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Afrika

Gaddafi-Sohn Mutassim in Sirte gefasst?

Widersprüchliche Meldungen über die angebliche Festnahme eines Sohnes des früheren Machthabers Gaddafi in Libyen haben für Verwirrung gesorgt. Erst wurde die Festnahme gemeldet, dann aber nicht offiziell bestätigt.

Mutassim Gaddafi am 29.10.2009 in Moskau(Archivfoto: pa/dpa)

Verwirrung um angebliche Festnahme Mutassim Billah al-Gaddafis in Sirte

Nachdem Angehörige des Nationalen libyschen Übergangsrats zunächst mitgeteilt hatten, dass Mutassim Billah al-Gaddafi in der umkämpften Hafenstadt Sirte gefasst und zum Verhör nach Bengasi gebracht worden sei, konnte dies später in Bengasi nach einem Bericht des britischen Senders BBC nicht offiziell bestätigt werden.

Der langjährige libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi bei einem Fernsehauftritt am 11. Mai 2011 (Foto: AP)

Der frühere Machthaber Muammar al-Gaddafi wird noch in Sirte vermutet

Auch ein Sprecher des Rates trat den Meldungen von einer Festnahme Mutassims in der Nacht zum Donnerstag (13.10.2011) entgegen. Er sagte, er habe mit Kommandeuren in Sirte gesprochen, und es gebe "keine Bestätigung, das Mutassim Gaddafi gefangengenommen wurde". Es seien lediglích enge Vertraute des Sohnes des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi gefasst worden.

Zunächst hatte es geheißen, der Gaddafi-Sohn sei von Soldaten des Übergangsrats gestellt worden, als er Sirte mit seiner Familie in einem Geländewagen verlassen wollte. Nach der Bekanntgabe waren in der Hauptstadt Tripolis und in der Hafenstadt Misrata Freudenschüsse zu hören gewesen. In den vergangenen Wochen hatten die einstigen Rebellen mehrfach die Festnahme von Gaddafi-Söhnen oder Vertrauten des früheren Diktators gemeldet, die Berichte hatten sich aber stets als falsch erwiesen.

Mutassim al-Gaddafi befehligte zuletzt den Widerstand

Mutassim Billah al-Gaddafi soll zuletzt den Widerstand der Gaddafi-Anhänger im 360 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis gelegenen Sirte befehligt haben. In der seit Wochen heftig umkämpften Hafenstadt hatten sich die Anhänger des langjährigen Diktators Muammar al-Gaddafi verschanzt. Es wird vermutet, dass sich auch der frühere Machthaber selbst dort aufhält. Sirte und die Wüstenstadt Bani Walid gelten als die letzten Bastionen der bewaffneten Anhänger des im August gestürzten Machthabers Gaddafi.

Kämpfer des Übergangsrates (Foto: AP/dapd)

Kämpfer des Übergangsrats sollen Sirte inzwischen zu 80 Prozent kontrollieren

Mutassim wurde vor Beginn des Aufstandes in Libyen als stärkster Konkurrent seines Bruders Seif al-Islam um die Nachfolge an der Staatsspitze gehandelt. Mutassim wurde 1975 als vierter Sohn Gaddafis geboren. Er machte Karriere als Soldat und Arzt. Nach einem Zerwürfnis mit seinem Vater floh er vorübergehend nach Ägypten. Später durfte er zurückkehren und wurde Anführer der einflussreichen Präsidentengarde. Sein Verbleib war zuletzt unklar. Mehrere Mitglieder des Gaddafi-Clans setzten sich in den vergangenen Wochen ins Ausland ab, andere sind in Libyen untergetaucht.

Die Kämpfe in Sirte sollen sich inzwischen ihrem Ende nähern. Der britische Sender BBC meldete am Mittwoch, 80 Prozent der Stadt würden nun von den Milizen des Übergangsrates kontrolliert. Sie würden das Zentrum der Geburtsstadt des ehemaligen Machthabers Haus für Haus durchkämmen und inzwischen auf deutlich weniger Widerstand stoßen als noch vor einigen Tagen. Viele Gaddafi-Kämpfer würden sich ergeben oder sie würden gefangengenommen, berichteten internationale Journalisten.

Rösler auf Wirtschaftsmission in Libyen

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (Archivfoto: dapd)

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ist zwei Tage lang in Libyen

Während sich die Lage in Libyen langsam beruhigt, stattete Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler dem Land einen Besuch ab. Begleitet wurde er von einer großen Wirtschaftsdelegation. Er traf am Mittwoch in Tripolis ein, um zwei Tage lang mit den neuen Machthabern den Wiederaufbau des Landes und das deutsche Engagement in Libyen zu erörtern.

Zum Auftakt bot der FDP-Politiker der libyschen Übergangsregierung humanitäre Hilfe an. Bereits am Wochenende hatte die Bundesregierung angekündigt, verletzte Kriegsopfer aus Libyen zur medizinischen Versorgung nach Deutschland zu holen.

Vorerst keine neuen Erdölverträge

Am Rande des Libyen-Besuchs von Rösler wurde bekannt, dass der Übergangsrat vorerst keine neuen Erdölverträge an ausländische Konzerne vergeben will. "Die einzige Regierung, die neue Öl-Konzessionen bewilligen kann, ist eine gewählte Regierung", sagte der Finanz- und Ölminister des Rates, Ali Tarhuni. Bis zu den Wahlen werde es deshalb "keine neuen Verträge geben". Wann gewählt werden soll, ist noch unklar. Der Nationale Übergangsrat hat bisher lediglich angekündigt, nach der vollständigen Eroberung von Sirte einen Zeitplan für Wahlen erstellen zu wollen.

Libyen gehört mit seinen Öl- und Gasvorkommen zu den reichsten Ländern der arabischen Welt. Die Ölförderung war nach Beginn der Unruhen in dem nordafrikanischen Land im Februar allerdings nahezu zum Erliegen gekommen. Mittlerweile hat sie wieder ein Niveau von rund 400.000 Barrel pro Tag erreicht.

Autorin: Ursula Kissel (rtr, afp, dpa)
Redaktion: Walter Lausch

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