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Europa

Goldene Autobahnen in Russland

Die Kosten des Straßenbaus in Russland sind mit die höchsten weltweit. Die Straßenbauer weisen jedoch die Kritik zurück, sie würden die Preise viel zu hoch ansetzen. Gibt es illegale Preisabsprachen?

Eine Autobahn bei Moskau (Foto: RIA Novosti)

Die teuersten Autobahnen Europas?

Der Bau eines Kilometers Autobahn sei in Russland viel teurer als im Westen, so Vladimir Inosemtsev, Leiter des Forschungszentrums für postindustrielle Gesellschaft. Das könne aber nicht nur am Gelände oder der Komplexität der Straßenkonstruktion liegen, so der Wissenschaftler. "Die Errichtung einer Autobahnbrücke oder eines Tunnels kann die Kosten in die Höhe treiben," gibt Inosemtsev zu. "Aber warum kostet der Ausbau der Straße zum Flughafen Scheremenjewo, bei dem vier bis fünf Kilometer neu gebaut wurden, 90 Millionen US-Dollar?" Beim Ausbau der fraglichen Straße mussten weder neue Brücken noch Autobahntunnels errichtet werden. Also vermutet er unzulässige Preistreiberei und mangelnde Konkurrenz hinter den hohen Preisen.

Ein Arbeiter auf einer russischen Baustelle (Foto: dpa)

Legen Baufirmen die Preise selber fest?

Die Straßenbauer selbst weisen die Vorwürfe zurück und bezeichnen ihre Kritiker als "schlecht informiert". Vertreter der russischen Straßenbauaufsichtsbehörde "Rosavtonadsor" als auch des staatlichen Unternehmens "Avtodor" demonstrierten auf Nachfrage der Deutsche Welle Einigkeit. "Die Vorstellung, dass Straßenbau in Russland viel zu teuer ist, ist ein Mythus," erklärte der Pressesprecher von "Avtodor" Sergej Frolov. "Diejenigen, die so etwas behaupten, vergessen, wie viel man in die Vorbereitung eines Bauprojektes investieren muss".

Teure Grundstücke

Besonders kostspielig sei es, in Russland ein Grundstück für die zukünftige Autobahn zu erwerben, so Frolov. Dazu kämen die Kosten für die Vorbereitung des Geländes. So laufe oft unter der zukünftigen Trasse eine Gasleitung oder darüber eine Hochspannungsleitung. Auch der Genehmigungsprozess koste Geld: Insgesamt schätzt der "Avtodor"-Vertreter die Vorbereitungskosten auf 40 Prozent der Gesamtkosten.

Eine verstopfte Straße in Moskau (Foto: AP)

Straßenbau ist nötig und lukrativ

Oleg Skvortsov vom Verband der Autobahnbauer RODOS erklärt, warum der Erwerb eines Grundstücks den Kilometerpreis auf bis zu sechs Millionen US-Dollar hochtreiben kann. "Nehmen wir an, wir bauen eine vierspurige Autobahn. Das Gelände muss 40 Meter breit sein, dann brauchen wir für zehn Meter Straße eine Fläche von vier Ar (1 Ar = 100 Quadratmeter). Wenn ein Ar 15.000 US-Dollar kostet, und solche Preise werden heute beispielweise rund um die Rublev-Chausee bei Moskau verlangt, dann kommen wir auf 60.000 Dollar pro zehn Meter Straße. Das macht zusammen sechs Millionen Dollar pro Kilometer."

Experte Vladimir Inosemtsev hält solche Rechnungen für unglaubwürdig. Denn Straßenbau-Firmen weigern sich normalerweise, Unterlagen für den Erwerb der Grundstücke vorzulegen. "Wenn jemand behauptet, es sei zu teuer, fragen Sie nach den Originalrechnungen," rät der Wissenschaftler. "Fordern Sie konkrete Zahlen und Namen der Verkäufer."

Strukturelle Reform ist notwendig

Die Taktik, den hohen Endpreis bei öffentlichen Bauprojekten mit überteuerten Grundstücken zu begründen, benutzten Baufirmen besonders oft im Großraum Moskau, so Inosemtsev. Er habe selbst versucht, dieser Frage am Beispiel der Autobahn Moskau-Kiev nachzugehen. Dort konnte er nicht bestätigen, dass Grundstücksverkäufe in einem maßgeblichen Umfang stattgefunden hatten.

Eine Autobahn bei Volgograd (Foto: RIA Novosti)

Hohe Grundstückskosten oder Bereicherung?

Selbst in den Unterlagen des Rechnungshofes habe er keine Information darüber gefunden, dass Grundstücke von jemandem erworben werden mussten. Deshalb zieht Inosemtsev das Fazit: Die Mittel müssen veruntreut worden sein.

Dabei unterstellt der Experte nicht, dass die Straßenbauer das Geld stehlen. Das Problem liege vielmehr im System der Straßenprojektierung und des Straßenbaus, sagt er. Problematisch sei zum Beispiel, wie Ausschreibungen durchgeführt würden, nach welchen Kriterien Baufirmen und Subunternehmer ausgesucht oder wo und zu welchen Preisen Baumaterialen eingekauft würden. Nur wenn hier grundsätzliche Änderungen im Verfahren eingeführt würden, könne man die Kosten senken, so Inosemtsev.

Autor: Egor Winogradow / Tatiana Petrenko
Redaktion: Fabian Schmidt

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