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Aktuell Welt

Geiselnehmer erschießen Polizisten in Armenien

Seit Mitte Juli halten Regierungsgegner Geiseln in einer Polizeistation fest. Nun töteten sie einen weiteren Polizisten. Zuvor gab es in Eriwan heftige Zusammenstöße zwischen Oppositionsanhängern und der Polizei.

Nach Angaben eines Polizeisprechers wurde der Beamte aus dem besetzten Gebäude in der Hauptstadt Eriwan heraus erschossen, nachdem die Sicherheitskräfte mit der Stürmung gedroht hatten. Der Polizist habe etwa 300 bis 400 Meter entfernt in einem Fahrzeug gesessen, hieß es. Die bewaffneten Oppositionsanhänger hatten das Gebäude bereits Mitte Juli gestürmt, einen Polizisten getötet und zunächst acht Menschen als Geiseln genommen, um den Rücktritt von Präsident Sersch Sargsjan und die Freilassung von Oppositionsführer Dschirair Sefiljan zu erzwingen.

Haft wegen Umsturzplänen

Nach und nach ließen sie ihre Geiseln frei. Vergangenen Woche jedoch brachten sie zwei Ärzte und zwei Krankenschwestern in ihre Gewalt , die zur Behandlung von Verletzten in das Gebäude gegangen waren. Nach einer erneuten Freilassung halten die Bewaffneten insgesamt noch drei Geiseln fest.

Oppositionsführer Sefiljan sitzt seit Juni wegen Waffenbesitzes in Haft. Ihm und sechs seiner Anhänger, die ebenfalls festgenommen wurden, wird vorgeworfen, die Besetzung mehrerer Regierungsgebäude und Telekommunikationseinrichtungen geplant zu haben.

Polizeiautos stehen vor der besetzten Polizeistation (AFP)

Der erschossene Polizist soll in einem Fahrzeug vor der besetzten Polizeistation gesessen haben

Der Oppositionsführer war bereits 2006 einmal festgenommen worden, nachdem er zum gewaltsamen Umsturz aufgerufen hatte. Nach anderthalb Jahren kam er wieder frei. 2015 war er erneut unter Umsturzverdacht vorübergehend inhaftiert worden.

Demonstration für den Oppositionsführer

In der Nacht zu Samstag war es in der Nähe des besetzen Polizeigebäudes zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Opposition und der Polizei gekommen. Mehr als 160 Demonstranten wurden in Gewahrsam genommen, gegen 26 wurden Haftbefehle erstellt. 60 Demonstranten wurden verletzt. Mehrere tausend Menschen hatten ihre Solidarität mit den Geiselnehmern bekundet und Präsident Sargsjan zum Rücktritt aufgefordert.

Zusammenstöße in Armenien: Polizisten nehmen Demonstranten fest (Foto: rtr)

Die Sicherheitskräfte gingen hart gegen die Regierungsgegner vor - zu hart, sagen Kritiker

Die Polizei ging mit Schlagstöcken, Rauchbomben und Blendgranaten gegen die Demonstranten vor. Menschenrechtler kritisierten das harte Vorgehen, das rechtlich nicht gedeckt sei. 15 Journalisten seien verprügelt oder durch Blendgranaten verletzt worden, meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax.

cw/sti (dpa, afp)