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Aktuell Europa

Gazprom greift nach Europa

Die Energiegroßmacht Russland breitet sich in Europa mit der Pipeline South Stream weiter aus. Dabei wollte der Westen doch unabhängiger vom russischen Gasmonopolisten Gazprom werden.

Als neuen Sieg im weltweiten Gaspoker feiert Russland nach seinem Coup mit der Ostseepipeline Nord Stream nun den Baustart der Leitung South Stream. Kremlchef Wladimir Putin und der staatliche russische Gaslieferant Gazprom gaben jetzt den Startschuss für das gigantische Energievorhaben mit rund 2380 Kilometern Länge.

 

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Baubeginn von South-Stream-Pipeline

"Ich bin sicher, dass die Arbeit erfolgreich wird", sagt Putin beim Festakt in der russischen Stadt Anapa an der Schwarzmeerküste. Und er bedankt sich für die Arbeit von South-Stream-Aufsichtsratschef Henning Voscherau, dem früheren Hamburger Ersten Bürgermeister. Eine umweltfreundliche und zuverlässige Gaslieferung verspricht Putin. Mit South Stream will der Gasriese Gazprom - wie mit der Pipeline Nord Stream durch die Ostsee nach Deutschland - den wachsenden Energiehunger in Europa stillen.

Karte Nord Stream und South Stream Pipelines

Karte Nord Stream und South Stream Pipelines

Von ihrem EU-Anlandepunkt in der bulgarischen Hafenstadt Warna führt die Leitung durch Serbien, Ungarn und Slowenien bis nach Tarvisio in Norditalien. Sie soll 2015 in Betrieb gehen und pro Jahr 63 Milliarden Kubikmeter Gas transportieren. An dem Joint Venture ist Gazprom mit 50 Prozent beteiligt, aber auch die deutsche BASF-Tochter Wintershall, die französische EdF und die italienische Eni unterstützen das Projekt mit geschätzten Kosten von rund 16 Milliarden Euro.

Ukraine unter Druck

Russlands Pipelineprojekte South Stream und Nord Stream setzen die Ukraine als Transitland unter Druck. Beide Leitungen umgehen den zweitgrößten Flächenstaat Europas und verursachen damit bei dem finanziell schwachen Land massive Einnahmeverluste. Schätzungen gehen davon aus, dass der Ukraine durch die russischen Projekte jedes Jahr Transiteinnahmen von mehr als 500 Millionen Euro entgehen.

Mit 104 Milliarden Kubikmeter liefen 2011 über 80 Prozent der Gazprom-Lieferungen in die EU über die Ukraine. Durch den ersten Strang der Nord-Stream-Pipeline von Russland durch die Ostsee nach Deutschland ging der Transit von russischem Gas durch die Ukraine nach Westen schon um mehr als 21 Prozent zurück. Bedenken des Westens wegen einer immer größeren Abhängigkeit von Gas aus dem Riesenreich weist die Führung in Moskau freilich zurück. Offiziell heißt es bei Gazprom, South Stream stille wie die bisher nicht ausgelastete Ostseepipeline Nord Stream den wachsenden Energiehunger in der EU.

EU-Projekt Nabucco vor dem Ende?

Experten sehen deshalb kaum noch Chancen für das von der EU unterstützte Pipeline-Projekt Nabucco, die unter Umgehung Russlands einmal Gas aus dem Kaspischen Meer über die Türkei nach Europa transportieren soll. Als wichtigster Partner hatte die Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan im Südkaukasus zuletzt eine kleinere Variante des Vorhabens ins Spiel gebracht.

Die EU wirft Gazprom Missbrauch der Marktstellung vor und hat deswegen im September eine Untersuchung eingeleitet. Zudem pocht Brüssel darauf, dass Gasverkäufer wie Gazprom nicht zugleich Besitzer der Transportwege sein dürfen.

re/wl (dpa, afp, dapd)

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