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Wirtschaft

Der IWF will 400 Tonnen Gold verkaufen

Der Internationale Währungsfonds will 400 Tonnen Gold verkaufen. Weil immer weniger Länder die an Auflagen geknüpften Kredite in Anspruch nehmen, hat der IWF finanzielle Probleme.

Weltweit werden 500 Tonnen im Jahr gehandelt, Quelle: AP

Weltweit werden 500 Tonnen im Jahr gehandelt

Der Internationale Währungsfonds (IWF) will seine Finanzprobleme mit dem Verkauf von mehr als 400 Tonnen Gold sowie Ausgabenkürzungen lösen. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn nannte die Entscheidung zur Reform der Fonds-Finanzen am Montag (07.04.2008, Ortszeit) einen "Meilenstein, der die Institution auf eine solide finanzielle Basis" stellen werde.

"Schonender Verkauf"

Der Fonds verfügt über mehr als 3200 Tonnen Gold, die Ende Februar einen Marktwert von gut 95 Milliarden Dollar hatten. Nach Angaben von IWF-Mitarbeitern könnte der Verkauf von 403,3 Tonnen bei einem hohen Goldpreis bis zu elf Millarden Dollar (sieben Milliarden Euro) einbringen. Der Goldpreis hatte jüngst mit mehr als 1000 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) ein Allzeithoch markiert.

Nach Angaben eines IWF-Vertreters soll das Gold entweder am Markt direkt schonend verkauft oder an Zentralbanken abgegeben werden. Die Verkäufe sollen sich über mehrere Jahre erstrecken. Jährlich werden nach IWF-Angaben etwa rund 500 Tonnen Gold weltweit gehandelt. Der Verkauf von rund 400 Tonnen IWF-Gold könnte daher starke Auswirkungen haben.

Zustimmung der USA fraglich

Der Goldverkauf bedarf allerdings noch der Zustimmung von 85 Prozent der Mitgliederstimmen im Fonds. Insbesondere muss zunächst der US-Kongress den Schritt unterstützen, ehe die USA die Transaktion mittragen kann. 1999 hatte er ähnliche Pläne schon einmal abgelehnt. Zudem stammt der Mehrheitsführer im Senat, der Demokrat Harry Reid, aus dem Goldstaat Nevada. Weitere der 184 Mitgliedstaaten müssen den Goldverkauf ebenfalls absegnen.

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn, Quelle: dpa

IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn

Mit dem Verkauf wolle der IWF seine finanzielle Lage stabilisieren, erklärte Strauss-Kahn. Teile des Erlöses sollten investiert werden, um mehr Einnahmen für den Währungsfonds zu erwirtschaften. Die Pläne sind Teil einer Finanzreform, für die sich der IWF-Vorstand ausgesprochen hat: Künftig sollen die IWF-Einnahmen nicht mehr wie bisher aus der Kreditvergabe stammen, sondern aus "verschiedenen Quellen". Um die Einnahmestruktur zu ändern, muss jedoch die Satzung des IWF geändert werden. Dem müssen die Mitgliedsländer zustimmen.

Unbeliebte Kredite

Der IWF hatte in den 1990er Jahren Ländern in Asien und Afrika, die in ökonomischen Schwierigkeiten steckten, Milliarden geliehen und sich durch die Kreditzinsen refinanziert. In den letzten Jahren hatten aber immer mehr Staaten auf IWF-Kredite verzichtet, deren Vergabe an strenge Auflagen geknüpft ist. Die Folge sind sinkende Zinseinnahmen.

Der IWF sieht sich zum Abschluss des Haushaltsjahrs 2008, das am 30. April endet, mit einem Fehlbetrag von rund 140 Millionen Dollar konfrontiert. Für die IWF-Haushalte bis 2011 war zuletzt eine jährliche Finanzlücke von 400 Millionen Dollar vorausgesagt worden. Der IWF-Vorstand billigte den Haushalt für das Jahr 2009 und beriet über die Finanzpläne bis 2011, die unter anderem Einsparungen von rund 100 Millionen Dollar und den Abbau von bis zu 100 Stellen vorsehen. Strauss-Kahn, der seit November an der Spitze des Währungsfonds steht, hat sich eine gründliche Modernisierung der Institution zum Ziel gesetzt. Am Wochenende findet in Washington die Frühjahrestagung des IWF und seiner Schwesterorganisation, der Weltbank, statt. (stu)

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