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Aktuell Welt

Gauck und Hollande sehen gemeinsames Europa als Lehre der Geschichte

Bundespräsident Gauck und der französische Staatschef Hollande haben gemeinsam an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnert. Am 3. August 1914 hatte das Deutsche Reich Frankreich den Krieg erklärt.

Bei einer Zeremonie am Hartmannsweilerkopf südlich von Colmar legten Joachim Gauck und François Hollande Kränze nieder. An dem 956 Meter hohen Berg in den Vogesen, der zwischen 1914 und 1918 stark umkämpft war, starben etwa 30.000 französische und deutsche Soldaten. Dort soll nun eine deutsch-französische Gedenkstätte entstehen, die 2017 eröffnet werden soll.

Der Berg, der auch "Menschenfresser" (Mangeur d'hommes) genannt wird, symbolisiere wie wenige andere Orte die Sinnlosigkeit und den Schrecken dieser Jahre, sagte der Bundespräsident. Der Erste Weltkrieg sei "eine der furchtbarsten und düstersten Zeiten unserer gemeinsamen Geschichte". Der Fanatismus bis zum Selbstopfer sei das Ergebnis einer schrecklichen intellektuellen und moralischen Verblendung gewesen. "Hier hat Europa verraten, was seine Werte, seine Kultur, seine Zivilisation eigentlich ausmacht", sagte das deutsche Staatsoberhaupt. Extremer Nationalismus habe Deutschland im vergangenen Jahrhundert zwei Mal in den Krieg getrieben, er habe Deutsche und Franzosen zwei Mal gegeneinander aufgehetzt.

Deutsch-französiche Versöhnung als Beispiel für die Welt

Hollande sagte: "Europa hat es geschafft, den Krieg zu besiegen." Viel hänge von der deutsch-französischen Freundschaft ab, damit der Traum des europäischen Ideals erhalten bleibe und ein Leben im Frieden sichere. Es sei Aufgabe jeder Generation, den Frieden zu verteidigen. Die deutsch-französische Versöhnung könne aber ein Beispiel für die Welt geben. Beide Nationen seien angesichts der Ukraine-Krise gemeinsam gefordert. Erinnerung sei keine Nostalgie, sondern eine Lektion aus der Geschichte, sagte das sozialistische Staatsoberhaupt. Beide Nationen vereine die Trauer um die Opfer.

Gauck erinnerte an die deutsche Mitschuld an dem Krieg: "Nachdem Deutschland im Ersten und im Zweiten Weltkrieg Frankreich überfallen hatte, können gerade wir Deutschen diese Versöhnung nur als Geschenk begreifen", sagte der Bundespräsident. Das gemeinsame Europa sei "keine Laune der Geschichte".

Die europäischen Institutionen seien die Sicherung gegen Verirrung und Verführung. Er warnte davor, populistischen Strömungen nachzugeben, "die wohlfeil mit anti-europäischen Parolen Stimmung machen. Wir haben gelernt, in vielen schmerzhaften Lektionen, Gegensätzlichkeit in Vielgestaltigkeit zu überführen", sagte Gauck. Dies sei der Kontrast zu 1914.

Gauck reiste nach der Zeremonie nach Lüttich weiter, wo am Montag die offiziellen Feiern Belgiens mit rund 20 Staats- und Regierungschefs stattfinden. Anschließend wird der Bundespräsident die Stadt Löwen besuchen, die nach dem deutschen Überfall auf Belgien im August 1914 stark zerstört worden war.

Zum Abschluss des Belgien-Besuchs steht für Gauck am Montagabend eine Gedenkzeremonie mit dem britischen Premierminister David Cameron auf dem Soldatenfriedhof Saint Symphorien bei Mons auf dem Programm.

Am 3. August 1914 hatte das Deutsche Reich Frankreich den Krieg erklärt. Der scheinbare Zweistaaten-Konflikt weitete sich dann zum Ersten Weltkrieg aus, in den insgesamt 62 Länder verwickelt waren.

re/gmf (dpa, afp, rtr, epd)