​Frankreichs Regierung: AKW Fessenheim soll in einem Jahr schließen | Aktuell Europa | DW | 19.01.2018
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Deutschland und Frankreich

​Frankreichs Regierung: AKW Fessenheim soll in einem Jahr schließen

Das Atomkraftwerk ist rund 40 Jahre alt. Von deutscher Seite wird seit langem seine Stillegung gefordert, doch die Franzosen zögerten ebenso lange. Doch nun hat ein Pariser Staatssekretär deutliche Worte gefunden.

Das umstrittene französische Atomkraftwerk Fessenheim nahe der deutschen Grenze (Foto: picture-alliance/dpa/P. Seeger)

Das umstrittene französische Atomkraftwerk Fessenheim nahe der deutschen Grenze

Der Betreiber EDF habe zuletzt von einem Ende der Anlage "Ende 2018, Anfang 2019" gesprochen, sagte der französische Umwelt-Staatssekretär Sébastien Lecornu dem Radiosender France Bleu Alsace. Die Entscheidung über den genauen Zeitpunkt der Schließung des Atomkraftwerks liege bei EDF, nicht bei der Regierung. "Ich stehe zur Entscheidung, Fessenheim stillzulegen", sagte Lecornu bei einem Besuch in dem elsässischen Kraftwerk im Grenzgebiet zu Freiburg im Breisgau.

Ein Reaktor wegen Problemen schon abgeschaltet

Die Bundesregierung fordert schon seit langer Zeit die Stilllegung des ältesten französischen Atomkraftwerks, das seit rund 40 Jahren in Betrieb ist. Dort gab es wiederholt Zwischenfälle. Wegen Problemen mit einem Dampfgenerator ist der Reaktor zwei seit Juni abgeschaltet. Die beiden Reaktoren direkt an der deutschen Grenze sollen endgültig vom Netz gehen, wenn der neue Europäische Druckwasserreaktor in Flamanville am Ärmelkanal in Betrieb geht. Nach zahlreichen Verzögerungen wegen Pannen dort ist das nun zum Jahreswechsel geplant. "Sobald Flamanville in Betrieb ist, wird Fessenheim stillgelegt", betonte Lecornu. Jetzt gehe es nicht mehr um die Frage, ob das Kraftwerk vom Netz gehe, sondern darum, was in der Region danach geschehe, sagte der Staatssekretär.

(Foto: picture-alliance/dpa/MAXPPP/T. Gachon)

Staatssekretär Sébastien Lecornu (l.) begrüßt Marc Simon-Jean, den Direktor des Kraftwerks Fessenheim

Um Antworten darauf zu finden, hat Lecornu ein Steuerungskomitee ins Leben gerufen, dem Gewerkschafter, Wirtschaftsvertreter und Mitglieder der Verwaltung aus Deutschland und Frankreich angehören. Eins der Ergebnisse ihres ersten Austauschs: Deutsche Unternehmen entlang des Rheins hätten Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden, sagte Lecornu. Daher könne eventuell ein Teil der Angestellten des Kraftwerks und der Zulieferer Arbeit in Deutschland finden. Es werde eine "deutsch-französische Antwort" auf die Beschäftigungsfrage geben. So sei die deutsche Rheinseite schon dicht mit Unternehmen besiedelt, deutsche Firmen hätten daher Interesse an Bauland im Elsass. Dort gebe es noch viel Platz, so Lecornu weiter. Jetzt müssten gute Bedingungen für mögliche Neuansiedlungen geschaffen werden.

Franzosen befürchten Verlust tausender Arbeitsplätze 

In Frankreich gibt es Proteste gegen die geplante Stilllegung des Kraftwerks mit rund 1200 Mitarbeitern. In französischen Medien ist von 2200 Arbeitsplätzen die Rede, die direkt oder indirekt an der Anlage hingen. In Deutschland hingegen überwiegen Sicherheitsbedenken. Kritiker fordern schon länger die Abschaltung der Anlage. "Fessenheim ist so gefährlich, dass das AKW sofort vom Netz muss", erklärte zuletzt die grüne Bundestagsabgeordnete Sylvie Kotting-Uhl in einer Pressemitteilung. Der Meiler genüge nicht einmal den europäischen Mindestanforderungen für Alt-AKW. "Stünde er auf deutscher Seite, würde er unverzüglich abgeschaltet werden."

sti/kle (afp, dpa)

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