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Kultur

Google entdeckt die Krankheit

In den USA können Menschen ihre Krankheiten nun online managen - Google macht's möglich. Datenschützer sind wenig enthusiastisch. Nicht nur deshalb hätte das System in Deutschland vorerst keine Chance.

Bildschirmaufnahme von Google Health

Im Menü von Google Health stehen viele Krankenheiten zur Auswahl

Seit Montag (19.5.2008) können sich kranke Amerikaner gesund googeln: Mit einem neuen Online-Dienst will der Internetkonzern Google den milliardenschweren Gesundheitsmarkt in den USA für sich erschließen. Google Health bietet Kranken Informationen über Ärzte und Krankenhäuser. Wer will, kann über den neuen Service gleich seine gesamte Krankengeschichte online im Internet speichern und mit Ärzten austauschen.

Google erobert persönlichen Bereich

Mit dem neuen Produkt schickt sich das Unternehmen an, den vielleicht wichtigsten Kernbereich persönlicher Informationen seiner Kunden zu erobern. Patienten sollen bewusster Entscheidungen über ihre Gesundheit treffen und einfacher auf medizinische Informationen zugreifen können, bewerben Google und seine Partner das System.

Ein Markt ist vorhanden: Rund zwei Drittel der erwachsenen Internetnutzer in den USA besorgten sich Gesundheitsinfos im Internet, sagt Stefan Keuchel, Sprecher von Google Deutschland. "In Deutschland ist die Situation ähnlich." Er verweist insbesondere auf die steigende Zahl von Senioren im Netz, die so genannten "Silver-Surfer". Bis auf weiteres werde es das Angebot aber nur in den USA geben.

Datenschutz-Bedenken

Was nicht heißt, dass das Thema in Deutschland damit erledigt wäre. Nicht nur für Kritiker der in Deutschland heiß diskutierten elektronischen Gesundheitskarte ist eine virtuelle Krankenakte á la Google ein rotes Tuch. Unzureichender Datenschutz sei ein Problem, warnt Frank Rosengart vom Chaos Computer Club (CCC) in Hamburg. "Google Health ist ein StudiVZ für Kranke", sagt er in Anspielung auf das bekannte soziale Netzwerk, bei dem Internetnutzer persönliche Informationen austauschen können. Google habe ein so verlockendes Angebot geschaffen, dass "die Menschen sich nicht mehr fragen, was mit ihren Daten passiert", so der CCC-Sprecher. Das regelt der Konzern im Kleingedruckten.

CD liegt in halbgeschlossenem Tresor (undatiert, Quelle: Bilderbox)

Sind Gesundheitsdaten bei Google sicher?

Ein lediglich mit Namen und Passwort gesicherter Zugang auf einem kommerziellen Server sei für sensible Gesundheitsdaten absolut unzureichend, sagt auch Hermann Bärenfänger, Sprecher der Techniker Krankenkasse. "Die Erfüllung strenger Sicherheitsstandards kostet Zeit – ein Grund, warum sich die Einführung der Gesundheitskarte in Deutschland verzögert", sagt er. Dieses System wird vom Bund in Kooperation mit Krankenkassen, Ärztevertretern und Firmen entwickelt. Ziel ist die sichere elektronische Verwaltung und Austausch von Gesundheitsdaten.

Google profitiert von fehlenden Standards

Die Verzögerungen bei der Gesundheitskarte haben Folgen: Auf regionaler Ebene, wie etwa in Baden-Württemberg, schaffen Ärzteverbände, Versicherungen und Softwareanbieter Fakten und etablieren eigene Gesundheitsmanagement-Systeme. Droht eine Fragmentierung, die auch kommerziellen Angeboten wie Google Health Vorschub leisten würde? "Nein", meint Bärenfänger. In Deutschland sei beinahe jeder krankenversichert und damit in das Projekt Gesundheitskarte eingebunden. "In den USA ist das nicht der Fall. Ein kostenloses Angebot wie Google Health trifft deshalb dort auf viel größere Resonanz."

Älterer Mann sitz im Sessel vor einem Computerbildschirm (10.1.97, Augusta - Georgia - USA, Quelle: AP))

Nur wenige Senioren sind im Internet unterwegs (Archiv)

Amerikanische Medien argumentieren ähnlich: Das Fehlen einheitlicher Standards beim Gesundheitsmanagement in den USA eröffne Google die Chance, eine Standardisierung nach eigenen Vorstellungen anzuschieben. Produkte wie Google Health könnten für Nutzer in Deutschland dennoch als Alternative im Privatgebrauch interessant werden, sagt Franz-Joseph Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses Telematik bei der Bundesärztekammer (BAK). Dagegen spreche aber vorerst die Demografie: Das Internet werde in erster Linie von jungen Leuten benutzt. "Die sind aber gesund", so Bartmann. "Krankheit betrifft besonders ältere Menschen, die weit weniger internet-affin sind."

US-Kliniken mit an Bord

In den USA hat Google seinen neuen Dienst zusammen mit Kliniken entwickelt. Laut Webseite wird das neue Internetportal von führenden Vertretern aus Ärzteverbänden und der Gesundheitsbranche beraten. Im US-Gesundheitsbereich bringt man dem Konzern also offenbar Vertrauen entgegen.

Dabei ist der neue Online-Dienst gegenwärtig im Beta-Status. Der Begriff aus der Software-Branche besagt, dass Googles Gesundheitsportal offiziell noch in der Entwicklung ist. Nutzer können also damit rechnen, dass das System noch einige Änderungen erfährt – Kinderkrankheiten inklusive.

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