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Sport

Gemeinsam gegen Wettbetrug und Doping

Viele Länder, ein Ziel und nun der erste gemeinsame Schritt zur Bekämpfung von Manipulation und Doping: Sportminister beschließen auf der Weltkonferenz einen Maßnahmenkatalog - die "Berliner Erklärung".

In Berlin ist die 5. UNESCO-Weltkonferenz der Sportminister (Mineps) zu Ende gegangen und sie hat tatsächlich konkrete Ergebnisse gebracht. So soll die Manipulation von Fußballspielen in wenigen Jahren auf internationaler Bühne mit gleicher Stärke bekämpft werden. Zudem soll es kleineren Staaten möglich sein, sich für die Ausrichtung Olympischer Spiele zu bewerben. Das sind die zentralen Punkte der "Berliner Erklärung".

Die Beeinflussung von Ergebnissen kommt in vielen Sportarten vor, doch ins Rampenlicht der Öffentlichkeit tritt das Thema oft nur, wenn der Fußball betroffen ist. Dann ist der Aufschrei in der Regel riesengroß. Wohl deshalb erreichte der Kongress mit über 500 Sportministern und Funktionären aus 137 Ländern, dass sich alle Staaten bei der Bekämpfung von Spielmanipulation zu einer Problemanalyse und einem daraus resultierenden Maßnahmenkatalog verpflichteten.

In einem nächsten Schritt soll im kommenden Jahr eine Konvention ratifiziert werden, die völkerrechtliche Verbindlichkeit formuliert und das härtere Vorgehen in die Gesetzgebung der Nationalstaaten implementiert.

Die Generaldirektorin der UNESCO Irina Bokowa (2.v.r.), Bundeskanzlerin Angela Merkel, Innenminister Hans-Peter Friedrich und Berlins Innensenator Frank Henkel (l.) (Foto: dpa)

Hochkarätige Beteiligung: Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokowa und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU, l.-r.)

Veränderung soll her

Die "Berliner Erklärung" zeigt den festen Willen der Teilnehmer, an den Missständen etwas zu ändern. So heißt es in den Leitlinien, man rufe alle Staaten der UNESCO auf, "die Einführung von strafrechtlichen Sanktionen zur unmittelbaren Abschreckung gegen Manipulationen von Sportwettbewerben und Doping im Sport zu prüfen". Zudem ist jedes Mitglied aufgefordert, "Wettregulierungsstellen einzurichten, die eng mit Strafverfolgungsbehörden und Sportorganisationen zusammenarbeiten".

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, zugleich der Präsident der Konferenz, meinte: "Das ist eine Grundlage, die wir in konkrete, politische Handlungen umsetzen müssen." Konkret sollen die Einrichtung von Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften sowie weitere strafrechtliche Veränderungen geprüft werden. "Vor drei Jahren hätte ich nicht gedacht, dass es eine solche Veranstaltung gibt. Wir dürfen jetzt aber nicht die Hände in die Hosentasche stecken", zeigte sich Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk mit dem Verlauf der Konferenz zufrieden.

Pflock eingeschlagen

Und auch Gerhard Böhm, Abteilungsleiter Sport im Bundesinnenministerium (BMI) und Gastgeber der Konferenz in der Bundeshauptstadt gab sich optimistisch: "So eine internationale Geschlossenheit innerhalb eines Jahres für dieses schwierige Thema hinzubekommen, ist ein gutes Ergebnis. Natürlich stehen wir noch am Anfang. Aber wir haben einen Pflock eingeschlagen."

"Ich habe auf dieser Tagung gelernt, dass in vielen Ländern unterschiedliche Rechtsauffassungen herrschen. Und wie soll man mit belgischem Recht einen chinesischen Wettbetrüger bestrafen, der in Schanghai seinen Wohnsitz hat", brachte Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär im BMI, die vielschichtige Problematik auf den Punkt. So werde in Singapur gegen Wettbetrüger mit Lügendetektoren vorgegangen - für das europäische Rechtsverständnis ein Unding.

Sport überall und für Alle

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Welche Rolle spielt Sport im Alltag?

In der "Berliner Erklärung" brachten die Teilnehmer aber auch den Wunsch nach mehr Gerechtigkeit zum Ausdruck was die Bewerbung für die Ausrichtung sportlicher Großereignisse, wie beispielsweise der olympischen Spiele, angeht. "Kleine Staaten müssen mit ihrem Vermögen auch Chancen haben", sagte Böhm. Die Länder wurden aufgefordert, über Kapazitätsobergrenzen und Budgetdeckelungen nachzudenken. Friedrich kündigte an, dass man vermehrt Co-Gastgeberschaften anregen wolle, damit nicht immer die selben Großstaaten zum Zuge kämen.

Beim Thema "Zugang zum Sport für alle" heißt es in den formulierten Leitlinien, dass verstärkt "Maßnahmen zur Stärkung der Teilhabe von Mädchen und Frauen am Sport" ergriffen werden sollen. Auch wurde die Rolle betont, die "Bildung, Aufklärung und Medien bei der Förderung von Sportlerinnen und Sportlern mit einer Behinderung als Vorbilder" haben.

Vorteil Bach

Und ganz nebenbei könnte sich die Weltkonferenz der Sportminister auch positiv für DOSB-Präsident Thomas Bach auswirken. Bach, der zurzeit beim IOC-Treffen in St. Petersburg weilt, kandidiert für das Amt des IOC-Präsidenten. Dahingehend formulierte Bergner in Berlin: "Wenn ich mich hier so umhöre und mit den Leuten spreche, stelle ich fest, dass wir einen emotionalen Background für die Wahl von Thomas Bach geschaffen haben." Die ausländischen Gäste nähmen wahr, dass sich der deutsche Sport engagiere. Bergner betonte allerdings auch: "Deshalb haben wir die Konferenz allerdings nicht nach Berlin geholt."

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