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Wirtschaft

Fluglinie wegen Concorde-Absturzes verurteilt

Die juristische Aufarbeitung hat lange gedauert: Mehr als zehn Jahre nach dem Absturz der Concorde in Paris hat ein Strafgericht das Urteil gefällt. Es sprach die US-Fluglinie Continental und einen Mechaniker schuldig.

Trümmer der abgestürzten Concorde im Juli 2000 (Foto: AP)

Trümmer der abgestürzten Concorde im Juli 2000

Das Gericht in Pontoise bei Paris gab am Montag (6.12.2010) der Fluglinie Continental Airlines und einem Mechaniker des Unternehmens eine Mitschuld an dem Absturz. Es verurteilte das Unternehmen wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 200.000 Euro und den Mechaniker zu 15 Monaten Haft auf Bewährung. Außerdem muss Continental eine Million Euro Schadenersatz an Air France zahlen.

Das Überschallflugzeug der französischen Fluggesellschaft war am 25. Juli 2000 kurz nach dem Start in Paris brennend auf ein Hotel im Vorort Gonesse gestürzt. Insgesamt kamen bei dem Unglück 113 Menschen ums Leben, unter ihnen 97 Deutsche. Die Deutschen waren unterwegs nach New York, wo sie zu einer Kreuzfahrt starten wollten. Die Concorde war beim Startbahn über eine Lamelle gerollt, die zuvor von einer Continental-Maschine abgefallen war.

Prozessmarathon über vier Monate

Das juristische Tauziehen vor dem Gericht in Pontoise nördlich von Paris hatte sich von Februar bis Ende Mai hingezogen. Im Zentrum des Streits stand die Frage, ob die europäischen Entwicklungsingenieure oder die US-Fluggesellschaft Continental für den Absturz verantwortlich waren.

Die Absturzstelle des Concorde-Unglücks in einem Pariser Vorort (Foto: AP)

Die Absturzstelle des Concorde-Unglücks in einem Pariser Vorort

Die Anklage hatte für Continental nach einem viermonatigen Verhandlungsmarathon eine Geldstrafe von 175.000 Euro gefordert. Zwei Continental-Mechaniker sollten 18 Monate Haft auf Bewährung bekommen. Sie waren für die Montage der Lamelle verantwortlich. Für den damaligen Chef des Concorde-Programms Henri Perrier wurden zwei Jahre Haft auf Bewährung beantragt. Ihm wurde vorgeworfen, die Anfälligkeit des Flugzeugs gekannt zu haben. Das Gericht sprach den Manager jedoch ebenso frei wie drei weitere Angeklagte.

Continental bestreitet Schuld

Der Chef des Concorde-Programms, Henri Perrier, bei der Prozesseröffnung (Foto: picture alliance)

Der Chef des Concorde-Programms, Henri Perrier, bei der Prozesseröffnung

Die Ermittlungen ergaben, dass ein Metallteil, das von einem Continental-Flugzeug stammte, auf der Startbahn eine verhängnisvolle Kettenreaktion auslöste. Beim Überrollen der Titan-Lamelle platzte ein Reifen der Concorde. Gummiteile des Reifens durchschlugen daraufhin einen Tank des Flugzeugs. Das ausströmende Kerosin entzündete sich und die Concorde stürzte ab. Die Verteidigung von Continental hingegen behauptet, dass die Concorde bereits brannte, bevor sie das Metallstück überrollte und abstürzte. Continental-Anwalt Olivier Metzner kündigte Berufung gegen das Urteil an.

Entschädigung größtenteils geregelt

Während die französische Luftfahrtbehörde erklärte, der Unfall habe nicht vorausgesehen werden können, kam eine gerichtliche Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Kerosintanks der Concorde nicht ausreichend geschützt gewesen seien. Von diesem Problem hätten die Behörden bereits seit 1979 gewusst. Im Laufe der Ermittlungen wurden 80.000 Seiten Gerichtsunterlagen verfasst.

Eine Concorde von British Airways startet 2001 in London zu ihrem letzten Flug (Foto: AP)

Eine Concorde von British Airways startet 2001 in London zu ihrem letzten Flug

Für die meisten Hinterbliebenen hat das Urteil nur noch symbolische Bedeutung. Etwa 700 Angehörige der Opfer von Flug AF 4590 einigten sich kurz nach der Katastrophe mit Air France und deren Versicherung auf Entschädigungen. Nach Schätzungen wurden 173 Millionen Euro gezahlt. Im Prozess in Pontoise traten als Nebenkläger Angehörige französischer Opfer auf, die bisher keine Abfindung erhielten. Die Familien der deutschen Opfer wurden schon im Jahr nach dem Unfall entschädigt und hatten damals auf weitere Forderungen verzichtet.

Der Anfang vom Ende eines Mythos

Der Absturz der Air-France-Concorde nach nur eineinhalb Minuten Flug zerstörte zugleich einen Mythos: Denn die 62 Meter lange Maschine galt bis dahin als Symbol für Fortschritt und technische Perfektion - und auch als sicherstes Flugzeug der Welt. Gerade deswegen suchte man besonders intensiv nach der Absturzursache.

Eine britische Concorde wird 2003 in ein New Yorker Museum transportiert (Foto: AP)

2003 Abtransport in ein New Yorker Museum

Die Concorde-Katastrophe markiert den Anfang vom Ende des französisch-britischen Überschalljets, der mehr als 2000 Stundenkilometer schnell war und in fast 18.000 Metern Höhe flog. Er brauchte von Paris nach New York nur dreieinhalb Stunden. Die Maschine mit den deltaförmigen Flügeln wurde nach dem Unglück zwar technisch nachgerüstet und hob im November 2001 wieder ab. Doch die ausbleibende Nachfrage besiegelte zwei Jahre später das endgültige Aus. Die Betreiber British Airways und Air France stellten den Betrieb ein.

Autor: Reinhard Kleber (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Nicole Scherschun

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