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Wissen & Umwelt

Gesundheitsversorgung durch Smartphones

Software-Spezialisten aus Uganda haben eine Applikation entwickelt, die Tausende von Leben retten könnte: Durch eine bessere Gesundheitsversorgung von Schwangeren.

Zehn Prozent der Kinder in Uganda sterben laut Schätzungen der Weltbank vor ihrem fünften Geburtstag. Das liegt vor allem daran, dass Schwangere kaum medizinisch versorgt werden. Statistisch gibt es eine einzige Krankenschwester für 5000 schwangere Frauen in Uganda. Außerdem müssen viele dieser Frauen weite Strecken zu Fuß zurücklegen, um ein Krankenhaus zu erreichen.

Um diesen Schwangeren und ihren ungeborenen Babys zu helfen, hat der ugandische Software-Entwickler Aaron Tushabe mit seinem Team eine Smartphone-Applikation entworfen, mit der man die Herzschläge des Kindes im Mutterleib überwachen kann. Die App namens WinSenga hilft dabei, gesundheitliche Probleme sehr früh zu erkennen, um sie entsprechend behandeln zu können. "Wir wollen, dass diese Lösung auch für die Zukunft praktikabel ist, deshalb nutzen wir Smartphones als Plattform", erklärt Aaron Tushabe.

Die App WinSenga basiert auf dem alten Prinzip des Hörrohrs, mit dem Hebammen seit mehr als einem Jahrhundert den Herzschlägen des Fötus gelauscht haben. Tushabe und sein Team haben interne Mikrophone in Hörrohre eingebaut, die an Smartphones angeschlossen werden. Die Hebamme legt das Horn auf den Bauch der Mutter auf, aktiviert die App am Smartphone und kann dann auf dem Bildschirm des Mobilgeräts mit Hilfe einer Grafik den Herzschlag des Ungeborenen beobachten.

Mobile Vorsorge

Die Smartphone-Applikation WinSenga wurde in diesem Jahr mit dem Microsoft East and Southern Africa Imagine Cup ausgezeichnet. Doch bis sie für die Anwendung komplett freigegeben wird, seien noch eine Reihe von Testläufen nötig, sagen die Entwickler der App.

Das WinSenga Team (von links nach rechts): Joshua Okello, Josiah Kavuma, Aaron Tushabe und Joseph Kaizzi (Foto: Aaron Tushabe)

Das WinSenga Team (von links nach rechts): Joshua Okello, Josiah Kavuma, Aaron Tushabe und Joseph Kaizzi

Tushabe hofft, dass diese Innovation vielen Schwangeren helfen wird, die sich keine kostspieligen Ultraschalluntersuchungen leisten können. Diese neue Technik würde es Hebammen ermöglichen, auch in abgelegenen ländlichen Gegenden mit Hilfe von mobilen Geräten werdende Mütter und deren ungeborene Babys besser medizinisch zu betreuen - selbst in Dörfern ohne Elektrizität. "Wir orientieren uns weg von den stationären Geräten, die nicht funktionieren, wenn es keinen Strom gibt", erklärt Tushabe. Das mobile Gerät sei zwar von einer Batterie abhängig, aber diese halte immerhin fünf bis zehn Stunden lang, bis man sie wieder aufladen müsse.

Nachfrage nach preiswerten Smartphones

Die Zahl der Menschen, die in Afrika Handys nutzen, steigt rasant. Laut einer Studie des Instituts Gallup, bei der Daten aus 17 Staaten in Sub-Sahara-Afrika ausgewertet wurden, besitzen rund 57 Prozent der Erwachsenen in den betreffenden Ländern ein Mobiltelefon.

Zwar gelten Smartphones noch als zu teuer für die meisten Afrikaner, doch Aaron Tushabe erwartet, dass in Zukunft immer mehr Menschen auf dem Kontinent diese Geräte nutzen werden: "Es gibt die Prognose, dass in drei Jahren in Afrika mehr Smartphones genutzt werden als in den USA. Die Gesellschaft hat hier eine sehr positive Einstellung zu den neuen Geräten - besonders die jungen Menschen."

Der Software-Entwickler Henry Addo aus Ghana, Vorsitzender der Technik-Firma Ushahidi, teilt diese Ansicht. "Wenn ein Unternehmen sich darauf konzentriert, erschwingliche Smartphones für Sub-Sahara-Afrika zu entwickeln, wird es damit sehr hohe Gewinne erzielen, denn die Menschen brennen geradezu darauf, solche Geräte zu nutzen."

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Und die Preise werden tatsächlich niedriger: 2011 hat das Telekommunikationsunternehmen Safaricom zusammen mit der chinesischen Firma Huawei ein Handy mit dem Betriebssystem Android produziert, das nicht mehr als 65 Euro kostet.

Großer Wunsch nach Information

Doch die Kosten sind nicht das einzige Problem. Erica Kochi, Mitglied des Teams für technische Innovation beim UN-Kinderhilfswerk UNICEF, sagt, dass Handy-Hersteller die Lebensdauer der Batterien stark verbessern müssen, damit Smartphones in Afrika erfolgreicher sind. Außerdem sollten die Geräte auch robuster werden - und einfacher zu reparieren.

"Wenn diese Herausforderungen gemeistert werden, können Smartphones in Afrika tatsächlich sehr erfolgreich sein. Denn auf dem Kontinent ist der Wunsch nach Kommunikation, aber auch nach mehr Information sehr groß", sagt Kochi.

Damit die Betreuung von Schwangeren und ihren ungeborenen Babys mit Hilfe von Smartphones bald Realität wird, plant das UN-Kinderhilfswerk, Aaron Tushabe bei der Umsetzung seines Projekts zu unterstützen.

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