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Geschichte

Geheime Autobiografie von Hitler

Als "Retter Deutschlands" wird Hitler in einer Biografie beschrieben, die er offenbar selbst unter falschem Namen verfasste und die noch vor "Mein Kampf" erschien. Dafür hat ein deutscher Historiker Belege gefunden.

"Adolf Hitler: Sein Leben und seine Reden" erschien 1923. Als Autor galt bisher Baron Adolf Victor von Koerber, ein in der Bevölkerung hoch angesehener Kriegsheld, der dem konservativen Lager nahestand. Doch der Historiker Thomas Weber, der an der schottischen Universität in Aberdeen lehrt, hegt keine Zweifel daran, dass es tatsächlich Hitler selbst war, der die "Biografie" schrieb. Sie erschien noch zwei Jahre vor seinem Werk "Mein Kampf", das er zwischen 1925 und 1926 verfasste. 


Beweise im Nachlass des vermeintlichen Autors

Auf  Beweise für die Echtheit seiner These sei er bei Nachforschungen darüber gestoßen, wie Hitler zum überzeugten Nationalsozialisten wurde, so Weber. Er begab sich auf Spurensuche nach dem vermeintlichen Biografen Victor von Koerber, der 1969 in Südafrika starb. Dessen Nachlass befindet sich in den Archiven der Universität von Witwatersrand in Johannesburg. Bei der Durchsicht der Papiere stieß Weber auf eine unterschriebene eidesstattliche Erklärung von der Ehefrau des Herausgebers der Biografie, wonach von Koerber das Buch nicht geschrieben hat. Vielmehr habe Hitler General Erich Ludendorff gefragt, ob dieser für ihn einen konservativen Autoren finden könne, der keinerlei Verbindungen zur NSDAP habe und der seinen Namen für die Biografie hergebe. "Es ging ihm darum, den Eindruck zu erwecken, dass die Unterstützung unter traditionellen, nicht bayerischen Konservativen schon groß sei", so Weber.

Außerdem gelangte ein Brief in die Hände des Professors, den von Koerber an einen Mann schrieb, der mit ihm im Konzentrationslager inhaftiert war. Darin soll er Hitler als Autor genannt haben. Zurück in Deutschland entdeckte der Historiker zudem ein Dokument aus dem Jahr 1938,  in dem von Koerber schreibt, das Buch sei "auf Initiative und unter aktiver Beteiligung von Adolf Hitler" entstanden. 

Deutschland Mein Kampf von Adolf Hitler (picture-alliance/dpa/D. Karmann)

Bisher galt "Mein Kampf" als Hitlers erste Biografie

"Clever Akt der Selbstvermarktung"

"Die Autobiografie unter falschem Namen sei ein  schamloser, aber cleverer Akt der Selbstvermarktung, um die konservative Gesellschaft für sich zu gewinnen, so Weber. Das Buch selbst wurde damals als "neue Bibel von heute" angepriesen, Hitler darin als "Heilsbringer" sogar mit Jesus verglichen. Ziel Hitlers sei es mit der Erscheinung des Buches also schon 1923 gewesen, sich "als deutscher Retter" zu profilieren, ist Weber überzeugt: "Die Tatsache, dass Hitler sowohl die Biografie als auch die Reden selbst unter falschem Namen  verfasste, zeigt, dass er ein intriganter politischer Akteur mit einem meisterhaften Verständnis politischer Prozesse und Darstellung war, der seinen Weg an die Macht suchte."

Webers Buch "Wie Hitler zum Nazi wurde" erscheint demnächst auf Englisch - dann schon mit seinen neuen Erkenntnissen, die in der deutschen Ausgabe bislang fehlen.

suc/cr (afp/ www.abdn.ac.uk)     

 

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