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Amerika

Geschichtsstunde im Museum der Revolution

Nach der diplomatischen Annäherung hat der Ansturm der US-amerikanischer Touristen auf Kuba begonnen. In der Hauptstadt erleben viele "Gringos" eine spezielle Form der Vergangenheitsaufarbeitung. Tobias Käufer, Havanna.

"Where are you from", zählt zu den meistgestellten Frage in den Straßen der historischen Altstadt von Havanna. Es ist der Versuch der unzähligen Straßenverkäufer, Boutiquenbesitzer und Taxi-Fahrer mit den ausländischen Gästen ins Gespräch zu kommen. Seit ein paar Wochen ist das Spektrum der Antworten um ein Land reicher geworden: "USA" antworten inzwischen immer mehr Besucher aus dem Land des Klassenfeindes aus dem Norden. Seit Jahresbeginn meldet die kubanische Touristenbehörde einen regelrechten Touristenboom aus den USA. Mehr als verdoppelt habe sich die Zahl der internationalen Besucher. Und das soll erst der Anfang sein.

Die Reiseerleichterungen im Zuge des Annährungsprozesses zwischen Washington und Havanna machen dies möglich. "Ich wollte schon immer mal nach Kuba. Jetzt hat sich die Gelegenheit ergeben, und ich habe sofort zugegriffen", sagt Brad Smith aus New Orleans. Verheiratet ist er mit einer Exilkubanerin, die ihm nun Land und Leute zeigt. Fotografiert werden will er nicht, zu groß ist das Misstrauen in die kubanischen Behörden.

Historische Altstadt von Havanna (Foto: DW/Käufer)

Bei Touristen beliebt: Blick über die historische Altstadt von Havanna

Geschichte überall greifbar

Eines der beliebtesten Ziele der "Gringos", wie die US-Touristen auf Kuba gerne genannt werden, ist das "Museum der Revolution" in der Altstadt von Havanna. Hier arbeitet die kubanische Führung um Präsident Raul Castro ihre Sicht der Geschichte auf, und die ist für die US-Amerikaner alles andere als schmeichelhaft. Die Überreste eines abgeschossenen US-Militärflugzeuges, das an der umstrittenen Schweinebuchtinvasion in den 1960er Jahren beteiligt war, ist eines der wichtigsten Ausstellungsstücke. Viele Amerikaner erhalten auf diese Weise eine neuen, einen komplett anderen Blick auf die Geschehnisse von einst. Hier sind nicht die Kubaner die Bösen, sondern der "imperialistische Feind" aus Washington.

Diese Geschichte begleitet die Amerikaner auch an vielen anderen historischen Gedenkstätten, die an den Kampf von Castros Revolutionären gegen das US-Imperium berichten. Auch im "Haus von Che Guevara" mit dem atemberaubenden Blick über Havannas Altstadt von der anderen Seite des Ufers sind es genau diese Momente, die viele US-Touristen erst einmal verstummen lassen. Viele saugen die historische Aufarbeitung dieser Geschichte förmlich auf.

Die Mittelschicht kommt

Es sind keine Pauschaltouristen, die aus New York, Washington und Miami nach Havanna strömen. Es sind vor allem gut gebildete, an der Geschichte und der kubanischen Kultur interessierte US-Amerikaner, die sich nach der Lockerung der Reiseerleichterungen ein authentisches Bild vor Ort machen wollen. Und sie diskutieren offen und öffentlich über den Wandel, den Kuba gerade erlebt. "Mich erinnert das Ganze ein bisschen an Glasnost und Perestroika aus der Zeit von Gorbatschow", sagt Adam Winter aus New York, der sich mit Freunden im Restaurant "La Moneda" in einer der schmucken Gassen Havannas zum Rotwein trifft.

Hotel Manzana in Havanna (Foto: DW/Käufer)

Wird restauriert: Das Hotel Manzana

US-amerikanischer Dialekt ist inzwischen überall zu hören: ob im Hotel Parque Central, eines der populärsten Hotels der Stadt, oder in den deutlich preiswerteren Hostels Havannas, die sich auf Rucksacktouristen spezialisiert haben. Der Wandel ist greif- und spürbar in der Drei-Millionen-Metropole, zumindest dort wo Touristen willkommen sind. Es kommt aber auch zu anderen, weniger freundlichen Szenen. Die Bettler und Verlierer des Sozialismus haben die "Gringos" als neue Geldquelle ausgemacht. Sehr zum Unwesen von linientreuen Parteigängern, denen das Anbiedern an die Gäste aus dem reichen Norden zuwider ist. "Du bist eine Schande für das Vaterland", beschimpfen sie die Bettler, die sich auf der Straße einen der begehrten kubanischen "Auslands-Pesos" ergattern. Armut und Not ist in Kuba auch nach dem Ende der diplomatischen Eiszeit noch ein Tabuthema.

Havanna rüstet sich für den großen Ansturm

Havanna rüstet sich derweil für einen noch größeren Ansturm: Wenn die US-Fluglinien erst einmal ihren Flugplan auf Havanna abgestimmt und auch die Fähren ihren Dienst aufgenommen haben, wird die Zahl der Touristen aus den Vereinigten Staaten noch weiter zunehmen. Zeitgleich wird auf den Baustellen in der kubanischen Hauptstadt auch nachts gearbeitet. Es werden neue, vor allem auf den US-Anspruch zugeschnittene, Hotels benötigt. Eines der größten Prestigevorhaben ist dabei das Hotel "Manzana" im Herzen der Altstadt, das dank seiner historischen Fassade schon bald zum neuen Hotspot der Stadt werden könnte. Der Umtausch in den Peso convertible (CUC), dessen Wert sich vom "Inlands-Peso" deutlich unterscheidet, spült durch die neuen Besucherströme wertvolle Devisen in Millionenhöhe ins Land. Das und die Öffnung des Tourismussektors für private Anbieter sorgen für eine beeindruckende Entwicklung Havannas. Der verhasste US-Dollar und seine nach Kuba reisenden Besitzer machen es möglich.

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