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Wirtschaft

Fraport und das "Produkt Griechenland"

Nach der Zustimmung des Parlaments in Athen kann der deutsche Flughafenbetreiber Fraport Regionalflughäfen in Griechenland übernehmen. Dort wird das Projekt skeptisch verfolgt.

Am 22. Mai gab das griechische Parlament grünes Licht, nun kann Fraport 14 Regionalflughäfen übernehmen und für die nächsten 40 Jahre betreiben. Vorangegangen waren zähe Verhandlungen und harte Überzeugungsarbeit. Die Fraport AG stärkt damit ihre internationale Präsenz und hofft, so einen Ausgleich für ihre Flughäfen im türkischen Antalya und im russischen St. Petersburg zu schaffen, wo die Zahlen der Passagiere im ersten Quartal deutlich zurückgegangen sind.

Rund 1,7 Milliarden Euro will Fraport in den Ausbau und die Erneuerung der griechischen Flughäfen investieren, verteilt über die gesamte Laufzeit der Konzession. In den ersten vier Jahren sollen es 330 Millionen Euro sein.

"Zeichen des Vertrauens"

Alexander Zinell, CEO Fraport Greece

Alexander Zinell, CEO Fraport Greece

Alexander Zinell, der designierte Chef von Fraport Greece, ist schon mit seinen Gedanken in Athen. Anfang Juli zieht er mit seiner Familie um. Dort gibt es viel zu tun: Bis Ende des Jahres sollen er und seine Mitarbeiter praktisch die Schlüssel aller 14 Flughäfen überreicht bekommen, ein sehr technischer Vorgang mit vielen Verträgen und viel Papierkram.

"Wir werden Mitarbeiter schulen, wir werden unser Aufbauprogramm planen, kurzfristige Maßnahmen einleiten. Es ist sehr viel Arbeit und mit ein bisschen Glück haben wir Zeit für eine Feier", sagt Zinell im Gespräch mit der DW.

Von Feierlaune ist dagegen beim griechischen Regierungsbündnis Syriza-Anel nichts zu merken. Seit der Übernahme der Regierungsgeschäfte Anfang 2015 hat Premier Alexis Tsipras alles in Bewegung gesetzt, um das Privatisierungsprojekt zu stoppen. Dann kam der Druck der internationalen Geldgeber im Rahmen der Verhandlungen für das dritte Hilfsprogramm, und Tsipras musste nachgeben.

Fraport-Mann Zinell ist mit dieser Deutung der Ereignisse nicht einverstanden. Er betont, dass ja nicht nur die Regierung, also das Bündnis Syriza-Anel, sondern auch die Opposition der konservativen Nea Dimokratia und der sozialistischen Pasok für die Privatisierung gestimmt haben, insgesamt 84 Prozent aller Parlamentarier. "Die Privatisierung der Flughäfen wird von einer breiten Mehrheit der Abgeordneten getragen, und das ist ein starkes Zeichen des Vertrauens", so Zinell. Außerhalb des Parlaments muss er sich dieses Vertrauen noch erkämpfen.

Win-Win Situation - aber nicht für Privatisierungsgegner

Mit seinem griechischen Partnerunternehmen, dem Kopelouzos-Konzern, erhielt Fraport den Zuschlag für drei Flughäfen auf dem Festland (Thessaloniki, Kavala, Aktio) und elf auf den Inseln Korfu, Kefalonia, Zankynthos, Kreta (Chania), Rodos, Kos, Samos, Lesbos, Mykonos, Santorin und Skiathos.

Griechenland Flughafen Thessaloniki Makedonia Airport

Thessaloniki Makedonia ist einer der 14 Regionalflughäfen, die Fraport übernimmt

Dafür zahlt Fraport dem griechischen Staat einmalig 1,23 Milliarden Euro. Hinzu kommt dann ein jährlicher Betrag von rund 23 Millionen Euro über die ganze Laufzeit des Vertrages. Griechenland erhält zudem einen Anteil von rund einem Drittel des operativen Gewinns. Das sei eine Win-Win Situation, meint Zinell.

Die Privatisierungsgegner innerhalb und außerhalb der Regierung lassen sich davon nicht überzeugen. Von Ausverkauf des griechischen Staates ist die Rede, von wirtschaftlicher und sozialer Erpressung, vom "Verschleudern des Tafelsilbers".

"Erst einmal wird nichts verkauft", antwortet Alexander Zinell. "Die Flughäfen bleiben Eigentum des griechischen Staates. 'Ausverkauf' würde bedeuten, dass sie verschleudert, dass sie viel zu günstig weggegeben werden." Die Privatisierung sei nach einem "sehr transparenten öffentlichen Ausschreibungsprozess" erfolgt, so Zinell. "Den haben wir gewonnen - unter anderem, weil wir mit Abstand das höchste Angebot gemacht haben. Insofern kann man nicht vom Ausverkauf sprechen."

Mythen und Wahrheiten

Die Privatisierungsgegner lassen aber nicht locker. Es werde zu Massenentlassungen kommen, "die Deutschen wollen unseren Tourismus unter ihre Kontrolle bringen" - so die Argumente. "Wir dürfen niemanden entlassen", sagt dagegen Zinell. "Die Personen, die in der griechischen zivilen Luftfahrtgesellschaft arbeiten, sind in der Regel unkündbare Beamte."

Einem "großen Teil dieser Mitarbeiter" werde Fraport Arbeitsplätze anbieten, so Zinell. "Es liegt bei ihnen zu entscheiden, ob sie das tun wollen. In den ersten sechs Monaten werden wir 500 Arbeitsstellen schaffen. Es handelt sich um die Kernmannschaft für den Betrieb der Flughäfen."

Am Ende des Privatisierungsprozesses werde die Beschäftigung deutlich steigen, glaubt Zinell. "Das ist möglich, weil wir mehr Kapazitäten in den Flughäfen schaffen wollen, mehr Verkehr, mehr Geschäfte, mehr Touristen für die Destination Griechenland."

Griechenland als Produkt und Marke

Bei der Frage, ob er dem Land bei diesem Projekt vertraue, zögert Zinell keine Sekunde. "Zu 100 Prozent. Sonst würden wir keine Investition von 1,7 Milliarden Euro während der jetzigen Situation Griechenlands tätigen. Wir haben vertrauen in das Produkt Griechenland."

Zwar hätten Urlauber heute die Wahl unter vielen Ferienorten weltweit. Griechenland aber sei etwas Besonderes, so der Fraport-Mann. "Es gibt hier ein ganz besonderes Lebensgefühl, das sich von Insel zu Insel unterscheidet. Griechenland ist eine Marke. Diese Marke wollen wir gemeinsam mit den touristischen Unternehmen in Griechenland ausbauen, und zwar langfristig."