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Wirtschaft

Frankreichs Energie-Champion

Mit der Fusion der Energieunternehmen Gaz de France und Suez hat sich Frankreich einen Energieriesen geschaffen, der jetzt auch an die Börse geht. Doch mit Liberalisierung des EU-Energiemarktes hat das wenig zu tun.

Suez und GDF werden fusionieren (Quelle:dpa)

Suez-GDF ist Frankreichs drittgrößtes Unternehmen

Der neue "Weltchampion" – mit diesem Worten schwärmte die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde nach dem Zusammenschluss von Gaz de France (GDF) und Suez, die als neues Unternehmen erstmals am Dienstag (22.07.2008) gemeinsam an der Börse notiert werden. Mit einem Umsatz von fast 75 Milliarden Euro werden sie dort der weltweit drittgrößte Gas- und Stromanbieter sein. Der neue GDF-Suez-Chef Gerard Mestrallet sprach von einer "der größten Fusionen in Frankreich seit 20 Jahren".

Zusammen mit dem ebenfalls nationalen französischen Konzern Electricité de France (EDF) kommen künftig zwei der größten Energiekonzerne Europas aus Frankreich – beide mit staatlicher Rückendeckung. Das sei gut, hatte Wirtschaftsministerin Lagarde während der letzten Monate immer wieder betont, denn es verleihe dem Land im Fall von Verhandlungen eine starke Position. Für die bisherigen EU-Energiegiganten, wie E.On aus Deutschland, Gazprom aus Russland und Enel aus Italien wird damit die Konkurrenz härter.

Angst vor steigenden Preisen

Gewerkschaftsprotest gegen GDF-Suez Fusion (Quelle: dpa)

Gewerkschaftler protestieren gegen die Fusion von GDF und Suez.

Während Befürworter in der Fusion einen wichtigen Beitrag zur Energiesicherheit des Landes sehen, protestieren linke Parteien und Gewerkschaften: die rund 200.000 Beschäftigten des Mega-Konzerns fürchten den Abbau von Arbeitsplätzen und eine massive Erhöhung der Gastarife. "Privatisierungen auf dem Energiemarkt haben stets zu Qualitätsverlusten und höheren Preisen geführt", so Jean- François Lejeune von der Gewerkschaft Force Ouvrière. Mit dem Verweis auf den explodierenden Rohölpreis sei für Ende des Jahres bereits eine zweistellige Erhöhung angekündigt.

Nationale Big-Player gewünscht

Im Ausland regt sich derweil ganz andere Kritik: man wirft Frankreich Protektionismus vor. "Der Energiemarkt ist in Frankreich eine sehr staatliche Angelegenheit", beobachtet Hubertus Bardt vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Seit anderthalb Jahren wurde über den Mega-Deal GDF-Suez verhandelt, dass es schließlich klappte, dürfte "nicht nur eine Entscheidung des Marktes" gewesen sein, mutmaßt der Wirtschaftsexperte. Die französische Regierung fädelte den Deal Anfang 2006 ein. Damals hatte der italienische Enel-Konzern ein Auge auf Suez geworfen, doch das Vorhaben stieß in Paris auf großen Widerstand: der französische Staat, der derzeit noch knapp 80 Prozent an Gaz de France hält, hätte damit seine Mehrheit verloren.

Sarkozys persönlicher Einsatz

Die Fusion GDF-Suez sei die Antwort aus Paris, "um Suez aus der Schusslinie zu nehmen", so Bardt. Doch damit das private Unternehmen Suez nicht zum dominierenden Partner innerhalb des neuen Konzerns wird, musste die Wasser- und Versorgungsparte Suez Environment abgespaltet und eigenständig an die Börse gebracht werden. Dafür setzte sich Präsident Sarkozy in den letzten Monaten persönlich ein. Am vergangenen Montag (14.07.2008) nun lobte Suez-Chef Mestrallet – davor schärfster Gegner der Abspaltung – den Deal und der Staat behält einen Aktienanteil von 35,6 Prozent und damit eine Sperrminorität.

Rückschritt für EU-Pläne

Angesichts der Pläne der EU-Kommission, den europäischen Binnenmarkt zu liberalisieren, hält Bardt die Fusion eindeutig für einen Rückschritt. Die Grundidee der europäischen Wirtschaftspolitik – mehr und vor allem grenzüberschreitender Wettbewerb - werde damit konterkariert: "Vor allem im Süden Europas geht der Trend dahin, die Märkte grundsätzlich wieder abzuschotten." Auch die EU-Parlamentarier sehen die Fusion mit Stirnrunzeln: "Wir werden sorgfältig beobachten, ob der französische Markt sich abschottet", zitierte die Wochenzeitung ZEIT den energiepolitischen Sprecher der CDU, Herbert Reul.

EU zu langsam und zu leise

E.on und Endesa (Quelle: AP)

Grenzüberschreitende Übernahmen nicht erwünscht

Der neue Energieriese aus Frankreich dürfte vor allem dem deutschen Energieunternehmen E.on spanisch vorkommen: im vergangenen Jahr war dessen Übernahme des spanischen Versorgers Endesa geplatzt. Nachdem zuletzt die italienische Enel und die spanische Acciona die Pläne torpedierten, hatte zuvor vor allem die spanische Regierung das Vorhaben behindert. Sie hatte eine Fusion im eigenen Land bevorzugt. Dabei kam es auch zu Auseinandersetzungen zwischen Spanien und der Europäischen Kommission, die einer Übernahme bereits grünes Licht erteilt hatte. Auch das Vertragsverletzungs-Verfahren, das daraufhin eingeleitet wurde, konnte am geplatzten Deal nichts ändern: "Das dauerte einfach zu lange", so Bardt, die Realität warte nicht. Er fordert von der EU die Grundidee des Binnenmarktes "lauter und schneller" zu verteidigen.

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