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Wirtschaft

Banken trotz Krise mit Milliardengewinnen

Trotz der Finanzkrise haben viele internationale Großbanken im ersten Halbjahr Milliardengewinne erzielt. Zum Beispiel die Deutsche Bank, die im 2. Quartal nach Steuern 1,1 Milliarden Euro eingefahren hat.

Türme der Deutschen Bank in Frankfurt

Finanzkrise? Wo?

Schaut man sich die Halbjahresbilanzen der internationalen Großbanken an, so kann man sich eigentlich nur verwundert die Augen reiben und fragen: Wo ist eigentlich die Finanzkrise? So hat der deutsche Branchenprimus Deutsche Bank im ersten Halbjahr 2,3 Milliarden Euro verdient - fast fünf Mal so viel wie im ersten Halbjahr 2008 - und lag dabei noch längst nicht an der Spitze im internationalen Vergleich. So erzielte die US-Bank Citigroup einen Gewinn von 6,7 Milliarden Dollar. Selbst wenn man den Verkauf von Smith Barney herausrechnet, hat die Citigroup immer noch drei Milliarden Dollar Gewinn erwirtschaftet. Die anderen Großbanken stehen dem kaum nach: Goldman Sachs und JP Morgan Chase erzielten jeweils einen Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar und die Bank of America immerhin noch 2,4 Milliarden Dollar.

Nur das Bankhaus Morgan Stanley meldete einen Verlust von knapp 1,3 Milliarden Dollar. Doch Analysten hatten bei dem Institut, das im vergangenen September von einer reinen Investmentbank in eine normale Geschäftsbank umgewandelt wurde, mit erheblich höheren Verlusten gerechnet.

Renaissance des Investmentbankings

Logo am Gebäude der Citigroup in New York (Foto: dpa)

Die Citigroup hat im 2. Quartal 6,7 Milliarden Dollar verdient

Mindestens ebenso verwunderlich wie die Milliardengewinne der Banken ist die Renaissance des Investmentbankings, jener Geschäftszweig also, der den Banken noch vor Jahresfrist Milliardenverluste eingebracht und die Investmentbank Lehman Brothers in die Pleite getrieben hat. So ist der hohe Quartalsgewinn der Deutschen Bank vor allem dem Investmentbanking zu verdanken. Der Grund für diese Gewinne ist ironischerweise in der Finanzkrise selbst zu suchen: Staaten, die milliardenschwere Pakete zur Rettung der Banken geschnürt haben, brauchen Geld. Die Banken bekommen von der Zentralbank momentan Geld zu sehr günstigen Zinsen, das sie den Staaten in Form von Anleihen zurückgeben - und dabei kräftig an der Emission der Anleihen verdienen.

Ähnliches gilt für das Feld der Unternehmensanleihen. "Rund die Hälfte des Finanzierungsbedarfs der deutschen Großunternehmen wird zur Zeit über Unternehmensanleihen gedeckt", schätzt Helmut Hipper, Fondsmanager bei Union Investment. "Viele Unternehmen refinanzieren sich derzeit weniger über Kredite als über Anleihen, weil die Banken vorsichtiger bei der Kreditvergabe geworden sind." Und natürlich verdient die Deutsche Bank auch an der Emission von Unternehmensanleihen kräftig mit.

Flaues Privatkundengeschäft

Die Euro-Skulptur und Europäische Zentralbank in Frankfurt (Foto: AP)

Billiges EZB-Geld reichen die Banken in Form von Anleihen weiter

Beim Privatkundengeschäft ist die Deutsche Bank dagegen von einstigen Milliardengewinnen weit entfernt. Von April bis Juni verdiente das größte deutsche Geldhaus in diesem Segment nur 55 Millionen Euro - nach 328 Millionen Euro im zweiten Quartal des Vorjahres. Der Rückgang resultierte vor allem aus Abfindungen für Mitarbeiter, die in Folge eines Sparprogramms in dieser Sparte freigesetzt wurden. Rund 1100 Arbeitsplätze wurden in Europa gestrichen - was allein im 2. Quartal mit Kosten von 150 Millionen Euro verbunden war.

Trotz Milliardengewinn ziehen Analysten und Anleger die Stirn kraus, wenn sie auf die Kreditbücher der Deutschen Bank schauen. Sie hat nämlich ihre Risikovorsorge für drohende Kreditausfälle versiebenfacht - auf rund eine Milliarde Euro. "Eine böse Überraschung", meint Konrad Becker, Analyst bei Merck Fink. Und sein Kollege Dirk Becker unkt: "Da wir noch mitten in der Rezession stecken, könnte dies in den nächsten Quartalen zu weiteren Problemen führen."

Gut gerüstet

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann ist dagegen überzeugt, dass sich die Bankenbranche und die weltweiten Finanzmärkte weiter stabilisiert haben. Er sprach von einem zufriedenstellenden Ergebnis, wollte für die kommenden sechs Monate aber keine genaue Prognose für den Geschäftsverlauf abgeben. "Der Ausblick für das verbleibende Jahr 2009 hängt stark davon ab, wie es mit der Entwicklung der globalen Wirtschaft weitergeht." Die Deutsche Bank sei aber gut gerüstet.

Autor: Rolf Wenkel
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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