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Politik

Friedensverhandlungen in Somalia in Aussicht

Die Islamisten in Somalia, die weite Teile des Landes beherrschen, haben ihre ablehnende Haltung scheinbar aufgegeben: Sie erklären sich zu Friedensverhandlungen mit der somalischen Übergangsregierung bereit.

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Somalis verbrennen eine äthiopische Flagge

Die Gespräche sollen am Mittwoch (2.8.2006) in der sudanesischen Hauptstadt Khartum beginnen, sagte ein Sprecher des Milizenverbandes Union der Islamischen Gerichte (UIC) am Montag (24.7.2006) in der somalischen Hauptstadt Mogadischu.Währenddessen haben rund 3.000 Anhänger der islamischen Fundamentalisten in Somalia gegen den Einmarsch äthiopischer Truppen in den Westen des Landes protestiert. In der somalischen Hauptstadt Mogadischu verbrannten die Demonstranten äthiopische Flaggen und skandierten unter anderem: "Äthiopische Soldaten sind in Somalia unerwünscht". Die Äthiopier dächten, dass die Somalier "schwach sind", sagte der somalische Fundamentalist Scheich Ahmed Kare. Sie seien jedoch entschlossen, ihr Land mit einem "religiösen Geist" zu verteidigen.

Somalia - Demonstration

Demonstration gegen den Einmarsch äthopischer Truppen in Somalia

Die Islamisten hatten in der Hauptstadt Mogadischu und in weiten Teilen des Landes im Juni die Macht übernommen. Die Regierung in Addis Abeba fürchtet, dass die Islamisten ihren Einfluss auf das mehrheitlich christliche Äthiopien ausdehnen könnten. Somalia befindet sich seit dem Sturz der Diktatur unter Siad Barre im Jahr 1991 im Bürgerkrieg. Äthiopien hat in der Vergangenheit mehrfach Truppen ins Nachbarland geschickt, um dort eine islamistische Regierung zu verhindern. Nach Berichten von Augenzeugen sind derzeit etwa 5.000 Äthiopier in Baidoa stationiert, was die äthiopische Regierung hartnäckig dementiert.

Misstrauen und Vorwürfe beider Seiten

Die Spannungen zwischen der von Präsident Abdullahi Yusuf geführten Übergangsregierung und islamischen Milizen in Somalia hatten sich am Wochenende weiter verschärft. Am Samstag im Sudan geplante Gespräche waren an tiefem Misstrauen und Vorwürfen beider Seiten gescheitert. Unterdessen war ein Vormarsch äthiopischer Truppen in eine weitere somalische Stadt gemeldet worden. In dem Ort Wajid, der 300 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Mogadischu und 75 Kilometer südlich der äthiopischen Grenze liegt, hatten äthiopische Soldaten die Kontrolle über das Flugfeld übernommen, berichteten Einwohner.

Waffenruhe in Somalia ausgehandelt Übergangspräsident Abdullahi Yusuf

Somalias Übergangspräsident Abdullahi Yusuf

Vertreter des Obersten Islamischen Gerichtsrats, dessen Milizen weite Teile Südsomalias unter ihre Kontrolle gebracht haben, verließen aus Protest gegen den Vorstoß äthiopischer Truppen die Gespräche im Sudan. Sie warfen der Übergangsregierung vor, das Eindringen der Äthiopier zum Schutz ihres Kabinetts gestattet und ein Stillhalteabkommen vom 22. Juni verletzt zu haben. Die Regierung wiederum entsandte am Samstag keinen Vertreter nach Khartum, wie das Informationsministerium mitteilte. Bedingung für weitere Treffen seien internationale Garantien, dass die islamische Miliz das Ergebnis respektiere.

Regime nach dem Muster der Taliban

Sowohl die äthiopische als auch die somalische Regierung haben die Berichte über eine Truppenpräsenz der Äthiopier in Somalia zurückgewiesen. Einwohner und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen haben äthiopische Soldaten jedoch aus Baidoa, dem Sitz der Übergangsregierung, und jetzt auch aus Wajid gemeldet. Äthiopien soll die Invasion zum Schutz der international anerkannten somalischen Übergangsregierung angeordnet haben, die von den Milizionären des Obersten Islamischen Gerichtsrats zunehmend bedroht wird. Die Miliz hat in den von ihr eroberten Gebieten Gerichte nach strengem islamischen Recht eingerichtet. Dies hat international die Besorgnis ausgelöst, in Somalia könnte sich ein Regime nach dem Muster der Taliban in Afghanistan etablieren. (fb)

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