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Europa

Globalisierungskritik nach Genua

Das erste Europäische Sozialforum findet derzeit in Florenz statt. Ausgerechnet in Italien, wo im Juli 2001 ein Globalisierungsgegner von Polizisten getötet wurde.

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Wachsame Gesetzeshüter in Florenz

Anfang des Jahres versammelten sich im brasilianischen Porto Alegre rund 60.000 Menschen zum zweiten Weltsozialforum, um gegen die Folgen der wirtschaftlichen Globalisierung zu demonstrieren. Das Treffen galt auch als Gegenveranstaltung zum gleichzeitig stattfindenden Weltwirtschaftsforum in New York, das die Globalisierungsgegner als "Cocktailparty der Reichen" bezeichneten. Nun gibt es mit dem Europäischen Sozialforum erstmals einen europäischen Ableger dieser Protestveranstaltung.

Bewusste Entscheidung

Das Europäische Sozialforum ausgerechnet in Italien abzuhalten, ist eine bewusste Entscheidung der Veranstalter. Gegen die Demonstrationen von Genua im Sommer 2001 ging die italienische Polizei mit großer Brutalität vor. Mitveranstalter Luciano Muhlbauer versteht die Ortswahl Florenz vor diesem Hintergrund als politisches Zeichen:

"Es ist sehr wichtig nach Genua, auch nach der brutalen Repression und dem Mord am Demonstranten Carlo Guiliani, dieses Europäische Forum heute hier in Italien zu machen. Hier gibt es kein Problem mit Gewalt, hier gibt es ein politisches Problem. Und dieses politische Problem sitzt in Rom und heißt Regierung Berlusconi." Zu einer großen Kundgebung am Samstag (9.11.) erwarten die Veranstalter über 100.000 Menschen.

Frieden und soziale Gerechtigkeit

Doch in Florenz soll nicht nur demonstriert werden, auf die Teilnehmer wartet auch eine Menge inhaltlicher Arbeit. Das Europäische Sozialforum findet daher nicht als Gegenveranstaltung zu einem großen Wirtschaftsgipfel statt. Die Kritik der Globalisierungsgegner richtet sich unter anderem gegen die Macht international agierender Konzerne und die krassen Gegensätze zwischen Reichen und Armen.

Auch der drohende Krieg gegen den Irak ist für sie ein Thema. Beim Europäischen Sozialforum in Florenz versuchen die Kritiker, sich international stärker zu vernetzen. Luciano Muhlbauer erläutert: "Heute haben wir die Möglichkeit, zusammen zu überlegen, was es heißt, gegen den Krieg und für den Frieden zu kämpfen. Und das heißt auch, eine europäische Organisation aufzubauen und eine europäische Anti-Kriegsbewegung zu bilden."

Suche nach Alternativen

Es sollen Alternativen zur politischen und wirtschaftlichen Realität erarbeitet werden. Hugo Braun, der für ATTAC-Deutschland an der Vorbereitung des Forums beteiligt ist, beobachtet eine Veränderung im Selbstverständnis der Globalisierungskritiker. Die Bewegung habe es satt, immer nur gegen etwas zu protestieren.

Vielmehr handele es sich um eine Suche nach Alternativen. "Es ergibt sich natürlich, wenn man gegen etwas protestiert, die Frage, was denn die Alternative sein könnte. Und genau diesem Zweck dient jetzt das Europäische Sozialforum", erläutert Braun.

Hunderte von Seminaren und Workshops

Ein Beispiel dafür sind die Sozialsysteme. In Europa drohen angesichts leerer Kassen starke Einschnitte im Gesundheitssystem, Kritiker warnen bereits davor, dass sich bald nur noch besser Verdienende eine ausreichende medizinische Versorgung leisten können. In vielen Entwicklungsländern besteht das Problem darin, dass es überhaupt kein flächendeckendes Gesundheitssystem gibt.

Solche Probleme werden die Teilnehmer des Weltsozialforums in hunderten von Konferenzen, Seminaren und Workshops erörtern. Sie kommen aus allen Ländern der Europäischen Union, aber auch aus Osteuropa, Russland, der Türkei, Israel und Palästina. Die Organisationen, denen sie angehören, sind dabei sehr unterschiedlich und reichen von den großen Gewerkschaften über kirchliche Organisationen bis zu marxistischen Gruppen.

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