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Europa

"Funktechnik belastet"

Ist das Telefonieren mit dem Handy gefährlich für den Menschen? Kann Strahlung von Schnurlos-Telefonen gesundheitsschädigend sein? Im Interview ist Klaus Trost, Projektbereich Elektrosmog, vom Wissenschaftsladen Bonn.

Symbolbild zur Handystrahlung

Strahlt es oder strahlt es nicht? Viele Bürger haben Angst vor "Elektrosmog"

DW-WORLD.DE: Einige Menschen reagieren offenbar elektrosensibel. Gleichzeitig wird die Funktechnik stark ausgebaut: Handys, schnurlose Telefone und WLAN gehören inzwischen zum Alltag. Wie passt das zusammen?

Klaus Trost: Die Funktechnik führt dazu, dass Menschen immer mehr mit elektromagnetischen Wellen belastet werden. Das war früher nicht so: Damals gab es einige wenige Großsender, und die standen meist da, wo niemand wohnte. Mittlerweile kommt aber durch die Funktechnik die Strahlung auch dahin, wo die Menschen. Die gesundheitlichen Folgen dieser Emissionen sind bisher nicht ausreichend erforscht, sodass man diese Technik in dem Maße, wie es zurzeit gemacht wird, eigentlich nicht weiter ausbauen sollte.

Dr. Klaus Trost, Strahlenexperte und Verbraucherschützer vom Wissenschaftsladen Bonn

Dr. Klaus Trost, Strahlenexperte

Wie ist denn der Stand der Wissenschaft derzeit?

Die Frage ist, was man als den Stand der Wissenschaft bezeichnet. Wenn man das nimmt, was zweifelsfrei nachgewiesen ist, dann kann man sagen, dass die gesetzlichen Grenzwerte ausreichend sind, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden. Wenn man aber die sehr zahlreichen Studien nimmt, die unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte Effekte gefunden haben, deren gesundheitliche Relevanz man noch nicht so abschätzen kann, dann sollte man sehr vorsichtig sein. Dann brauchen wir wesentlich geringere Emissionsvorsorgerichtwerte.

Allein in Deutschland sind etwa sechs Prozent der Bevölkerung elektrosensibel. Sollte es Schutzgebiete für solche Personen geben?

Strommasten (AP Photo/Robert Pfeil/15.01.2007)

"Schwierig in funkdurchseuchter Welt zu leben" - Klaus Trost warnt vor Elektrosmog

Elektrosensible Menschen gibt es auf jeden Fall, das kann ich aus meiner Arbeit unbedingt bestätigen. Es ist sehr schwierig für diese Menschen, in unserer heutigen funkdurchseuchten Welt zu leben. Es sollte Schutzgebiete für solche Menschen geben. Aber die Mobilfunkbetreiber lehnen es zum Beispiel ab, irgendwo Funklöcher bestehen zu lassen.

Wie reagiert die Politik?

Die Politik reagiert eigentlich gar nicht. Sie hat vor zwölf Jahren reagiert, als die Bundesemissionsschutzverordnung erlassen worden ist. Vorher gab es gar keine gesetzlichen Regelungen auf dem Gebiet der Funkemissionen. Seitdem tut sich eigentlich nichts.

Sie beraten Bürger und Institutionen zum Thema Elektrosmog. Wo sehen Sie vor allem die Gefahren?

Man muss zwischen dem hochfrequenten und dem niederfrequenten Elektrosmog unterscheiden. Im Hochfrequenzbereich ist der Hauptrisikopunkt die Benutzung eines Handys, weil da die Emissionen am stärksten sind. Im Kopfbereich werden die Grenzwerte fast zu 100 Prozent erreicht. Im Niederfrequenzbereich sind die hausgemachten Risiken nicht so groß, weil es da keine so starken Feldquellen gibt. Dazu zählen Hochspannungsleitungen und Trafostationen - also die Magnet- und elektrischen Felder, die durch die Stromversorgung erzeugt werden. Auch Haushaltsgeräte gehören dazu. Aber die führen eigentlich kaum zu so hohen Belastungen, dass da gesundheitliche Risiken zu erwarten sind.

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