1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Front National: Rekord trotz Niederlage

Am Ende hat er keine einzige Region gewonnen. Trotzdem hat der Front National in Frankreich ein historisches Wahlergebnis eingefahren. Man muss weiter mit den Rechtsextremen rechnen. Aus Paris Elizabeth Bryant.

In der ersten Runde der Regionalwahlen hatte der Front National (FN) noch in sechs der 13 Regionen des Landes vorne gelegen. Auch wenn es am Ende in keiner davon für eine Mehrheit der Rechtsextremen gereicht hat: Der ausländerfeindliche Kurs des FN scheint einen Monat nach den islamistischen Anschlägen von Paris bei den Franzosen Anklang zu finden. Mehr als einer von vier Wählern stimmte für die extreme Rechte.

"Jetzt ist alles möglich", sagt Madani Cheurfa vom politikwissenschaftlichen Institut CEVIPOF in Paris. Und meint damit die Präsidentschaftswahlen 2017. "Es gibt drei Parteien, die fast gleichauf liegen", so Cheurfa im Gespräch mit der DW.

Höhere Wahlbeteiligung

Aus den Regionalwahlen jetzt sind die konservativen Republikaner von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy als Sieger hervorgegangen. In sieben von 13 Regionen lagen sie im zweiten Wahlgang vorn und konnten den Linken die Île-de-France abnehmen, den Ballungsraum Paris. Die Sozialisten von Präsident François Hollande behaupteten in fünf Regionen ihre Mehrheit, in Korsika gewannen die Nationalisten.

Den Wahlausgang bestimmt hat in erster Linie die Entscheidung der Linken, ihre Kandidaten in zwei Regionen zurückzuziehen, um den Konservativen den Sieg gegen den FN zu ermöglichen. Fast neun Prozentpunkte höher als in der ersten Runde lag die Wahlbeteiligung im zweiten Wahlgang. Der Versuch von Linken und Konservativen, den FN mit einer hohen Mobilisierung ihrer Anhänger zu stoppen, scheint also aufgegangen zu sein. Und dennoch erreichte der Front National mit 28 Prozent den höchsten Stimmenanteil seiner Geschichte.

Angst sitzt tief

"Die Gefahr der extremen Rechten ist noch lange nicht gebannt", sagte der sozialistische Permierminister Manuel Valls am Wahlabend. "Wir müssen beweisen, dass wir nicht einfach weitermachen wie bisher. Sondern dass wir, besonders die Linke, in der Lage sind, den Franzosen einen Grund geben, für etwas zu stimmen und nicht nur gegen etwas."

Der Front National bleibt trotz der Niederlage ernstzunehmende Partei (Foto: DW/Bryant)

Trist: Niemand kann sich wirklich als Sieger der Regionalwahlen sehen

Im Pariser Arbeitervorort Aubervilliers hat Alex Clairboy für die Sozialisten gestimmt. Aber auch er muss eingestehen, dass der FN "jetzt zur politischen Landschaft gehört. Ob wir das wollen oder nicht." Mit fast 60 Prozent der Stimmen lag die Linke in Aubervilliers vorn. In der ersten Wahlrunde war der FN hier jedoch auf Platz zwei gelandet, so wie in vielen anderen armen Vororten der Hauptstadt auch. Seit den Angriffen vom November sitzt die Angst hier tief.

Platz zwei für Le Pen

"Der FN spielt mit der Angst der Menschen", sagt Luc Tourbez, der auch für die Linke gestimmt hat. "Wir sind im Krieg. Aber wir erinnern uns auch daran, wie es während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich aussah. Und meine Generation möchte so etwas nicht noch einmal durchleben."

Vor Anhängern sprach FN-Chefin Marine le Pen von einer "Schmutz- und Verleumdungskampagne", mit der die Kandidaten der etablierten Parteien den Front National besiegen wollten. Sie selbst konnte sich in der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie im Nordosten des Landes im zweiten Wahlgang nicht gegen ihren konservativen Konkurrenten durchsetzen.

Wie vor 13 Jahren

In gewisser Weise hat sich am Sonntag das Szenario aus dem Jahr 2002 wiederholt, als Parteigründer Jean-Marie Le Pen in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen zweiter wurde. In der zweiten Runde konnte ihn der konservative Amtsinhaber Jacques Chirac jedoch mit mehr als 80 Prozent der Stimmen übertrumpfen.

Jean-Marie Le Pens Tochter Marine, die ihren Vater 2011 als Parteichefin beerbte, hat versucht, den Rechtsextremen seitdem ein freundlicheres Gesicht zu geben. Ihr Ziel: Mehrheitsfähigkeit. Dafür steht auch ihre Nichte, die 26 Jahre alte Marion Marechal-Le Pen. Der jüngsten Parlamentsabgeordneten der französischen Geschichte erging es bei den Regionalwahlen wie ihrer Tante. In der zweiten Runde landete sie hinter den Konservativen auf dem zweiten Platz. Und stellt eine Frage, die vielen Franzosen Kopfzerbrechen bereitet: Der Front National legt beständig an Beliebtheit zu - "wie viel wird es morgen sein?"