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Wirtschaft

Kritik an Krisen-Ignoranz der Banken

Einige US-Banken verzeichnen wieder Milliarden-Gewinne. Auch die Deutsche Bank dürfte in ihrer nächsten Bilanz wohl einen stattlichen Gewinn präsentieren. Sind die goldenen Zeiten der Bankenwelt schon zurückgekehrt?

Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt (Foto: ap)

Die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt

Fast scheint es so, als hätten einige Finanzdienstleister die Krise schnell überwunden. Mitte Juli meldete die US-Großbank JPMorgan, im zweiten Quartal umgerechnet rund zwei Milliarden Euro verdient zu haben. Dies entspricht ungefähr den Quartalsgewinnen vor dem Hochkochen der Finanzkrise. Ansehnliche Erfolge verzeichneten auch Goldman Sachs und Credit Suisse.

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank (Foto: ap)

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank

Nun erwarten Experten auch für die Deutsche Bank ein sehr gutes Ergebnis. Am Dienstag (28.7.2009) wird Deutschlands größte Privatbank ihre Zahlen für April bis Juni veröffentlichen. Sie werde starke Resultate für das zweite Quartal präsentieren, prophezeit Analyst Alain Tchibozo von der niederländischen ING. Auf knapp eine Milliarde Euro schätzen Experten wie Tchibozo den Gewinn. Damit würde das Institut, wie von Konzernchef Josef Ackermann vorausgesagt, an das gute Auftaktquartal anknüpfen.

"Investmentbanking ist wieder der Gewinnbringer"

Experten warnen jedoch vor euphorischen Verallgemeinerungen für die gesamte Bankenwelt. Die Situation sei derzeit paradox, meint Thomas Hartmann-Wendels von der Universität Köln. "Wir haben zum einen Institute wie Goldman Sachs, die Milliardengewinne machen", sagt der Geschäftsführende Direktor des Instituts für Bankwirtschaft und Bankrecht. "Wir haben aber auch Banken, die eben nach wie vor enorme Verluste machen." Das hänge damit zusammen, wie die Banken aufgestellt seien. "Im Moment ist das Investmentbanking wieder der Gewinnbringer."

Hannes Rehm, Vorsitzender des Bankenrettungsfonds SoFFin (Foto: )

Hannes Rehm, Vorsitzender des Bankenrettungsfonds SoFFin

Bankenaufseher zeigen sich alarmiert, dass gerade das viel gescholtene Investmentbanking bereits jetzt wiedererstarke. "Ich rate zur Vorsicht", sagte der Chef des deutschen Bankenrettungsfonds SoFFin, Hannes Rehm, am Freitag in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Gewinne kämen zum Teil aus denselben Geschäften und Produkten, "die uns in diese Krise gebracht haben". Bei den US-Banken komme hinzu, dass die Regierung die Regeln für die Bilanzierung gelockert hat. Ziel sei es, die Banken zu entlasten, damit diese wieder mehr Kredite an Unternehmen vergeben.

Der rege Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen hatte die Deutsche Bank bereits zu Jahresbeginn ihr umstrittenes Renditeziel von 25 Prozent erreichen lassen, nachdem das Institut zuvor tief in die Verlustzone gerutscht war.

Von diesem Wert können Post- oder Commerzbank nur träumen. Bei ihnen rechnen Analysten weiterhin mit roten Zahlen - vor allem wegen zunehmenden Kreditausfällen. Kreditausfälle hat auch die Deutsche Bank. Analysten schätzen, dass das Institut alleine für die zurückliegenden Monate rund 650 Millionen Euro einkalkulieren muss - vier Mal so viel wie noch vor einem Jahr. Doch das Investmentbanking füllt dieses Loch nach Einschätzung der Fachleute mehr als auf.

Kritik an hohem Druck auf Bankmitarbeiter

Neben Soffin-Chef Rehm übte auch die Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) scharfe Kritik am Verhalten der Banken "Einige haben aus der Krise ganz offensichtlich nichts gelernt", sagte Aigner der Süddeutschen Zeitung am Samstag (25.07.2009). Auch DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki sagte, es werde bereits wieder "fleißig gezockt". Er forderte als Konsequenz aus der Krise eine Steuer auf alle Finanzmarktgeschäfte.

Aigner kritisierte in erster Linie, dass viele Banken mit Verkaufsvorgaben hohen Druck auf ihre Mitarbeiter ausübten. Es sei falsch, den Bankangestellten im Einzelnen vorzuschreiben, wie viele Zertifikate und wie viele Bausparverträge sie pro Woche verkaufen müssen, sagte die Verbraucherministerin. (sas/mas/dpa/afp)

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