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Europa

Gedenken an Helden des Warschauer Aufstands

Der Warschauer Aufstand ist für die Polen eines der wichtigsten Ereignisse des Zweiten Weltkriegs. Am Samstag wird im ganzen Land wieder der Opfer gedacht. Künftig soll der 1. August ein gesetzlicher Feiertag werden.

Gedenkfeier am zentralen Denkmal des Warschauer Aufstands in der polnischen Hauptstadt (Foto: AP)

Gedenkveranstaltung zum 65. Jahrestag

Mit zahlreichen Gedenkfeiern ist am Samstag (01.08.2009) in Polen an den Warschauer Aufstand gegen die nationalsozialistischen Besatzer erinnert worden. Vor 65 Jahren hatten sich die Kämpfer der so genannten Heimatarmee gegen die Nazis erhoben. Nachmittags am 1. August 1944 begannen die etwa 40.000 Frauen und Männer der Armia Krajowa (AK) mit ihrem Angriff.

Denkmal für den Warschauer Aufstand (Foto: dpa)

Denkmal für den Warschauer Aufstand

Obwohl die polnischen Untergrundkämpfer 1944 größtenteils nur spärlich bewaffnet waren, gelang es den Nationalsozialisten nicht, den Aufstand sofort niederzuschlagen. Die blutigen Straßen- und Häuserkämpfe währten 63 Tage. Rund 18.000 Aufständische und etwa 200.000 polnische Zivilisten wurden während des zweimonatigen Widerstands getötet. Auch 17.000 Wehrmachtssoldaten starben.

Kaczynski: Polen können stolz sein

Bei dem Gedenken in Warschau defilierten am Samstag mehrere hundert Veteranen am Grabmal des unbekannten Soldaten vorbei. Zuvor hatte es eine feierliche Wachablösung gegeben. An der Veranstaltung an der zentralen Gedenkstätte nahm auch Polens Ministerpräsident Donald Tusk teil. Präsident Lech Kaczynski nannte den Gedenktag ein "Fest des Heldenmuts". Trotz der Niederlage könnten die Polen stolz auf dieses Ereignis sein, betonte Kaczynski, dessen Vater an den Kämpfen beteiligt gewesen war.

Wachablösung am Denkmal des unbekannten Soldaten (Foto: dpa)

Wachablösung am Denkmal des unbekannten Soldaten

Um genau 17 Uhr, dem Zeitpunkt, an dem die Kämpfe ausgebrochen waren, ertönten am Samstag die Sirenen und die Kirchenglocken läuteten. Straßenbahnen und Autos waren aufgefordert zu halten, die polnische Hauptstadt legte eine Schweigeminute in Gedenken an die Opfer ein.

Deutsche Truppen machten Warschau dem Erdboden gleich

Die Aufständischen hatten 1944 vergeblich auf die Unterstützung der Roten Armee gehofft, die im Herbst 1944 bereits am östlichen Weichselufer stand. Diktator Josef Stalin verhinderte sogar die Unterstützung durch alliierte Versorgungsflüge. Erst nach Ende des Aufstands rückten die sowjetischen Truppen in das Zentrum der polnischen Hauptstadt vor.

Kämpfer der polnischen Heimatarmee tragen einen Verwundeten weg (Archivfoto: AP)

63 Tage währte der Aufstand

Die letzten Kämpfer der Armia Krajowa kapitulierten am 2. Oktober 1944. Warschau wurde kurz darauf in einer von Adolf Hitler befohlenen Strafaktion systematisch zerstört. Rund eine halbe Million obdachlos gewordene Bürger mussten fliehen. Viele Überlebende wurden zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt.

Bereits 1943 hatte die Jüdische Kampforganisation (ZOB) wähend des Aufstands im Warschauer Ghetto vom 19. April bis zum 16. Mai gegen die deutsche Wehrmacht gekämpft. Auch dieser Kampf wurde niedergeschlagen.

Bis 1989 keine offiziellen Feiern

Im August 1994 bat der damalige Bundespräsident Roman Herzog in Warschau vor dem Denkmal für die Opfer des Aufstandes um Vergebung für durch Deutsche erlittenes Unrecht.

Zwischen Polen und Russland ist der Aufstand bis heute ein heikles Thema. Bis 1989 konnte die kommunistische Regierung in Polen keine öffentliche Diskussion darüber zulassen, dass Stalin der Roten Armee befohlen hatte, den Aufständischen nicht zu helfen. Erst nach 1989 war der Warschauer Aufstand in der polnischen Öffentlichkeit kein Tabu mehr.

1. August soll gesetzlicher Feiertag werden

Zahlreiche Menschen beim 65. Jahrestag des Warschauer Aufstands (Foto: AP)

Großes öffentliches Interesse am Gedenktag

In den vergangenen Jahren fand der Gedenktag immer mehr öffentliches Interesse. Den Polen gilt der Warschauer Aufstand als eines der bedeutendsten historischen Ereignisse. Rund 3500 Kämpfer von damals sind noch am Leben.

Kurz vor dem 65. Jahrestages hatte der polnische Staatschef Kaczynski angekündigt, den 1. August künftig zum gesetzlichen Feiertag machen zu wollen. Dieser solle aus wirtschaftlichen Gründen allerdings nicht arbeitsfrei sein. Ein entsprechender Vorschlag liege schon dem Parlament vor, sagte Kaczynski am vergangenen Mittwoch. (kis/rri/dpa/afp/kna)

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