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Gastkommentar: Russischer Zynismus und die Panama Papers

Die Panama Papers unterscheiden sich wesentlich von Julian Assanges oder Edward Snowdens Enthüllungen. Und sie werden deshalb für Russland nicht ohne Folgen bleiben, meint unser Gastkommentator Konstantin von Eggert.

Ferdinand Vicomte de Lesseps, der Planer des Suezkanals, organisierte als Präsident der "Compagnie Universelle du Canal Interocéanique" auch den Bau des Panamakanals. Der Bankrott dieser Gesellschaft im Jahr 1889 trieb Tausende von Investoren in Frankreich in den Ruin. Zugleich wurde ein ganzes Netzwerk aus Bestechung und Betrug in den obersten Etagen der Dritten Französischen Republik aufgedeckt. Der Skandal ließ viele Politiker und Journalisten in einem sehr schlechten Licht dastehen, zerstörte eine ganze Reihe von Karrieren. "Panama" war anschließend in Frankreich für viele Jahrzehnte ein Synonym für Gesetzlosigkeit und Korruption. Heute kann man zu Recht von einem "Panama II" sprechen.

Heftiger als Assange und Snowden

Die Veröffentlichung der Panama Papers, insgesamt mehr als elf Millionen Dokumenten durch das Internationale Konsortium für Investigative Journalisten (ICIJ) wird massivere Folgen haben als die Enthüllungen von Julian Assange auf WikiLeaks oder die von Edward Snowden - und zwar aus drei Gründen:

(1) Bei Assange und Snowden stellen sich viele Fragen moralischer, ethischer und politischer Art - beispielsweise bezüglich der Sicherheit der Menschen, die in den veröffentlichten Dokumenten genannt werden. Assanges und Snowdens wahre Motive sind deswegen nach wie vor Gegenstand hitziger Debatten.

(2) Die Veröffentlichungen von WikiLeaks und Snowdens Dossiers trafen im Wesentlichen nur ein - wenn auch sehr mächtiges - Land: die Vereinigten Staaten von Amerika.

(3) Im Falle von WikiLeaks hatten die Enthüllungen einen unerwarteten Effekt: So erfuhr die Welt, dass die USA einen sehr professionellen diplomatischen Dienst haben, der durchaus kompetent die Aufgaben erfüllt, die ihm von der Regierung und der Gesellschaft aufgetragen werden.

Die Offenlegung der Panama Papers unterscheidet sich deutlich von den früheren Enthüllungen. Es handelt sich wirklich um eine globale Untersuchung, die politisch völlig neutral ist. Die Dokumente legen ein globales System von Finanztransaktionen der Eliten weltweit offen. Das Offshore-Geschäft wird deswegen nicht aufhören, es wird gewiss weiter existieren. Aber es wird nach den Panama Papers nicht mehr das gleiche sein.

Konstantin von Eggert Kommentarbild App *PROVISORISCH*

Konstantin von Eggert ist gebürtiger Russe. Er ist als freier Analyst, Journalist und Kommentator tätig.

Zynismus in Russland

Die Reaktionen in Russland sprechen Bände - allerdings sagen sie mehr über den heutigen Zustand des Denkens in Russland als über die Kunden der panamaischen Firma Mossack Fonseca. Wie der Ökonom und Journalist Kirill Rogow treffend bemerkte, ist in den Reaktionen, darunter auch von Journalisten und Bloggern, das "Syndrom eines völlig korrupten Staates" zu erkennen: Denn alle sind davon überzeugt, dass alle stehlen und dass niemand etwas dagegen unternehmen kann. Daher auch solch abfällige Bemerkungen wie: "Die ganze Aufregung nur wegen irgendwelcher zwei Milliarden US-Dollar?"

Einige Hauptfiguren der Veröffentlichungen haben bereits auf die Enthüllungen reagiert und sicher werden das auch andere noch tun. Gerade der politisch-neutrale Charakter der Nachforschungen macht das Journalisten-Konsortium besonders effektiv. Man kann die Journalisten schlecht beschuldigen, in jemandes Auftrag zu handeln, wenn gleichzeitig Offshore-Geschäfte des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und von Wladimir Putins Freunden aufgedeckt werden, aber auch der saudischen Königsfamilie und des Fußballspielers Lionel Messi.

Boris Nemzows Weitsicht

Boris Nemzow sagte einstmals: "Unsere Elite will wie Stalin regieren und wie Abramowitsch leben. Das wird nicht funktionieren." Möglicherweise werden die Panama Papers für die herrschende Klasse Russlands zum letzten Beweis dafür, dass dies so wirklich nicht geht. Die Aussichten, dass die Sanktionen gegen russische Politiker, Geschäftsleute und Unternehmen nach den sensationellen Veröffentlichungen aufgehoben werden, sind trübe.

Mehr noch: Das US-Justizministerium teilte bereits mit, es prüfe die Panama Papers dahingehend, ob durch Offshoring die Sanktionen umgangen werden. Die Europäische Union wird höchstwahrscheinlich dem Beispiel ihrer Kollegen in Washington folgen. Russische Aktiva werden so in den Augen von Anlegern, die ohnehin schon durch die Sanktionen entmutigt sind, noch toxischer. Darlehen zu erhalten, was ohnehin schon schwierig genug ist, wird für Russen nun noch schwieriger werden.

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