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Wirtschaft

Google kauft Motorola-Mobilfunksparte

Der Internet-Gigant Google ist mit seiner Smartphone-Plattform Android sehr erfolgreich. Doch Patentklagen machen dem Riesen zu schaffen. Jetzt schlägt Google zurück.

Übernahme Wirtschaft Symbolbild Google kauft Motorola Mobility DW-Grafik: Olof Pock

Niederlagen ist man beim Internet-Riesen Google nicht gewohnt. Und wenn es doch einmal eine erleidet, dann schlägt das Imperium zurück. So geschehen an diesem Montag (15.08.2011): Da teilte das Unternehmen mit Sitz in Mountain View (US-Bundesstaat Kalifornien) mit, man werde die Mobilfunksparte von Motorola übernehmen. Man hätte sich auf einen Kaufpreis von umgerechnet 8,7 Milliarden Euro verständigt, die Aufsichtsgremien beider Unternehmen hätten bereits zugestimmt. Demnach zahlt Google 40 US-Dollar pro Motorola-Aktie. Für Besitzer solcher Papiere ein warmer Regen: Dieser Preis liegt nämlich 60 Prozent über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag.

Das Android-System

Google-Chef und Mitgründer Larry Page (Foto: AP)

Einen großen Schub erwartet Larry Page

Doch der Reihe nach: Google hat mit seinem Smartphone-Betriebssystem namens Android einen echten Hit gelandet. Mittlerweile läuft es auf der Mehrheit der Kleinst-Computer, mit denen man unter anderem telefonieren kann. Und weil Googles Appetit einfach nicht zu stillen ist, greifen die Kalifornier nun mittels der Androiden auch auf dem lukrativen Markt für Tablet-PCs an. Durch den Zukauf von Motorolas traditionsreicher Mobilfunk-Sparte erhofft sich Google-Chef Larry Page einen kräftigen Schub für das Android-Ökosystem. Er muss das sagen, denn schließlich ist der Motorola-Deal der bislang teuerste Einkauf in der Google-Geschichte.

Die große Schlacht

iPhone und Android-Smartphone

Kampf der Giganten: Apples iOS gegen Googles Android

Das alles freilich gefällt der Konkurrenz, allen voran Apple, überhaupt nicht. Nicht, dass Apple die Bösen und Google die Guten sind: Aber in der Branche herrscht Krieg. Die Waffen in dieser Schlacht sind Patentrechte. Und mit Klagen gegen den angeblichen Klau von geschützten Ideen überzieht sich die Branche derzeit massenhaft. Besonders im Blickpunkt steht dabei das Android-Betriebssystem. Es läuft beispielsweise auf den Galaxy-Smartphones von Samsung. Da hat Apple vieles entdeckt, was man auf deren iPhones genauso sehen kann. Zuvor hatten sich Apples Anwälte schon mit HTC aus Taiwan angelegt – auch das ein Anbieter zahlreicher Android-Modelle. Der deutsche Patent-Experte Florian Müller hat nachgezählt und kommt auf mittlerweile 50 Patentklagen im Zusammenhang mit Android.

Googles Niederlage

Kein Wunder, dass sich Google im Krieg sieht: "Unsere Wettbewerber führen einen Patentkrieg gegen Android", heißt es im Firmenblog. Hintergrund dieser martialischen Äußerung war die Niederlage Googles im Rennen um den Patentschatz des gescheiterten kanadischen Telekom-Ausrüsters Nortel. Der war vor einigen Wochen versteigert worden. Den Zuschlag bekam ein Konsortium aus prominenten Google-Gegnern wie Apple, Microsoft, dem Blackberry-Anbieter RIM und anderen. Google hätte diese Patente dringend gebraucht, um damit Android vor Klagen zu schützen. "Damit hat eine feindlich organisierte Kampagne gegen das Google-System Android begonnen", bloggte daraufhin Googles Chefjustiziar David Drummond.

Google schlägt zurück

Das weltweit erste Handy, das DynaTAC 8000X von Motorola (Foto: dpa)

Das weltweit erste Handy, das DynaTAC 8000X von Motorola

Doch nun hat der Internet-Reise zum Befreiungsschlag ausgeholt. Denn auch die Patente der Mobilfunker von Motorola sind nicht zu verachten. Schließlich gilt das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Illinois als Erfinder des Mobiltelefons. Schon 1983 baute Motorola das erste mobile Gerät, neun Jahre später folgte das erste GSM-Mobiltelefon. Doch über die USA hinaus konnte Motorola nie den ganz großen Durchbruch erringen, der Marktanteil bei Handys sank immer weiter. Doch da schließt sich der Kreis: Besser verkaufen sich Motorola-Smartphones. In denen werkelt das Betriebssystem, richtig: von Google.

Es bleiben einige offene Fragen. Zum einen: Was sagen die Kartellbehörden zu dem Deal, der ja von ihnen noch genehmigt werden muss? Man darf sicher sein, dass die Kartellwächter ein besonders wachsames Auge auf den Giganten Google haben. Und leidet Googles Verhältnis zu den bisherigen großen Android-Partnern wie Samsung oder HTC? Nicht gelitten hat jedenfalls der Kurs der Motorola-Aktie. Mit einem Plus von knapp 56 Prozent stellte das Papier alles andere an der Wall Street in den Schatten. Google hingegen verloren etwas mehr als ein Prozent.

Autor: Henrik Böhme (mit dpa)
Redaktion: Andreas Becker

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