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Aktuell Afrika

Gewalt und technische Pannen bei Wahl in Nigeria

Das bevölkerungsreichste Land Afrikas wählt einen neuen Präsidenten. Ausgerechnet ein früherer Militärdiktator hat gute Aussichten, den ersten demokratischen Machtwechsel in Nigeria herbeizuführen.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen und überschattet von Terroranschlägen haben Millionen Nigerianer einen neuen Präsidenten gewählt. Viele Bürger mussten vor den Stimmlokalen stundenlang anstehen, bevor sie ihre Wahlzettel abgeben konnten (Artikelbild). Wegen technischer Probleme bei den Kartenlesegeräten zur Registrierung der Wähler wird die Abstimmung in 300 der insgesamt 150.000 Wahllokale an diesem Sonntag nachgeholt.

Knapp 70 Millionen Menschen hatten sich in die Wahllisten eingetragen. Unter den 14 Bewerbern um das Präsidentenamt ist erstmals eine Frau.

Zweikampf erwartet

Ernsthafte Chancen werden nur dem christlichen Amtsinhaber Goodluck Jonathan aus dem Süden und dem Muslim Muhammadu Buhari aus dem Norden eingeräumt. Zwischen den beiden Politikern wird ein enges Rennen erwartet. Buhari hatte in den Jahren 1983 bis 1985 an der Spitze einer Militärregierung gestanden. Um die Präsidentenwahl zu gewinnen, muss ein Kandidat neben einer absoluten Stimmenmehrheit auch mindestens 25 Prozent der Stimmen in zwei Dritteln der 36 Bundesstaaten Nigerias erhalten. Erste aussagekräftige Wahlergebnisse werden nicht vor Montag erwartet.

Sollte der 57 Jahre alte Jonathan tatsächlich verlieren, wäre es der erste Wahlsieg der Opposition seit der Rückkehr des westafrikanischen Lands zur Demokratie 1999. Jonathan von der regierenden Demokratischen Volkspartei (PDP) verspricht Afrikas stärkster Wirtschaftsmacht politische Kontinuität. Buhari von der Partei der Fortschrittlichen (APC) präsentierte sich im Wahlkampf als Nigerias Retter: Er kündigte an, die grassierende Korruption einzudämmen und dem Terrorfeldzug der islamistischen Miliz Boko Haram im Nordosten des Landes ein Ende zu setzen.

Terror von Boko Haram

Die Wahl war ursprünglich bereits für den 14. Februar angesetzt, wurde aber wegen der zunehmenden Terrorangriffe von Boko Haram verschoben. Auch am Samstag gab es erneut Opfer der Gewalt der Dschihadisten. Bei einem Anschlag im nordöstlichen Dorf Barutai wurden 23 Menschen getötet, einige davon wurden einem örtlichen Beamten zufolge mit Kettensägen enthauptet. Bei zwei Boko-Haram-Angriffen auf Wähler in der Region wurden nach Medienberichten weitere sechs Menschen getötet. Seit 2009 hat die Terrorgruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 13.000 Menschen getötet. Boko Haram kämpft für die Bildung eines radikalislamischen Staates im Nordosten Nigerias.

Der frühere Präsident Malawis, Bakili Muluzi, der als Wahlbeobachter eingesetzt ist, warnte auch vor Gewalt nach der Abstimmung. "Gefährlich ist die Zeit nach der Wahl", sagte er. Zwar hätten sich Jonathan und Buhari darauf verständigt, das Ergebnis anzuerkennen und die Gewalt nicht zu schüren, doch müsse sich dies eben durchsetzen, betonte Muluzi. Das Verhalten beider Kandidaten im Wahlkampf machte nach Korrespondentenberichten viele Beobachter skeptisch, ob sie sich wirklich an diese Vereinbarung halten werden.

wl/se (dpa, afp, rtr)