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Großübernahme in der Autobranche?

Französischer Autobauer PSA prüft Kauf von Opel

General Motors sondiert den Verkauf seiner deutschen Tochter Opel an den französischen Konkurrenten Peugeot Citroën. Die Verhandlungen laufen schon länger, entschieden ist angeblich noch nichts.

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Opel soll an Peugeot verkauft werden

Der französische Autokonzern PSA Peugeot Citroën prüft den Kauf des deutschen Autobauers Opel. Das sagte ein PSA-Sprecher am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Zu PSA gehören die Marken Peugeot, Citroën und DS. "Seit 2012 gibt es zwischen General Motors und PSA eine Allianz, die drei Projekte in Europa umfasst", betonte der Sprecher. Zuerst hatte die Nachrichtenagentur Reuters über die Pläne berichtet. 

Auch die Opel-Mutter General Motors bestätigte Gespräche über den Verkauf des Europageschäfts an den französischen Wettbwerberber. Die Konzerne loteten verschiedene Möglichkeiten zur Expansion und Kooperation aus, hieß es weiter. Es sei jedoch noch ungewiss, ob eine Einigung erzielt werde.

Für den Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen erscheinen die Übernahmepläne "überraschend, aber nicht unplausibel". Wenn man Ford in Europa mit Opel vergleiche, habe Ford in Europa im letzten Jahr 1,2 Milliarden Gewinn gemacht. "Opel ist trotz gutem Vorsatz nicht aus den Verlusten heraus gekommen", so Dudenhöffer gegenüber DW. Und wer wie Opel seit 1999 immer nur Verluste mache, "da sondiert man alle Möglichkeiten, die es gibt und macht nicht einfach so weiter."

Allerdings stellt sich für den Autoexperten die Frage nach dem Sinn einer solchen Übernahme. "Denn beide sitzen in Europa. Beide überlappen sich sehr stark." Hingegen habe das Zusammengehen von Nissan und Renault eher Sinn gemacht. An den Börsen fielen die ersten Reaktionen auf die Meldungen positiv aus. In Paris machte die PSA-Aktie einen Sprung von fast 4,5 Prozent, die Aktie von GM legte vorbörslich um 2,7 Prozent zu.

   

Seit 90 Jahren amerikanisch

Das Traditionsunternehmen Opel wurde 1862 in Rüsselsheim bei Frankfurt gegründet und 1929 vom US-Konzern General Motors übernommen. Rüsselsheim ist bis heute der Stammsitz, außerdem gibt es Werke in Eisenach und Kaiserslautern. Opel hat rund 38.200 Mitarbeiter in Europa, davon mehr als die Hälfte in Deutschland. Aus der gemeinsamen Produktion von Opel und PSA laufen derzeit die ersten Gemeinschaftsautos von den Bändern und sollen die Angebotslücke von Opel bei den auf städtische Belange getrimmten Mehrzweckfahrzeugen (SUV/CUV) schließen. Zu den europäischen GM-Töchtern gehört auch die britische Marke Vauxhall.  

Die Adam Opel AG hat seit 1999 keinen Gewinn mehr bei GM in Detroit abgeliefert und auch 2016 die Rückkehr in die Gewinnzone nicht geschafft. Stattdessen betrug der operative Verlust für 2016 rund 257 Millionen US-Dollar (241 Millionen Euro). Das war allerdings eine deutliche Verbesserung nach 813 Millionen Dollar Verlust im Jahr zuvor. Das Unternehmen musste in den vergangenen Jahren den Wegfall des kompletten russischen Marktes wie auch die Folgen der Brexit-Entscheidung für den größten Einzelmarkt Großbritannien verkraften. Werke in Antwerpen und Bochum wurden geschlossen. Ein Gewinn ist nun erst für 2018 geplant.

Opel-Chef Karl-Thomas Neumann und Mary Barra (picture-alliance/dpa/U. Zucchi)

Lächeln für die Kameras: Opel-Chef Karl-Thomas Neumann und GM-Chefin Mary Barra auf der IAA in Frankfurt 2015.

2009 war General Motors infolge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise schwer angeschlagen. Opel arbeitete anschließend an einem Konzept zur Trennung von dem Mutterkonzern. Im Sommer 2009 hatten sich Bund, Länder, GM und das US-Finanzministerium nach langem Poker mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna auf ein Rettungskonzept geeinigt - im November dann beschloss GM, Opel doch zu behalten.

Bei PSA Peugeot Citroën mit Sitz in Paris fuhr Konzernchef Carlos Tavares in den vergangenen Jahren einen harten Sanierungskurs - unter anderem mit Werkschließungen und Jobabbau. Um das vor drei Jahren stark angeschlagene Unternehmen zu retten, schoss unter anderem der französische Staat Geld zu und hielt zuletzt rund 14 Prozent der Anteile. Der Konzern beschäftigte zuletzt rund 184 000 Mitarbeiter.

Betriebsräte stocksauer

Die Opel-Betriebsräte sehen sich bei den Verkaufsgesprächen mit dem französischen PSA-Konzern übergangen. Es wäre eine beispiellose Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte, sollten sich die Meldungen über Gespräche zwischen PSA und dem Opel-Mutterkonzern General Motors bestätigen, erklärte am Dienstag der für die deutschen Opel-Werke zuständige IG-Metall-Bezirk Mitte in Frankfurt. Gleichzeitig erklärte die Gewerkschaft aber ihre Bereitschaft zur vorbehaltlosen Prüfung der Vorschläge. Die Interessen der Beschäftigten würden dann vom Gesamtbetriebsrat und der IG Metall in Zusammenarbeit mit ihren europäischen Partnern vertreten.

hb//ul/ar (dpa, afp) 

 

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