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Asien

Giftteppich passiert Harbin

Die fast vier Millionen Bewohner der chinesischen Stadt Harbin haben nach dem Chemieunfall das Schlimmste überstanden: Der 80 Kilometer lange Teppich aus giftigem Benzol auf dem Fluss Songhua ist vorbeigezogen.

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Noch immer werden in Harbin Wasserproben aus dem Songhua entnommen

Die Bewohner von Harbin sollen noch am Sonntag (27.11.2005) wieder mit Leitungswasser versorgt werden, das vor fünf Tagen abgestellt worden war. Arbeiter installierten Karbonfilter, um das Wasser aus dem Songhua zu reinigen. Eine Untersuchung der Wasserproben ergab nach Angaben der städtischen Behörden, dass die Benzol-Konzentration im Songhua wieder unter die amtlichen Grenzwerte fiel.

Die örtliche Tageszeitung warnte jedoch, das Leitungswasser dürfe zunächst nicht getrunken werden, auch nicht, wenn es abgekocht werde. Die Menschen standen am Sonntag in eisiger Kälte wieder Schlange, um ihre Eimer und Töpfe mit Trinkwasser zu füllen, das von der Regierung kostenlos abgegeben wurde.

China entschuldigt sich bei Russland

Jiabao in Harbin

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao auf Ortsbesichtigung in Harbin

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao hatte am Samstag überraschend Harbin besucht. Er dankte Soldaten für ihren Einsatz und sicherte eine Untersuchung des Unfalls zu. Sein Besuch wurde auch als Warnung für die lokalen Behörden verstanden, die wegen ihrer Informationspolitik und ihres Krisenmanagements massiv in die Kritik geraten waren.

Beim Nachbarland Russland entschuldigte sich China für die möglichen Folgen des Chemieunfalls. Das staatliche Fernsehen berichtete über ein Treffen des chinesischen Außenministers Li Zhaoxing mit dem russischen Botschafter Sergej Rassow. Der Minister habe sein Bedauern über die möglichen Konsequenzen für das russische Volk flussabwärts zum Ausdruck gebracht, hieß es. Rassow forderte Peking auf, alle Informationen über die Verseuchung offen zu legen, wie Nachrichtenagenturen berichteten. Die Reaktion auf das Unglück hätte wirksamer sein können, wenn Russland früher informiert gewesen wäre.

Weitere Kontaminierung

Ermittler untersuchten am Samstag die Chemiefabrik, die am 13. November explodierte. Nach Regierungsangaben flossen rund 100 Tonnen giftiges Benzol in den Songhua. Der Songhua fließt in den Heilong, der hinter der russischen Grenze zum Amur wird und die Stadt Chabarowsk erreicht. Dort richteten sich die Menschen bereits auf eine Wasserknappheit ein.

Die Behörden im Südwesten Chinas, wo eine weitere Chemiefabrik explodierte, beruhigten unterdessen die Bevölkerung. Die Kontaminierung des Flusses Guixi sei unter Kontrolle, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag. Mehr als 800 Einwohner von Dianjiang unterstützten die Arbeiten zur Säuberung des Wasser. Alle vier Stunden würden Wasserproben entnommen. "Die Wasserqualität verbessert sich", berichtete Xinhua. Über die Art der ausgetretenen Chemikalien wurde nichts bekannt.

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