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Kultur

Goldrausch in Berlin

Der Goldpreis steigt - und immer mehr Menschen trennen sich von ihrem Altgold um Kasse zu machen. 100 Gramm bringen mittlerweile fast 2000 Euro. Auch Peter Hille hat versucht, sein altes Zahngold zu Kohle zu machen.

Goldbarren (Quelle: AP)

Berliner im Goldrausch - die wenigsten horten aber Mengen wie diese zu Hause

Tief unten in meinem Schrank liegt das Zahngold. Genau genommen verstecke ich dort eine goldene Brücke, die mir ein Zahnarzt vor einigen Jahren herausgezogen hat. Und seitdem bewahre ich dieses kleine, nicht gerade appetitlich aussehende Stück Gold in einer kleinen Plastiktüte auf. Aber nun werde ich mein Gold los, denn selbst dieses kleine Stückchen Zahngold bringt anscheinend gutes Geld, denke ich und mache mich auf den Weg zum Goldhändler.

Reich durch Angst vor Kommunisten?

Brandenburger Tor hinter Stacheldraht - schwarz-weiß (Quelle: AP)

Im Kalten Krieg sammelten die West-Berliner besonders eifrig

Pro Aurum ist der Name eines Spezialgeschäfts für den An- und Verkauf von Gold in Berlin. Die schweren Türen werden hier für jeden Kunden einzeln aufgeschlossen – wenn das überhaupt möglich ist, sagt Geschäftsführer Heiko Ganß. Denn "wenn die Kurse verrückt spielen, dann stehen die Leute richtig an. Wir hatten auch schon Tage, wo sie aus der Tür raus gestanden haben." Das Geschäft läuft gut. Ganß und ein Kollege hatten 2005 angefangen. Heute arbeiten insgesamt sieben Leute bei Pro Aurum, die gut zu tun haben, die Kunden zu bedienen.

Der immer weiter steigende Goldpreis hat das Edelmetall begehrt gemacht. Nicht nur als Anlage für Superreiche, sondern auch für den kleinen Mann. Drei von vier Kunden bei Pro Aurum wollen Gold kaufen und am Boom teilhaben. Und die wirklich Schlauen verkaufen jetzt zu Höchstpreisen. Gerade in Berlin gibt es nämlich viele Goldbesitzer, die während des Kalten Krieges ganz auf das leicht zu versteckende Metall gesetzt haben. Aus Angst, der Westen der Stadt könnte irgendwann vom Ostblock verschluckt werden. "Die Leute, die verkaufen, sind jetzt in der Regel ältere Leute", sagt Ganß. Die hätten ihr Gold Anfang der 1980-er Jahre oder früher gekauft. "Und da gab es am meisten den Barren oder den Krügerrand und das ist das, was am meisten hier wieder auf dem Tisch landet."

Einen Hunderter fürs Zahngold

In Zeitung abgebildeter Aktienkurs, davor eine Lupe (Quelle: Bilderbox)

Der Goldpreis steigt

Und da landet jetzt auch mein Zahngold. Ab auf die Waage. "Wie viel Gramm sind das?", frage ich. "Das sind 5,70 Gramm, was auch immer da drin ist", kommt die Antwort. "Wenn das Gold wäre, dann wären das 108 Euro." Die werde ich allerdings nicht mit nach Hause nehmen können. Denn Ganß will mein Zahngold nicht kaufen. Erst müsse die Metallmischung festgestellt werden – bei so kleinen Mengen ein relativ großer Aufwand. Zu einem Goldschmied könne ich gehen, empfiehlt Ganß. Dort könnte ich aus meiner Brücke zum Beispiel einen kleinen Ring schmieden lassen.

Oder ich gehe doch einfach wieder zurück zu meinem Zahnarzt. Denn die meisten Zahnärzte in Deutschland sammeln altes Gold. Und zwar nicht für die eigene Tasche, sondern um es für einen guten Zweck zu spenden. Bei größeren Mengen lohnt es sich nämlich, die Legierung zu bestimmen und das Zahngold von Platin oder Palladium zu scheiden. Und so kann auch aus meiner alten Goldbrücke vielleicht eines Tages Bares werden.

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