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Wirtschaft

Gemischte Quartalsbilanzen

Mehrere deutsche Großkonzerne haben am Donnerstag ihre Halbjahresbilanzen vorgelegt. Es gab teilweise dramatische Einbrüche bei Umsatz und Gewinn - doch die Börse in Frankfurt blieb vergleichsweise gelassen.

Jemand trägt ein symbolisch geschnürtes Konjunkturpaket auf der Schulter (Foto: dpa)

Hat die Konjunktur ihren Boden gefunden?

Ein wahres Gewitter von Quartalszahlen haben Börsianer und Analysten am Donnerstag (30.07.2009) über sich ergehen lassen müssen. Nachdem an den Vortagen bereits die Deutsche Bank einen Milliardengewinn und der Stuttgarter Autobauer Daimler einen Milliardenverlust gemeldet hatten, standen am Donnerstag die Zahlen von gleich sechs im Deutschen Aktienindex DAX notierten Unternehmen auf dem Prüfstand: Volkswagen, Siemens, BASF, Lufthansa, der Autozulieferer Continental und der Nutzfahrzeughersteller MAN zogen Bilanz. Und die sah in den meisten Fällen schlecht aus.

Dramatische Einbrüche

Hauptsitz von BASF in Ludwigshafen (Foto: AP)

Hauptsitz von BASF in Ludwigshafen: "Abschwung scheint gestoppt"

Schlimm hat es zum Beispiel den Ludwigshafener Chemieriesen BASF getroffen: Der Konzerngewinn des weltweiten Branchenführers brach um dramatische 74 Prozent ein - fünf der sechs Konzerngeschäftsfelder meldeten rückläufige Zahlen. Immerhin sieht der Konzern ein Licht am Ende des Tunnels: "Der Abschwung scheint gestoppt", sagt Finanzvorstand Kurt Bock. In wichtigen Märkten wie etwa Nordamerika scheine die Talfahrt der Konjunktur zu Ende zu sein, und in China wachse die Wirtschaft wieder stärker als zum Höhepunkt der Krise. "Allerdings ist ein nachhaltiger Aufschwung noch nicht in Sicht", warnte der BASF-Manager.

Siemens-Chef Peter Löscher (Foto: AP)

Siemens-Chef Peter Löscher: "Voll auf Kurs"

Auch der Münchener Elektrokonzern Siemens spürt die Folgen der Wirtschaftskrise: Die Aufträge sind von April bis Juni um 28 Prozent weggebrochen, Umsatz und Gewinn sind gesunken. Dennoch ist Siemens-Chef Peter Löscher zuversichtlich: "Siemens ist voll auf Kurs und wird die Ziele 2009 erreichen." Der Grund: Die Wirtschaftkrise hat Siemens dabei geholfen, die selbst gesteckten Sparziele schneller als geplant zu erreichen. Rund 1,5 Milliarden Euro an Vertriebs- und Verwaltungskosten haben die Münchener Elektromanager in neun Monaten eingespart, 19.000 Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit, weltweit wurden 12.600 Stellen abgebaut, und bis zum Ende des Geschäftsjahres sollen noch einmal rund 1600 Arbeitsplätze gestrichen werden.

Gemischte Ausblicke

Conti-Chef Karl-Thomas Neumann (Foto: dpa)

Rechnet mit einer Belebung: Conti-Chef Karl-Thomas Neumann

Gleich drei Konzernbilanzen werfen ein Schlaglicht auf die Lage der Automobilindustrie. Der Volkswagen-Konzern hat im ersten Halbjahr wegen der schweren Branchenkrise einen kräftigen Einbruch bei Umsatz und Ergebnis hinnehmen müssen, ist aber von roten Zahlen verschont geblieben. Das operative Ergebnis sank um fast zwei Drittel auf 1,2 Milliarden Euro, nach Abzug der Steuern sogar um über 80 Prozent auf 494 Millionen Euro. Der Automobilzulieferer Continental hat im ersten Halbjahr sogar einen Verlust von 126 Millionen Euro gemacht, rechnet aber im zweiten Halbjahr mit einer Belebung des Geschäfts. Anders dagegen der Lastwagenbauer MAN: Das Ergebnis sackte im zweiten Quartal um 94 Prozent auf magere 27 Millionen Euro ab, doch "wir rechnen kurzfristig nicht mit einer Verbesserung", sagte MAN-Chef Hakan Samuelsson.

Flugzeuge der Lufthansa (Foto: AP)

Lufthansa: "Die Passagiere wandern von vorne nach hinten"

Auch die Lufthansa rechnet trotz schwarzer Zahlen im zweiten Quartal nicht mit einem baldigen Ende der Krise in der Luftfahrtbranche. Das Konzernergebnis brach im zweiten Quartal um fast 90 Prozent ein. Die Passagiere der Lufthansa setzen immer stärker auf preiswerte Tickets und meiden die teuren Sitzplätze in der First-Class und Business-Class. "Die Firmenkunden machen derzeit alles, um Kosten zu sparen", sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow. "Wir haben eine Passagierwanderung von vorne nach hinten in den Fliegern." Ein drastisches Sparprogramm soll helfen, das Ergebnis bis 2011 um rund eine Milliarde Euro zu verbessern.

Abwärtsdynamik lässt nach

Bei einem solchen Gewitter aus Umsatz- und Gewinneinbrüchen quer durch alle Branchen ist es fast verwunderlich, dass die Börse in Frankfurt vergleichsweise gelassen reagiert hat. Doch für Chris-Oliver Schickentanz, Aktienstratege im Privatkundengeschäft der Commerzbank, ist das "ein Phänomen in der gesamten Berichtssaison: Da ist man zunächst ernüchtert, weil dicke Minuszeichen dominieren. Aber es ist in vielen Fällen nicht so schlimm gekommen wie befürchtet. Das heißt: Die Abwärtsdynamik lässt nach. Und das ist das erste Signal:Die Situation bessert sich."

Autor: Rolf Wenkel

Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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