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Europa

Frankreich kommt nicht zur Ruhe

Trotz Notstandsmaßnahmen und Ausgangsverbot ist es vergangene Nacht in Frankreich erneut zu Krawallen gekommen. Das Ausmaß der Gewalt ließ jedoch im Vergleich zu den Nächten zuvor nach.

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Weniger, aber noch immer mehrere Hundert

In der 13. Krawallnacht in Folge hat die Zahl der Brandstiftungen in den französischen Vorstädten deutlich abgenommen. Bis Mittwochmorgen (9.11.2005) zählte die Polizei 617 brennende Autos. In der Nacht zum Dienstag waren mit 1173 Fahrzeugen noch fast doppelt so viele Wagen in Flammen aufgegangen. Dagegen schnellte die Zahl der Festnahmen von 143 auf 204 hoch. In der gesamten Vornacht waren 1173 Autos angezündet und 330 Verdächtige festgenommen worden.

In einer Vorstadt von Toulouse im Südwesten des Landes bewarfen dutzende Jugendliche Polizisten mit Molotow-Cocktails und Steinen. Rund ein Dutzend Autos wurden in Brand gesetzt. Etwa zur gleichen Zeit traf Innenminister Nicolas Sarkozy zu einem Treffen mit Polizisten in der Innenstadt von Toulouse ein. "Natürlich gibt es Armut und Arbeitslosigkeit", sagte Sarkozy vor Polizisten in der Stadt. "Viele Menschen in diesen Stadtvierteln leiden. Aber nichts kann solch eine sinnlose, blinde Gewalt, die wir gesehen haben, entschuldigen." Er regte zudem an, Eltern, die ihrer Erziehungspflicht nicht genügten, das Kindergeld zu kürzen.

Angriffe auf Busse und U-Bahn

In Outreau bei Calais mussten in der Nacht zum Mittwoch 100 Einwohner eines Sozialblocks in Sicherheit gebracht werden, nachdem sechs Autos im Tiefgeschoss in Brand gesteckt worden waren. Nach einem Angriff mit Brandsätzen explodierte in Bassens bei Bordeaux ein gasbetriebener Linienbus. Der Fahrer, der einzige Insasse, kam mit einem Schock davon. In Lyon wurde der Nahverkehr nach Angriffen auf Busse und eine U-Bahn-Station eingestellt. Außerdem wurden in der Stadt zwei russische Journalisten von Randalieren verprügelt. In Nizza wurde einem Mann aus einem Gebäude eine Hantel auf den Kopf geworfen, er befand sich am Morgen noch in kritischem Zustand.

Als erste Stadt des Landes hatte am Dienstagabend Amiens eine nächtliche Ausgangssperre für Jugendliche verhängt. Minderjährige dürften sich ab Mitternacht ohne die Begleitung von Erwachsenen zwischen zehn Uhr abends und sechs Uhr morgens nicht draußen aufhalten, teilte die Präfektur der nordfranzösischen Stadt mit. Die Anordnung gelte für die gesamte Stadt und alle Vororte, um nicht einzelne Bezirke an den Pranger zu stellen.

Ausgangsperre

Auch die Städte Orleans und Savigny-sur-Orge verhängten nach Behördenangaben Ausgangssperren. Die Ausgangssperren wurden den Präfekten der Departements durch eine Notstandsverordnung der französischen Regierung vom Dienstag erlaubt. Die Ausgangssperren werden durch ein Dekret ermöglicht, das auf einem Gesetz von 1955 aus dem Algerien-Krieg basiert. In mehreren Départements wurde zudem der Verkauf von Benzin und Gasflaschen an Minderjährige verboten.

Weitgehend ruhig war es dagegen im Département Seine-Saint-Denis bei Paris, wo die Unruhen vor fast zwei Wochen begonnen hatten.

Unruhen in Frankreich Alltag in Clichy-sous-Bois

Ausgebranntes Auto in Clichy-sous-Bois östlich von Paris

Die Zeitung "Le Monde" zitierte unterdessen Polizeistatistiken, denen zufolge schon vor Ausbruch der Unruhen die Gewalt in den von Einwandererfamilien bewohnten Sozialsiedlungen zum Alltag gehörte. So seien seit Jahresbeginn bereits 28.000 Autos und 17.500 Müllcontainer in Flammen aufgegangen, ohne dass dies Schlagzeilen gemacht hätte. In mehr als 3800 Fällen sei die Polizei angegriffen worden.

Unbekannte haben in der Nacht zum Mittwoch in Berlin und Köln mehrere Autos angezündet. In Köln brannten vier Autos. In Berlin gingen sechs Autos und ein Motorroller in den Stadtteilen Wedding und Pankow in Flammen auf. Bereits in der Nacht zuvor waren in Berlin fünf Autos angezündet worden. Der oder die Täter sind bisher nicht ermittelt.

Nach den Anschlägen hatte die Polizei angekündigt, nachts ihre Streifen zu verstärken.(mas/sams)

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