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Wirtschaft

Ringen um Opel - eine Chronologie

Gut eineinhalb Jahre ringt Opel ums Überleben - im November 2008 fing es an. Seither nahm die Opel-Story viele Wendungen - jetzt sagt Deutschland nein zu einer Kreditbürgschaft an GM.

Dunkle Wolken ueber dem Opel Schild vor dem Opel Werk in Bochum (Foto: ap)

Keine Kreditbürgschaft für Opel

November 2008:
Die Nachricht, Opel wolle in Deutschland um Staatshilfe bitten, macht wie ein Lauffeuer die Runde. Nach Absatzeinbruch und massiven Verlusten ruft Opel als erster deutscher Autohersteller nach dem Staat: Es geht um eine Bürgschaft von Bund und Ländern über "etwas mehr als eine Milliarde Euro".

Ein Fähnchen mit der Aufschrift 'Wir sind Opel' weht am 30. Mai 2009 nach Sonnenaufgang an einem Auto vor der Opel-Zentrale in Rüsselsheim (Foto: AP)

Wechselbad der Gefühle für Opelmitarbeiter

Februar 2009:
Der schwer angeschlagene Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) will 47.000 Stellen streichen, davon 26.000 außerhalb der USA. Der US-Autobauer prüft einem Medienbericht zufolge die Schließung oder den Verkauf von drei Opel-Werken in Europa. Die Opel-Fabriken in Bochum und im belgischen Antwerpen könnten den Sanierungsplänen zufolge geschlossen, das Werk in Eisenach veräußert werden, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf einen Insider. Opel will sich weitgehend von GM abkoppeln. Das von der öffentlichen Hand benötigte Kapital für ein neues europäisches Unternehmen wird auf 3,3 Milliarden Euro beziffert.

März 2009:
US-Präsident Barack Obama stellt GM ein Ultimatum von 60 Tagen für ein tragfähiges Sanierungskonzept. Bundeskanzlerin Merkel stellt in Rüsselsheim staatliche Unterstützung in Aussicht. Einen direkten Staatseinstieg lehnt sie aber ab.

April 2009:
Der italienische Fiat-Konzern zeigt Interesse an Opel und stößt auf Gegenwind vom Betriebsrat. Der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna legt ein erstes "Grobkonzept" für Opel vor.

Angela Merkel winkt vor dem Opel-Zeichen (Foto: AP)

Kanzlerin Merkels Wunschkandidat ist Magna

Mai 2009:
Neben Magna und Fiat hat auch der US-Finanzinvestor Ripplewood über seine belgische Tochter RHJ International ein Angebot für Opel abgegeben. GM Europa bestätigt, dass drei Angebote für Opel eingereicht worden sind. Ein viertes Unternehmen signalisiert Interesse: der chinesische Autobauer BAIC. Dann einigt sich Magna vorerst mit Bund, Ländern und GM auf ein Rettungskonzept. Das ist das Ergebnis eines Spitzentreffens im Kanzleramt. Zudem werde ein Überbrückungskredit in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Magna will die vier deutschen Werke erhalten. Eine Absichtserklärung wird unterzeichnet. Das Papier ist nicht bindend. Zuvor hatten sich Fiat und RHJ aus dem Bieterwettstreit zurückgezogen. BAIC hatte bis dahin kein detailliertes Angebot vorgelegt.

Juni 2009:
GM reicht in New York einen Antrag auf Insolvenz mit Gläubigerschutz ein - die letzte Chance zu einer rettenden Sanierung. Die Liquidität Opels ist durch das Rettungspaket gesichert.

Juli 2009:
GM wird aus der Insolvenz entlassen. Mehrheitlich ist der US-Autobauer nun in Staatsbesitz und soll wesentlich verkleinert überleben. Zur Sanierung fließen mehr als 50 Milliarden Dollar (36 Mrd. Euro) an Steuergeldern. RHJ stellt in Berlin ein verbessertes Übernahmeangebot vor. Obwohl RHJ weniger Staatsgarantien fordert, favorisieren die Bundesländer mit Opel-Standorten Magna, weil der Zulieferer weniger Arbeitsplätze abbauen und Opel klarer vom früheren Mutterkonzern trennen will.

'Lasst Opel nicht sterben' steht am 17.02.2009 in Bochum auf einem Transparent, das am Werkzaun von Opel befestigt ist (Foto: dpa)

Die angekündigten Sparmaßnahmen von GM lösen in Deutschland Ängste aus

August 2009
Der Bieterkampf um Opel wird mehr und mehr zu einer Hängepartie. GM-Verhandlungsführer John Smith dämpft alle Hoffnungen auf schnelle Einigung. GM hält an RHJ als bevorzugtem Käufer fest. GM-Chef Fritz Henderson und Magna-Chef Siegfried Wolf klären die noch offenen Fragen. Der GM-Verwaltungsrat kann sich nicht auf eine Empfehlung für einen der beiden Bieter einigen. Bund und Länder drücken aufs Tempo und wollen den Kredit für Opel von 4,5 Milliarden Euro ohne Beteiligung der anderen europäischen Länder mit Opel-Standorten vorstrecken, wenn GM sich für Magna entscheidet. Ende August tauchen erste Medienberichte auf, dass GM möglicherweise doch an seiner Tochter festhalten könnte.

September 2009:
Der GM-Verwaltungsrat empfiehlt, Opel an Magna zu verkaufen. Bund und Länder stellen für den Verkauf an Magna einen Kredit von 4,5 Milliarden Euro zur Verfügung. GM teilte allerdings mit, dass einige "Schlüsselfragen" zur Finanzierung noch offen seien, die in den nächsten Wochen geklärt werden sollten, um einen Vertrag unterschriftsreif zu machen.

Portraitsfotos von Hans Demant und Nick Reilly (Foto: AP, Montage: DW)

GM-Chef Hans Demant geht - Nick Reilly (rechts) kommt

Oktober 2009:
Aus Sorge um ein späteres Veto der EU-Kommission legen Magna und GM die Unterzeichnungen auf Eis. Wettbewerbskommissarin Nelly Kroes äußert große Bedenken gegen die deutsche Staatshilfe: Sie dürften nicht daran gekoppelt werden, dass ein Lieblingsbieter den Zuschlag erhalte.

November 2009:
GM ändert abrupt seinen Kurs und will Opel überraschend behalten und sein Europa-Geschäft selbst sanieren. Die Kosten der Restrukturierung bezifferte GM-Chef Fritz Henderson auf drei Milliarden Euro. Die Bundesregierung fordert die Rückzahlung eines Brückenkredits für Opel. Der als harter Sanierer bekannte Nick Reilly wird von GM zum Chef des Europageschäfts ernannt.

Januar 2010:
Opel-Chef Hans Demant tritt zurück. Der Opel-Aufsichtsrat ernennt Reilly zu seinem Nachfolger.

Februar 2010:
Reilly stellt seinen Sanierungsplan vor: Bund und Länder sollen sich mit 1,5 Milliarden Euro beteiligen. Opel will europaweit über 8000 Stellen streichen - etwa die Hälfte in Deutschland.

Die Kombo zeigt die Logos von General Motors (GM) und Opel (Foto: dpa)

Die Mutter lässt die Tochter nicht aus dem Haus

März 2010:
Nach anhaltender Kritik ist Opel bereit, seinen Beitrag zur Opelsanierung auf 1,9 Milliarden Euro aufzustocken. Gleichzeitig verlangt der Autobauer nun 1,1 Milliarden von der Bundesregierung. Das Geld soll aus dem so genannten Deutschlandfonds kommen, ein Rettungsfonds, der wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise eingerichtet wurde.

4. Juni 2010:
Der Lenkungsausschuss des Deutschlandfonds soll über die Kreditbürgschaft von 1,1 Milliarden Euro an GM entscheiden. Er vertagt seine Entscheidung. 9. Juni 2010: Der Lenkungsausschuss kann sich nicht einigen. Die Entscheidung liegt nun bei Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Gegen 17 Uhr gibt Brüderle bekannt, dass er den Antrag von GM auf eine Kreditbürgschaft aus dem Deutschlandfonds ablehnt. Brüderle sagt, er sei zuversichtlich, dass Opel auch ohne Bürgschaft eine gute Zukunft habe.

General Motors hat im ersten Quartal dieses Jahres überraschend einen Gewinn von knapp 900 Millionen US-Dollar verbuchen können. Experten gehen davon aus, dass GM in diesem Jahr vier Milliarden US-Dollar verdienen wird. Mittel aus dem Deutschlandfonds dürfen nur an Unternehmen vergeben werden, die aufgrund der Wirtschaftskrise in Schwierigkeiten geraten sind. Der Autokonzern General Motors war jedoch schon erheblich früher ins Trudeln geraten.

Autoren: J. Wasserrab, J. Elvers-Guyot, Zhang D. (mit dpa/ap)
Redaktion: Rolf Wenkel