Müller ist Irland mit seinem hohen Anteil an Grünfläche und Landwirtschaft ein idealer Standort, um Bioenergie einzusetzen. Aber neben der wissenschaftlichen Arbeit und den praktischen Versuchen in Oak Park müssten die Rahmenbedingungen stimmen, sagt er: "Es hängt natürlich sehr stark davon ab, inwieweit ein Profit zu erwarten ist. Es müssen bestimmte Voraussetzungen von der politischen Ebene gegeben sein wie zum Beispiel Planungssicherheit für die Biogasanlagen."

Der Bioenergieexperte des irischen Agrarforschungszentrums in Oak Park, John Finnan, ist zuversichtlich, dass eines der Klimaziele der Regierung, nämlich zehn Prozent der Treibhausgasemissionen durch den Einsatz von Bioenergiepflanzen einzusparen, mit der Nutzung von nur 4,5 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche erreichbar wäre.

Wenn das allgegenwärtige Gras auch als klimaschonende Energiealternative eingesetzt werden könnte, würde die grüne Insel im doppelten Sinne ihrem Namen gerecht werden.

Autorin: Irene Quaile
Redaktion: Sandra Voglreiter

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