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Wirtschaft

GM-Verwaltungsrat vor Opel-Entscheidung

Wie sieht die Zukunft des Autobauers Opel aus? Der US-Konzern General Motors hatte eine Entscheidung mehrfach verschoben. Nun tagt der GM-Verwaltungsrat in Detroit wieder. Von Andreas Becker

Ds Vignet von Opel (Foto: dpa)

Bleibt Opel bei GM oder gehen die Unternehmen getrennte Wege?

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg drängte im Vorfeld auf eine rasche Festlegung. "Ich hoffe, eine klare Ansage vom GM-Verwaltungsrat zu bekommen", sagte der CSU-Politiker am Montag (07.09.2009) im bayerischen Abensberg. "Wir sind mit unserer Verhandlungsposition für jede denkbare Option gerüstet."

Der Wirtschaftsminister bei einer Kundgebung im bayerischen Abensberg (Foto: AP)

Der Wirtschaftsminister bei einer Kundgebung im bayerischen Abensberg

Die Bundesregierung bevorzuge weiterhin eine Investorenlösung für Opel, so der Minister. In der Vergangenheit hatte sich die Regierung für das Angebot eines Konsortiums ausgesprochen, zu dem der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna, die russische Sberbank und der russische Autobauer Gaz gehören.

Aus Kreisen des US-Konzerns verlautete dagegen, GM bevorzuge den Verkauf an den belgischen Finanzinvestor RHJ. Auch der Rückkauf von Opel werde von GM geprüft.

Opel ist in Europa die wichtigste Marke von GM und Teil von GM Europe, zu der auch die britische Vauxhall gehört. Ende Mai dieses Jahres wurde GM Europe in eine Treuhandgesellschaft umgewandelt. So waren die Unternehmenswerte geschützt, als GM kurz darauf Insolvenz erklärte.

Neues Selbstbewußtsein nach der Insolvenz

Inzwischen ist das Insolvenzverfahren beendet, und GM ist als New GM wieder auferstanden - mit weniger Mitarbeitern und mehr Geld, denn der amerikanische Staat ist nun der größte Gesellschafter.

An vier Orten werden in Deutschland Opel-Modelle gebaut (Foto: dpa-Grafik)

Die vier deutschen Opel-Werke

In Deutschland arbeiten rund 25.000 Menschen in vier Werken für Opel - noch einmal so viele sind in sechs weiteren europäischen Ländern bei GM Europe beschäftigt. Das Angebot des Konsortiums um Magna sieht vor, alle deutschen Opel-Standorte zu erhalten. Für die Bundesregierung war das wohl der Hauptgrund, das Angebot zu unterstützen. Die Politiker fürchteten mögliche Werksschließungen kurz vor der Bundestagswahl Ende September und waren deshalb bereit, auch Steuermittel zur Rettung von Opel einzusetzen. So gewährte die deutsche Regierung einen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro, um die drohende Zahlungsunfähigkeit von Opel abzuwenden. Außerdem stellte sie Staatsbürgschaften in Höhe von fast fünf Milliarden Euro in Aussicht. Die Angebote anderer Opel-Interessenten sahen zwar geringere Staatshilfen vor, aber auch größere Arbeitsplatzverluste in den deutschen Werken.

Der Versuch der Deutschen, ihre eigenen Werke zu erhalten, stößt an anderen europäischen Standorten auf Unmut. In Spanien beschäftigt GM rund 7000 Menschen, in Großbritannien fast 5000, in Polen 3500. Carl-Peter Forster, der Chef von GM Europe, bevorzugt offiziell zwar einen Verkauf an Magna, doch es ist wahrscheinlich, dass man sich an den Standorten außerhalb Deutschlands nach einer anderen Lösung sehnt.

Hinzu kommt, dass GM befürchtet, ein Verkauf an Magna könne seine Chancen auf dem russischen Automarkt schmälern. Schließlich gehört mit dem russischen Autobauer GAZ ein direkter Konkurrent zum Bieter-Konsortium.

Opel wieder zurück zu GM?

Ein Verkauf an den Finanzinvestor RHJ stößt dagegen bei der Bundesregierung auf Widerwillen. Sie befürchtet, GM wolle Opel beim Finanzinvestor nur parken, das Unternehmen mit deutschen Steuergeldern sanieren und dann zurückkaufen. Für weitere Spekulationen sorgten Berichte, GM wolle mehr als eine Milliarde Dollar in Opel investieren: Möglicherweise will GM Opel und die anderen europäischen Geschäfte doch in Eigenregie weiterführen.

Die Konzernzentrale von GM in Detroit (Foto: AP)

Hier fällt die Entscheidung: GM-Konzernzentrale in Detroit

Wie auch immer die Entscheidung ausfällt - sicher ist, dass sie vom 13-köpfigen GM-Verwaltungsrat getroffen wird, nicht von der deutschen Politik. Auch die US-Regierung als größter GM-Aktionär wird sich wohl weitgehend zurückhalten. Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück hatte am Rande des Treffens der G20-Finanzminister am Wochenende in London Gelegenheit, mit seinem US-Kollegen Timothy Geithner über Opel zu sprechen. Die US-Regierung, Haupteigner von GM, habe die Entscheidung "ziemlich klar" in die Hände des Verwaltungsrats gelegt, sagte Steinbrück. Sein Eindruck sei, dass es keine große politische Einflussnahme gebe.

Autor: Andreas Becker

Redaktion: Karl Zawadzky

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