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Krawallnacht in Hamburg

G20-Gipfel: Schlachtfeld Schanzenviertel

Geplünderte Geschäfte, brennende Barrikaden, Wasserwerfer und Tränengas - im Hamburger Schanzenviertel sind die Proteste gegen den G20-Gipfel eskaliert. Hunderte wurden verletzt.

Video ansehen 00:34

Krawalle in Hamburg

Hunderte Randalierer haben das Hamburger Schanzenviertel in der Nacht in ein Schlachtfeld verwandelt. Geschäfte wurden geplündert, Barrikaden in Brand gesetzt. Nachdem die Polizei die militanten G20-Gegner in der Straße Schulterblatt rund drei Stunden gewähren ließ, rückte sie schließlich mit einem massiven Aufgebot und Spezialkräften vor. Mit gepanzerten Fahrzeugen wurden Barrikaden weggeschoben. Wasserwerfer waren im Einsatz. Die Polizei sprühte auch Tränengas.

Auschreitungen bei der Elbphilharmonie

In der Nähe der Elbphilharmonie kam es ebenfalls zu Ausschreitungen. Die Polizei berichtete, sie sei massiv mit Gegenständen beworfen worden und habe Wasserwerfer eingesetzt. In der Elbphilharmonie hatten sich am Freitagabend die Teilnehmer des G20-Gipfels zu einem Konzert versammelt.

Hamburg G20 Gipfel Proteste und Plünderung (Reuters/P. Kopczynski)

Mehrere Geschäfte wurden geplündert

Im Laufe der Nacht beruhigte sich die Lage. Vereinzelt kam es in den frühen Morgenstunden noch zu Flaschenwürfen auf Polizeifahrzeuge. Der zuvor eingestellte S-Bahn-Betrieb und der Bahn-Fernverkehr liefen wieder an. Die Randalierer hinterließen im Schulterblatt aber eine Spur der Verwüstung. Es roch nach verbranntem Plastik. Steine, Trümmer, zerstörte Fahrräder und Mülltonnen lagen auf der Straße. 

Unterstützer der G20-Gegner dementierten eine Erstürmung des Kulturzentrums Rote Flora im Schanzenviertel durch die Polizei. Es befinde sich kein Polizist in dem Gebäude, sagte ein Mitglied des sogenannten Legal Teams der Deutschen Presse-Agentur. Die Anwälte unterstützen Protestler. Die seit fast 30 Jahren besetzte Rote Flora gilt bundesweit als eines der wichtigsten Zentren der autonomen Szene.

197 verletzte Polizisten

Der Sprecher der Roten Flora, Andreas Blechschmidt, verurteilte die Krawalle. Hier sei eine Form von Militanz auf die Straße getragen worden, die sich an sich selbst berauscht habe und das finde er politisch und inhaltlich falsch. Es gehe darum die Verantwortlichen in den Messehallen, als diejenigen zu markieren, die für den Hunger in der Welt verantwortlich seien. Aber es gehe nicht darum Geschäfte und Autos von Anwohnern anzuzünden, so Blechschmidt.

Bei den Krawallen wurden nach Polizeiangaben vom Freitagabend 197 Beamte verletzt, darunter seien keine Schwerverletzten. Zur Zahl der verletzten Demonstranten konnten weder Polizei noch Feuerwehr Angaben machen. Ein Feuerwehrsprecher sagte, die Demonstranten hätten eigene Sanitäter dabei, so dass sie in vielen Fällen nicht auf fremde Hilfe angewiesen seien.

Hamburg G20 Gipfel - Proteste und Polizei (picture-alliance/dpa/B. Marks)

Die Polizei setzte schwerbewaffnete Spezialkräfte ein

Bei der Erstürmung eines Hauses am Beginn der Straße Schulterblatt im Hamburger Schanzenviertel nahm die Polizei 13 Personen fest. Spezialkräfte hätten das Gebäude "taktisch betreten und gesichert", hieß es. Zuvor waren Randalierer ein Gerüst hinaufgeklettert, das an dem Haus befestigt ist.

Video ansehen 01:24

Anwohner zu den Ausschreitungen in Hamburg

Weitere Demonstrationen erwartet

In Hamburg werden am Samstag nach zwei von Gewalt geprägten Tagen weitere Ausschreitungen nicht ausgeschlossen. Zugleich sind friedliche Kundgebungen mit zehntausenden Teilnehmern geplant. Die Initiative "Hamburg zeigt Haltung" erwartet 20.000 bis 30.000 Demonstranten bei ihrer Veranstaltung (12.00 Uhr), die am Hafenrand entlang bis zum Fischmarkt führen wird. Sie endet mit einem Abschlussfest für Demokratie und Menschenrechte (14.00 Uhr), auf dem der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio und die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan sprechen werden. Hinter "Hamburg zeigt Haltung" steht ein breites Bündnis von Kirchen und Religionsgemeinschaften, Gewerkschaften, SPD, Grünen und Künstlern. Sie setzen sich gegen Intoleranz und Gewalt ein.

cr/cgn (dpa, afp)

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