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Wirtschaft

Panama Papers: Lob der Briefkastenfirma

Es ist nicht grundsätzlich illegal, in einem Steuerparadies eine Briefkastenfirma zu betreiben. Dienstleister bewerben offen die Vorteile. Welche Gründe sprechen für eine legale Nutzung?

Briefkastenfirmen in Panama und anderen Steuerparadiesen werden im Internet erstaunlich transparent beworben: 900 US-Dollar kostet es beim Dienstleister "Panama Offshore Worldwide", eine "reguläre Firma" zu gründen. Benötigt werden nur die Namen, Adressen und Passkopien von drei Direktoren.

Die anonyme Variante kostet 1200 Dollar, plus 650 Dollar Gebühr für die jährliche Verlängerung. Im Unterschied zur "regulären Firma" stellt der Dienstleister hier drei Strohmänner zur Verfügung, die als Direktoren eingetragen werden.

"Dieser Firmentyp ist eine gute Wahl, wenn Sie Steuern sparen oder Ihr Vermögen schützen wollen", wirbt die Webseite. "Ihre persönlichen Informationen tauchen in staatlichen Dokumenten nicht auf, trotzdem haben Sie volle Kontrolle über Ihre Firma. Die Strohmänner haben keinerlei Kontrolle und können jederzeit ersetzt werden."

Vermögen sichern durch Strohmänner

Eine Stiftung in Panama, die sich laut Webseite "besonders gut für Erbschaftsangelegenheiten eignet", ist für 1300 Dollar zu haben. Vorteile auch hier: wenig Papierkram, maximale Anonymität.

Die Kombination aus Stiftung und Briefkastenfirma kostet 2400 Dollar und eignet sich laut Anbieter gut, um angehäuftes Vermögen vom Betriebskapital zu trennen. "So ist Ihr Vermögen in Sicherheit", heißt es auf der Webseite, "und die Anwälte Ihrer Gegner werden noch etwas reicher, während wir ihre räuberischen Absichten durchkreuzen."

Die Preise bewegen sich im Rahmen der zahlreichen anderen Dienstleister, die im Internet ihre Dienste anbieten. Auch ein "virtuelles Büro" mit einer "prestigeträchtigen Geschäftsadresse" in Panama, "Live Telefondienst" und Empfang für Briefe und Päckchen kann dort gebucht werden, bei "Panama Offshore Systems" etwa für 190 Dollar im Monat.

Interviews abgelehnt

Trotz der Werbebotschaften auf ihren Webseiten lehnten alle von der DW kontaktierten Dienstleister es ab, Fragen zu beantworten. Auch Vertreter deutscher Banken wollten von der DW nicht zitiert werden, die Angst, als Handlanger von Kriminellen zu gelten, ist spürbar.

Laut Recherchen der Süddeutschen Zeitung tauchen 28 deutsche Institute in den "Panama Papers" auf, weltweit sollen es 500 sein. Bisher beschränken sich die Reaktionen auf vorbereitete Stellungnahmen.

Man sei sich "der Tragweite der Angelegenheit bewusst", teilte etwa die Deutsche Bank mit, verwies aber darauf, mit ihren "Richtlinien, Verfahren und Systemen" sicherzustellen, "dass alle maßgeblichen Regeln und Bestimmungen rund um die Feststellung des Kundens und zur Bekämpfung von Geldwäsche eingehalten werden." Andere Banken meldeten sich ähnlich zu Wort. Der Tenor: Wir haben nichts Illegales getan.

Für wen sich Briefkastenfirmen lohnen

Trotzdem gibt es Personen oder Firmen, für die eine Offshore-Präsenz in Panama ganz legal lohnend sein kann. Für Reiche in Lateinamerika sei eine Briefkastenfirma ein gängiger Weg, ihr Vermögen geheim zu halten und sich und ihre Familien so vor Entführungen zu schützen, erläutert ein Bankenvertreter der DW. Auch Menschen, die anonym Kunstwerke für Millionenbeträge ersteigern, nutzen gerne Offshore-Firmen.

Ganz praktische Vorteile ergeben sich auch für die Besitzer von Yachten oder Immobilien. Diese können leicht und ohne größeren bürokratischen Aufwand wieder verkauft werden, indem die als Besitzer eingetragene Briefkastenfirma verkauft wird, so ein Banker.

Auch lasse sich über Briefkastenfirmen heimlich Geld für feindliche Firmenübernahmen horten.

Ein anderer Bankenvertreter verweist im DW-Gespräch auf Vorteile für vermögende Familien, die über den Globus verstreut leben. Das komme "in diesen Kreisen" häufiger vor, als man denke, so der Banker. Das Familienvermögen über eine Stiftung etwa in Panama laufen zu lassen, das Geld im Erbschaftsfall zu schützen und die Komplexität durch die verschiedenen nationalen Gesetze zu reduzieren.

Panama Balboa Avenue in Panama City

Moderne Skyline in Panama City. Das Land hat eine lange Erfahrung mit Briefkastenfirmen

Eine lange (Steuer-)Geschichte

Illegal ist das alles nicht, sofern das Geld ordnungsgemäß versteuert wird. Dafür sind die Besitzer der Vermögen selbst verantwortlich. Auch in Panama gibt es seit dem vergangenen Jahr Gesetze, die Steuerhinterziehung unter Strafe stellen. In anderen Steuerparadiesen, etwa Trinidad und Tobago oder Vanuatu, ist das laut OECD noch nicht der Fall.

"Panamas Geschichte als Steuerparadies begann 1919, als dort ausländische Schiffe registriert wurden, um Standard Oil [Ölkonzern der Rockefellers, Anm. d. Red] dabei zu helfen, in den USA Steuern und Auflagen zu umgehen", heißt es in einer wissenschaftlichen Untersuchung des norwegischen Institute for Research in Economics and Business Administration (SNF).

"Offshore Finanzgeschäfte kamen 1927 dazu, als Wall Street Firmen Panama dabei halfen, laxe Gesetze zur Unternehmensgründung einzuführen. Nun konnte jeder steuerbefreite und anonyme Firmen gründen, und es wurden kaum Fragen gestellt", so der Bericht weiter.

Wenig Konkretes

Doch inzwischen kann man Briefkastenfirmen auch in EU-Ländern wie Luxemburg gründen oder den zur britischen Krone gehörenden Kanalinseln Guersey, Jersey oder Isle of Man sowie den British Virgin Islands in der Karibik.

Die Tatsache, dass solche Geschäfte nicht per se illegal sind, aber illegales Handeln durchaus erleichtern, macht deutlich, wie wichtig internationale Abkommen sind.

Ob bei den Panama Papers am Ende mehr herauskommt, als Vermutungen über Geschäfte von Politikern in Russland, Saudi Arabien und Island, muss sich zeigen.

Die Süddeutsche Zeitung wird die Daten weder öffentlich zugänglich machen noch den Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung stellen.

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