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Deutschland

Freigelassene Deutsche bittet Berlin um Abzug aus Afghanistan

Hannelore Krause hat nach ihrer Freilassung ihre irakischen Entführer gebeten, ihren Sohn zu verschonen. Die Geiselnehmer drohen mit der Ermordung, falls Deutschland nicht aus Afghanistan abzieht.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gibt die Freilassung bekannt, Quelle: AP

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gibt die Freilassung bekannt

Die nach gut fünf Monaten aus der Geiselhaft im Irak freigelassene Deutsche Hannelore Krause hat die Bundesregierung gebeten, die Bundeswehr aus Afghanistan abzuziehen. Sollte dies nicht geschehen, drohe ihrem weiter in Geiselhaft befindlichen Sohn die Hinrichtung durch die Entführer, sagte Krause am Mittwoch (11.7.07) in einem Interview des arabischen Fernsehsenders "El Arabija". "Ich bitte die Deutschen, Afghanistan zu verlassen und die deutsche Armee abzuziehen", sagte die 62-Jährige in dem auf Deutsch gehaltenen Interview, das von dem Sender ins Arabische übersetzt wurde. "Wenn diese Forderung nicht erfüllt wird, werden sie meinen Sohn töten."

Die aufgewühlt wirkende Krause wandte sich in dem Interview auch direkt an ihre Entführer und sagte, sie danke ihnen "für die gute Behandlung". Weiter sagte sie: "Ich rufe diese Gruppe auf, ich flehe sie an, meinen Sohn freizulassen und ihm nichts Böses anzutun." Die Entführer-Gruppe bezeichnete sie als Kataeb Siham el Hak.

"Drängende Ungewissheit"

Krause befand sich nach Angaben von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier seit Dienstagnachmittag in Freiheit und hielt sich in der deutschen Botschaft in Bagdad auf. Er könne zu den Hintergründen der Freilassung keine Angaben machen, sagte der Minister und bat darum, "von Spekulationen Abstand" zu nehmen. "Für Frau Hannelore Krause ging nach 155 Tagen die Geiselhaft zu Ende", sagte Steinmeier. "Wir sind erleichtert und freuen uns mit der Familie."

Es bleibe "die drängende Ungewissheit" über das Schicksal des Sohnes. Man werde alles dafür tun, seine Freilassung zu erreichen. Ein Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemüht sich seit Februar hinter verschlossenen Türen um die Freilassung der mit einem Iraker verheirateten Deutschen und ihres Sohnes. Wie in anderen Entführungsfällen wurden keine Einzelheiten der Bemühungen bekannt. Vor allem zu Fragen nach möglichen Lösegeldzahlungen gibt die Bundesregierung grundsätzlich keine Auskunft.

Appell vom Präsidenten

Hannelore Krause, die seit Jahren im Irak lebt, war am 6. Februar 2007 zusammen mit ihrem Sohn aus ihrem Haus in Bagdad verschleppt worden. Ihre Entführer hatten sich unter dem Namen Brigade der Pfeile der Rechtschaffenheit gemeldet und in zwei Videobotschaften mit der Hinrichtung ihrer Geiseln gedroht, sollte Deutschland nicht rasch seine Truppen aus Afghanistan abziehen. Sie ließen allerdings zwei Ultimaten verstreichen. Der Ehemann von Frau Krause und die junge Frau ihres Sohnes hatten im Irak an die Entführer appelliert, die Entführten freizulassen. Bundespräsident Horst Köhler hatte sich im März via Fernsehen an die bislang unbekannte Gruppe gewandt. (stu)

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