1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Fraport leidet unter Passagierflaute

Gleich zwei millionenschwere Sonderereignisse retten dem Flughafenbetreiber Fraport die Bilanz. Für 2017 muss sich das Unternehmen aber strecken - und setzt auf Billigflieger.

Am Frankfurter Flughafen hält die Flaute im Passagiergeschäft auch zum Herbstbeginn an. Im Oktober zählte der Betreiber Fraport 0,3 Prozent weniger Fluggäste als ein Jahr zuvor. Für die ersten zehn Monate steht damit an Deutschlands größtem Flughafen ein Minus von 1,1 Prozent zu Buche. 

Schub bekommt Fraport aus dem Ausland. Dank eines Anteilsverkaufs in Russland und der lang ersehnten Entschädigung für das geplatzte Terminalprojekt in Manila auf den Philippinen erwartet Fraport-Chef Stefan Schulte in diesem Jahr einen kräftigen Gewinnsprung. Im kommenden Jahr soll die irische Ryanair eine neue Billigflug-Ära in Frankfurt einläuten.

Mit den Sondereinnahmen soll der operative Gewinn (Ebitda) 1,04 bis 1,08 Milliarden Euro erreichen, wie das im MDax notierte Unternehmen am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Bisher hatte Fraport 850 bis 880 Millionen Euro angepeilt. Der Gewinn soll nach rund 300 Millionen Euro nun auf 400 bis 440 Millionen Euro klettern. 

Video ansehen 01:23

Flughafen Frankfurt: Ryanair greift Lufthansa an

 

Internationale Beteiligungen

Fraport hatte seine Beteiligung am Flughafen Pulkovo im russischen St. Petersburg bereits im Sommer teils an den Staatsfonds des Emirats Katar losgeschlagen. Der Deal soll noch dieses Jahr vollzogen werden und Fraport 35 Millionen Euro Gewinn bringen. Fraport bleibt aber mit 25 Prozent Teilhaber und Betreiber des Airports. 

Weitere 120 Millionen Euro Gewinn erwartet der Vorstand aus der Entschädigung für das geplatzte Terminal-Projekt in Manila. Seit die dortige Regierung Fraport Anfang des Jahrtausends unter Korruptionsvorwürfen enteignet hatte, hatten die Frankfurter 14 Jahre lang um eine Entschädigung gekämpft und sich jüngst durchgesetzt. 

Trübes Kerngeschäft

Im Kerngeschäft am Heimatstandort Frankfurt sieht es hingegen eher trübe aus. Schon im Sommer hatte der Vorstand sich von seinem Ziel verabschiedet, die Zahl der Fluggäste über die gut 61 Millionen aus dem Vorjahr hinaus zu steigern. Vielmehr rechnet Schulte mit einem leichten Rückgang. Auch der Konzernumsatz soll mit 2,6 Milliarden Euro geringer ausfallen als im Frühjahr angepeilt.

Im dritten Quartal steigerte Fraport den Umsatz um ein Prozent auf 735 Millionen Euro. Der operative Gewinn ging aber um zwei Prozent auf 298 Millionen Euro zurück. Unterm Strich blieben mit knapp 125 Millionen Euro fast 15 Prozent weniger Gewinn als ein Jahr zuvor.

Billigflieger gefragt

Angesichts der rückläufigen Passagierzahlen öffnet sich Fraport in Frankfurt jetzt verstärkt für Billigfluggesellschaften wie Ryanair und Easyjet. Bisher beträgt der Anteil dieser Airlines in Frankfurt nur vier Prozent. Ab Ende März 2017 will nun Europas größter Billigflieger Ryanair zwei Flugzeuge in Frankfurt stationieren und täglich vier Flüge zu Zielen in Spanien und Portugal anbieten. Zum folgenden Winter wollen die Iren ihr Angebot in Frankfurt kräftig ausweiten. Um den Billigfliegern stärker gerecht zu werden, will Fraport-Chef Schulte die Abläufe in Frankfurt verbessern. So sollen die Flugzeuge nach der Landung binnen 30 Minuten wieder startbereit sein.

Heftigen Streit löste Fraport mit den Rabatten auf die Passagierentgelte aus, von denen Ryanair in Frankfurt profitieren soll. So protestierte Condor-Chef Ralf Teckentrup gegen angebliche Sonderkonditionen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte, sein Unternehmen werde nicht mehr zahlen als Ryanair. Er rechnet sich jährliche Einsparungen von 200 bis 300 Millionen Euro aus. Fraport-Chef Schulte will mit befristeten Gebühren-Nachlässen neue Airlines locken. Gesellschaften, die in Frankfurt schon präsent sind, sollen bei der Eröffnung neuer Strecken anfangs ebenfalls weniger Passagierentgelte zahlen. Die Details der Gebührenstaffel sind noch unter Verschluss. Das hessische Verkehrsministerium muss zustimmen.

ul/wen (dpa)

 

Audio und Video zum Thema