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Wirtschaft

Frankreichs neuer Energiegigant

Der Staatskonzern Gaz de France (GDF) und die private Suez SA schließen sich zum drittgrößten Energieversorger der Welt zusammen. Ein Regierungssprecher nannte die Fusion "eine sehr schöne Operation".

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Von nun an zusammen: Suez Chef Gerard Mestrallet mit seinem GDF-Kollegen Jean-Francois Cirelli (2006)

Frankreich schafft neben dem Stromgiganten EDF einen zweiten Energieriesen. Der Zusammenschluss von Suez und der GDF führt formal zur Privatisierung des französischen Staatskonzerns; Paris bekommt jedoch eine Sperrminorität: Der französische Staat werde mit direkt 35 Prozent Anteil Hauptaktionär des Gesamtkonzerns, teilten beide Unternehmen am Montag (1.9.) in Paris mit. Um das zu erreichen, gliedert Suez seine Umweltsparte aus und verteilt 65 Prozent der Anteile an der Sparte an seine Aktionäre. Insbesondere die Gewerkschaften in Frankreich hatten sich jedoch bis zuletzt gegen die Fusion gewehrt, da der Staat seinen Status als bisheriger Mehrheitseigner an GDF verlieren würde.

Synergie von Milliarden?

GDF Suez ist der größte Gasanbieter Europas, einer der weltgrößten Flüssiggasanbieter und die Nummer fünf im europäischen Strommarkt. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde erklärte, mit dem Zusammenschluss entstehe ein "großer Weltchampion im Bereich der Energieversorgung". Über einen Pakt mit staatlichen Aktionären wie Areva, die weitere zwölf Prozent halten, wird der Konzern die ausgegliederte Suez Environnement weiter mit 48 Prozent beherrschen. GDF Suez bleibt damit Systemanbieter für Kommunaldienste. Der Konzern könne "weiter Partnerschaften im Umwelt- und Energiegeschäft insbesondere in China und im Mittleren Osten entwickeln", hieß es.

Die Fusion erfolge über den Tausch von 21 GDF-Aktien gegen 22 Suez-Aktien. Suez und GDF erwarten bei einmaligen Fusionskosten von 300 Millionen Euro operative Synergien von einer Milliarde Euro ab 2013. Eine weitere Milliarde bringe die Optimierung der Finanzen. Dazu kämen längerfristig Vorteile bei den Investitionen und der Exploration.

Projekt der Regierung

Obwohl Suez juristisch in GDF aufgeht, wird Suez-Chef Gerard Mestrallet Chef des neuen Gesamtkonzerns. GDF-Chef Jean-Francois Cirelli wird sein Stellvertreter. Suez und GDF haben zusammen 90 Milliarden Euro Marktwert. Davon würden pro forma 11,4 Milliarden Euro Umsatz und ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von zwei Milliarden Euro auf Suez Environnement entfallen.

Protest gegen Fusion von Gaz de France mit Suez

Proteste gegen den Zusammenschluss in Paris (September 2006)

Die französische Regierung hatte den Zusammenschluss von Suez mit dem Gaskonzern GDF im Februar 2006 ursprünglich eingefädelt, um eine Übernahme von Suez durch den italienischen Enel-Konzern zu verhindern. Enel hatte im Februar 2006 nicht ausgeschlossen, eine Offerte für Suez vorzulegen, um die belgischen Geschäfte der Firma zu ergattern.

Ursprünglich war von einem gleichberechtigten Zusammenschluss von GDF und Suez die Rede. Allerdings ist seither der Börsenwert von Suez im Vergleich zu GDF deutlich stärker gestiegen. Der Verkauf der Wasser- und Müll-Sparte von Suez gilt als Bemühung, dennoch eine Fusion unter Gleichen zu ermöglichen.

Präsident Nicolas Sarkozy hatte sich zuletzt persönlich eingeschaltet und den Druck für ein Gelingen der Fusion erhöht. Die Zusammenführung beider Unternehmen solle so früh wie möglich im kommenden Jahr abgeschlossen werden. (sams)

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