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Wirtschaft

Nabucco-Pipeline vor dem Aus

Der Ölkonzern BP hat die Gaspipeline Nabucco in ihrer ursprünglichen Form für tot erklärt. BP ist Teil eines Konsortiums, das in Aserbaidschan Gas fördert und über den Transport entscheidet.

Absperrhahn an einer Gasleitung (c) dpa

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Das ehrgeizige europäische Pipelineprojekt Nabucco steht auf der Kippe - zumindest in seiner ursprünglichen Form. Die Version der klassischen Nabucco-Pipeline sei vom Tisch, sagte der verantwortliche Vorstand des BP-Ölkonzerns Iain Conn auf einer Energiekonferenz in Berlin. Im Rennen für den Transport von Gas aus Aserbaidschan nach Europa sei lediglich eine verkürzte Version "Nabucco West" von der türkisch-bulgarischen Grenze nach Österreich.

Nabucco-Partner RWE wollte die Pläne für die längere Variante am Freitag aber noch nicht zu den Akten legen und hofft weiterhin auf deren Umsetzung. Auch die EU-Kommission geht davon aus, dass die Langversion noch nicht vom Tisch ist.

BP ist Teil eines Konsortiums, das in Aserbaidschan Gas fördert. Gemeinsam mit den Partnern Statoil und der staatlichen aserbaidschanischen Ölfirma Socar entscheiden die Briten, welche Pipeline den Zuschlag für den Transport nach Europa bekommt, mit dem sich der Kontinent unabhängiger von russischen Erdgasreserven machen will.

RWE hält noch am Plan fest

Das Nabucco-Konsortium, dem unter anderen die deutsche RWE, die österreichische OMV und die ungarische MOL angehören, hatte dafür eine Pipeline von Aserbaidschan über die Türkei und den Balkan nach Österreich geplant. "Wir haben das Angebot abgelehnt", sagte BP-Manager Conn. In Frage käme nun lediglich "Nabucco West" sowie der Ausbau bestehender Regionalpipelines, der unter dem Namen SEEP (South East Europe Pipeline) bekannt ist und von BP selbst angeführt wird.

Infografik Gaspipeline Nabucco DEU

Gibt es nur auf dem Papier: So wäre die Gaspipeline Nabucco verlaufen

Nabucco-Partner RWE will die ursprünglichen Pläne trotzdem noch nicht aufgeben. "Wir sind zuversichtlich, dass Nabucco West den Zuschlag bekommt und dann denke ich, dass das ursprüngliche Nabucco Konzept wieder diskutiert wird", sagte RWE-Manager Leonhard Birnbaum.

Das Nabucco-Konsortium erklärte, es sei derzeit in Gesprächen mit den Ölkonzernen "um die beste Lösung zu finden" und erwarte eine Entscheidung für eine der beiden Nabucco-Varianten bis Sommer. Die EU-Kommission erklärte, es gehe nicht darum wie die Pipeline heiße, wichtig sei, dass sie ausreichend Gas auf den Kontinent liefere.             

Kleinere Pipeline – größere Chancen?

Bereits vor dem Vorstoß der BP waren wegen hoher Kosten Zweifel an der Umsetzbarkeit der langen Nabucco-Pipeline laut geworden und einige Konsortiums-Mitglieder hatten sich in kleinen Schritten von den ursprünglichen Plänen distanziert. Die neue Variante baut nun auf der geplanten Tanap-Pipeline auf: Mit ihr wollen Aserbaidschan und die Türkei das Gas zunächst von den Feldern im kaspischen Raum bis an die türkisch-bulgarische Grenze leiten. Dort soll dann die verkürzte Nabucco-West anschließen, die das Gas auf einer Strecke von 1.300 Kilometern zum österreichischen Verteilerzentrum im Baumgarten liefert. Die frühere Nabucco-Version wäre 2.000 Kilometer länger und somit auch deutlich teurer gewesen.

Das Nabucco-Konsortium hat die Pläne für die verkürzte Pipeline nach Angaben von RWE vergangene Woche eingereicht. Zu den Partnern bei dem Projekt gehören auch die türkische Botas, BEH aus Bulgarien und die rumänische Transgaz. Der süddeutsche Versorger Bayerngas prüft einen Einstieg.

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