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Musik

Goodbye, Rhinestone Cowboy: Zum Tod von Glen Campbell

Er war einer der großen Musiker der USA und kannte alle Höhen und Tiefen der Branche. Weltberühmt wurde Glen Campbell durch seinen Hit "Rhinestone Cowboy". Jetzt starb er an den Folgen seiner Alzheimer-Krankheit.

"Schon so lange bin ich auf diesen Straßen unterwegs/
Und singe das selbe alte Lied …
Es gab viele Kompromisse  auf dem Weg zu meinem Ziel/
Aber ich werde dahin gelangen, wo die Lichter auf mich scheinen",  heißt es in Campbells wohl bekanntestem Stück "Rhinestone Cowboy".

Vom Kneipensänger zum gefragten Studiomusiker 

Campbell wusste, wovon er sang, denn auf dem Weg nach oben hatte er es nicht leicht. Am 22. April 1936 kam er in dem 300 Seelen-Dorf Delight in Arkansas zur Welt und wuchs mit seinen elf Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf. Das Gitarrespielen brachte er sich selbst bei, ohne eine einzige Note lesen zu können. Sein großes Idol damals war der französische Gitarrist und Komponist Django Reinhardt. Mit 14 schmiss Campbell die Schule und zog zu einem Onkel nach Wyoming. Der war Musiker und nahm seinen Neffen mit, um mit ihm gemeinsam in Bars der Umgebung aufzutreten. Eine harte Schule und ein täglicher Kampf, um genug Geld zusammenzubekommen. 

Vier Jahre später schloss sich der junge Glen den "Western Wranglers" an und ging mit ihnen auf Tournee. 1958  zog es ihn dann nach Los Angeles, wo sich sein Talent schnell herumsprach. Campbell wurde als Mitglied der Session-Gruppe "Wrecking Crew" zu einem der meistgebuchten und bestbezahlten Studiomusiker der Stadt. Ein Kollege, der Pianist Leon Russell, sagte damals über Campell, er sei der beste Gitarrenspieler, den er je gehört habe. "Manchmal spielten wir mit einem 60-köpfigen Orchester. Da er keine Noten lesen konnte, spielten sie ihm ein Stück einmal vor – und schon hatte er es drauf."

Mit den Beach Boys zum Erfolg 

Campbell ist auf vielen erfolgreichen Produktionen der ersten Hälfte der 1960er Jahre zu hören, unter anderen bei Elvis Presley, Frank Sinatra, Dean Martin und den Monkees. "Ich müsste ein Jahr Baumwolle pflücken, um das zu verdienen, was ich in einer Woche in L.A. bekam", erzählte er später über diese Zeit. Nur mit der eigenen Karriere unter seinem eigenem Namen lief es schleppend.

Country-Sänger Glen Campbell (picture-alliance/Photoshot)

1975 erschien Campbells größter Hit: Rhinestone Cowboy

Bereits 1962 hatte er  einen Vertrag mit dem Major Capitol unterschrieben, doch seine eigenen Alben waren wenig erfolgreich. Als Bassist Brian Wilson von den Beach Boys 1964 einen Nervenzusammenbruch erlitt, kam seine große Chance. Die Band engagierte ihn für die Tournee als Ersatzmann und er war an den Aufnahmen zum Album  "Pet Sounds" beteiligt. "Der Mann ist nicht nur ein großartiger Gitarrist, er konnte auch besser singen als alle anderen Beach Boys", erkannte Wilson damals neidlos an. Campbell selbst bekundete später: "Ich war plötzlich im Himmel."

Hit-Lieferant, Showmaster und Schauspieler 

1967 landete der mittlerweile 34-Jährige mit "By the Time I Get to Phoenix" endlich seinen ersten eigenen Hit. Das Lied stammte von Jimmy Webb, der es Campbell auf den Leib geschrieben hatte. "Glens Stimme und seine Technik sind das perfekte Medium für sentimentale und romantische Songs", so der Songwriter. Es folgten weitere Publikumsrenner wie "Wichita Lineman", mit der es Campbell erstmals in die Liste der Top Ten-Hits schaffte, die Vietnam-Ballade "Galveston" und "Gentle on my Mind".

Innerhalb kürzester Zeit gehörte der Musiker zu den ganz Großen des Business - was sich auch daran zeigte, dass er 1967 gleich vier Grammys auf einmal absahnte. Von 1969 bis 1972 hatte er unter dem Titel "The Glen Campbell Goodtime Hour" eine eigene TV-Show, an der Seite von John Wayne versuchte er sich 1969 sogar als Schauspieler im Western-Klassiker "Der Marshal" (True Grit).

Country-Sänger Glen Campbell mit John Wayne, Musical West (picture-alliance/KPA)

Glen Campbell spielt 1969 in "Der Marshal" an der Seite von John Wayne einen Texas Ranger

Der schleichende Abstieg 

Wie bei so vielen Country-Größen begann auch Campbells Stern Ende der 1970er Jahre zu sinken 1975 gelang ihm mit "Rhinestone Cowboy" zwar der größte Hit seiner Karriere, in den 1980er Jahren aber verfiel er in Depressionen und nahm Drogen. Erst in den 1990er Jahren fasst er als Livekünstler wieder Fuß. Es gab zwar keine neuen Lieder, dafür aber erschien seine Biografie "Rhinestone Cowboy".

Mit einer Neuaufnahme dieses Titels katapultierte er sich 2002 auch wieder in die Charts. Doch schon kurz darauf sorgte er für negative Schlagzeilen, als er betrunken einen Autounfall verursachte, Fahrerflucht beging und nach der Festnahme einen Polizisten angriff. Der Richter zeigte sich gnädig und verurteilte ihn lediglich zu zehn Tagen Gefängnis.

Spätes Comeback 

2008 schließlich meldete sich Campbell nach langer musikalischer Abstinenz mit "Meet Glen Campbell" zurück. Als 72-Jähriger nahm er seine bekanntesten Songs mit vergleichsweise jungen Bands und Musikern wie Green Day, Foo Fighters, Tom Petty und Fran Healey neu auf.

Country-Sänger Glen Campbell (picture-alliance/dpa/Captital Pictures)

Campbell offenbarte der Öffentlichkeit in einer TV-Dokumentation die Schattenseiten seiner Krankheit

Mit ganz neuen Songs im Gepäck begab er sich zwei Jahre später noch einmal ins Studio, um sein letztes Album mit dem Titel "Ghost On The Canvas" einzuspielen. Bei der Veröffentlichung im Sommer 2011 gab er bekannt, er leide an Alzheimer und werde nach einer letzten Tour seine musikalische Karriere beenden. Ein Fernsehteam begleitete Glen Campbell während der Sessions, und die daraus entstandene TV-Dokumentation "I'll Be Me" machte den Musiker nochmals in einer anderen Rolle berühmt - nämlich in der eines kranken Mannes, der sich gegen seine Krankheit aufbäumte. Seinen letzten Auftritt hatte er bei den Grammy Awards 2012, bei denen er einen Preis für sein Lebenswerk erhielt. Als er jetzt in Nashville starb, erinnerte er sich schon nicht mehr an seine Karriere als Musiker.

Seine Familie, seine Freunde und viele Musiker umso mehr. "Glen hatte eine der großartigsten Stimmen aller Zeiten", twitterte Country-Sängerin Dolly Parton. "Ich werde dich immer lieben, Glen!" 


Brian Wilson von den Beach Boys schrieb auf Facebook: "Ich bin am Boden zerstört, seit ich das von meinem Freund Glen Campbell hörte. Er war ein unglaublicher Musiker und ein noch besserer Mensch. Es ist ein großer Verlust." 

Und die bekannte US-Moderatorin und Komikerin Ellen DeGeneres twitterte: "Country Music wird nie mehr sein wie zuvor."

Glen Campbells Tochter Ashley bekundete, dass sie ihm alles verdanke, was sie sei. Schon im April hatte sie ihrem Vater, dessen Alzheimer-Krankheit weit fortgeschritten war, in einer TV-Show das Lied "Remembering" (Sich erinnern) gewidmet.

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