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Welt

Afrika setzt auf Ausbau des Glasfasernetzes

Schnelles Internet für Afrikas Großstädte - das hatten sich afrikanische Staaten zum Ziel gemacht und erreicht. Trotz des Erfolgs: Die große Mehrheit der Afrikaner bleibt ohne Zugang zum World Wide Web.

Bei der Frage, welche afrikanischen Länder noch nicht an das schnelle Glasfasernetz angeschlossen sind, muss Ali Drissa Badiel lange überlegen. Der Telekommunikations-Ingenieur arbeitet für die Internationale Fernmeldeunion (ITU), einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Sein Büro liegt in Addis Abeba. Von der äthiopischen Hauptstadt aus berät der Ingenieur die Länder südlich der Sahara beim Ausbau ihres Kommunikationsnetzes. "Fast alle afrikanischen Länder bauen den Zugang zum Glasfasernetz weiter aus, denn die Übertragung per Glasfasernetz ist viel besser als über das alte Mikrowellensystem, das sie früher genutzt haben", sagt der Ingenieur im Gespräch mit der DW.

Schnelles Internet dank neuer Tiefseekabel

Zwei Schulkinder sitzen vorm Computer (Foto: bilderbox.com ])

Schule online: grenzenlose Bildung

Früher galt: weite Distanzen, langsame Übertragung. Im subsaharischen Afrika waren überlastete Leitungen und Zusammenbrüche an der Tagesordnung. Vor zwei Jahren dann ging das Unterseekabel mit dem Namen EASSy in Betrieb. Es verläuft entlang der ostafrikanischen Küste und verbindet 21 Staaten mit dem Rest der Welt - erstmals auch Länder wie Äthiopien oder Sudan. Noch leistungsstärker ist die neue Glasfaserkabel-Verbindung WACS, die seit Mai dieses Jahres in Betrieb ist. Sie führt von Südafrika aus entlang der westafrikanischen Küste bis nach Europa.

An die Tiefseekabel direkt angeschlossen sind aber jeweils nur die afrikanischen Küstenländer. Sie leisten die Übertragung an die Nachbarstaaten im Landesinneren. Die Koordination übernehmen regionale Zusammenschlüsse, etwa die Westafrikanische Wirtschaftunion, kurz CEDAO. "Burkina Faso hat einen Zugang zum Glasfasernetz über die Elfenbeinküste und Togo, Mali über Senegal, und Niger über Benin", zählt ITU-Ingenieur Ali Drissa Badiel auf. Er kennt derzeit nur ein Land ohne schnellen Internetanschluss: den neuen Staat Süd-Sudan.

Endlich mit dem Rest der Welt verbunden

Seit Afrika Zugang zum Glasfasernetz hat, ist vieles anders: Die Kosten für Kommunikation sind gesunken und datenintensive Anwendungen wie Skype, die Bilder live übertragen, sind erstmals vollständig nutzbar. Die afrikanische Internetgemeinde ist begeistert: "Wir nutzen das Glasfasernetz, und der Unterschied zu den alten Verbindungen ist deutlich spürbar", sagt etwa Musi aus Äthiopien. "Mit dem Glasfasernetz läuft alles sehr schnell. Leider ist es aber noch nicht sehr verbreitet im Land." Und der Student Rueben fügt hinzu: "Viele Studierende haben jetzt die Möglichkeit, von ihrem Laptop oder sogar vom Handy aus Recherchen zu betreiben. Das erlaubt uns, einen optimistisch Blick auf die Zukunft unseres Landes zu werfen."

Flächendeckende Versorgung geht nur langsam voran

Armer Mann geht an kaputtem Strommasten vorbei (Foto: ddp images/AP Photo/Sunday Alamba)

Kein Strom, kein Internet: Nigerias Armen nutzt das Glasfasernetz nichts

So groß die Begeisterung ist - es profitiert immer noch nur eine Minderheit von dem Ausbau der Internetstrukturen. Daran hat das Glasfasernetz nichts geändert. Gerade einmal sechs Prozent der weltweiten Internetnutzer kommen aus Afrika. Selbst in Nigeria, dem Land mit den meisten Nutzern, haben zwei von drei Einwohnern keinen Zugang zum World Wide Web. Der Grund: Trotz gesunkener Preise können sich viele Menschen das Surfen im Internet nicht leisten.

Außerdem treiben die Länder die flächendeckende Versorgung nicht ausreichend voran. Das beobachtet etwa Adbulkader Ibrahim in seinem Land Nigeria. Der Umweltforscher arbeitet an der Universität Abubakar Tafawa Balewa in Lagos: "Unser Telekommunikationsanbieter ist immer noch damit beschäftigt, den Anschluss ans Glasfaserkabel im ganzen Land zu verlegen. Nigeria ist ein großes Land, und es braucht Zeit, bis es vollständig ans Glasfasernetz angeschlossen ist."

Afrika reagiert auf steigende Internetkriminalität

Schon jetzt rufen die schnelleren Datenverbindungen Kriminelle auf den Plan: Afrikanische Länder kämpfen inzwischen mit Internetbetrug und Datenspionage. Gleichzeitig steigt die Gefahr von Angriffen auf staatliche Datensysteme. Genaue Zahlen hierzu gibt es nicht, denn die Vorfälle werden weder systematisch gemeldet noch erfasst. Zu diesem Zweck richten einige Länder jetzt sogenannte "Computer Incident Response Teams" ein. Diese Expertengruppen sollen dem Staat dabei helfen, Strukturen zur Bekämpfung von Internetkriminalität aufzubauen. Geschult werden die Teams von der Internationalen Fernmeldeunion und der weltweiten Initiative gegen Internetterrorismus (IMPACT).

Blick auf Kigali (Foto: dw-eigen)

Kigali: Erste afrikanische WLAN-Stadt?

Insgesamt ist die Vernetzung über Glasfaserkabel in Afrika zwar im Gang, doch das Ziel der flächendeckenden Versorgung mit dem schnellen Internet liegt für die meisten Ländern noch in weiter Ferne. Positive Ausnahme ist Ruanda: Das ostafrikanische Land arbeitet mit Hochdruck daran, das Highspeed-Internet im ganzen Land und für alle Menschen verfügbar zu machen. Es will zum Zentrum für Informationstechnologie in Afrika werden.