1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Nahost

Flucht aus Aleppo über Korridore?

Der Druck auf die Zivilisten in der eingekesselten Stadt Aleppo steigt. Haben nun erstmals mehrere Familien die Stadt über humanitäre Korridore verlassen, wie syrische Staatsmedien berichten? Die Rebellen dementieren.

Video ansehen 01:27

Erste Zivilisten verlassen anscheinend belagertes Aleppo

Die Lage in der zweitgrößten Stadt Syriens, die von Truppen des syrischen Regimes eingeschlossen ist, bleibt unklar. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, dass Dutzende Familien die abgeriegelten Rebellenviertel im Osten der Metropole über die eingerichteten Fluchtkorridore verlassen hätten und in dem Bezirk Salaheddin eingetroffen seien, der unter der Kontrolle der Armee steht. Zahlreiche Aufständische hätten zudem ihre Waffen niedergelegt und sich der syrischen Armee ergeben.

Das russische Militär teilte mit, seit Öffnung der sogenannten humanitären Korridore am Donnerstag hätten 169 Zivilisten Aleppo verlassen. 69 Rebellen hätten die Waffen niedergelegt und sich ergeben, sagte Generalleutnant Sergej Tschwarkow. An den drei Fluchtkorridoren habe die syrische Regierung Lager aufgebaut, um bis zu 3000 Menschen zu versorgen. Russische Truppen unterstützen in Syrien die Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad. Vor einigen Tagen hatte Assad allen Aufständischen, die in den nächsten drei Monaten die Waffen niederlegen und sich ergeben, Straffreiheit angeboten.

Rebellen widersprechen

Einwohner und Rebellen sprachen von "Lügen" und erklärten, es gebe keinerlei Flüchtlingsbewegungen. Ein Anführer der Rebellengruppe Nureddin al-Sinki sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Übergang Bustan al-Kasr sei nicht geöffnet worden. Er fügte hinzu: "Im Gegenteil: Sie haben ihre Luftangriffe auf den Übergang verstärkt." Auch eine Korrespondentin der Nachrichtenagentur AFP beobachtete keine Flüchtlingsbewegungen zwischen Ost und West in Aleppo. Am Übergang nach Salaheddin waren nach wie vor provisorische Wälle zu sehen.

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte lediglich die Flucht von etwa 20 Menschen aus den von Rebellen gehaltenen Stadtvierteln. Darunter seien jedoch keine Kämpfer gewesen. Bewohner der abgeschnittenen Viertel bestätigten der Deutschen Presse-Agentur, dass Rebellen am Samstag flüchtende Menschen zurückgewiesen hätten. Als Begründung hätten sie angegeben, dass die humanitären Korridore nicht sicher seien.

Weitere Korridore geplant

Nach Angaben der Staatsagentur Sana wurden die geflohenen Zivilisten in Notunterkünfte gebracht. Aufnahmen des Staatsfernsehens zeigten in erster Linie Frauen und Kinder, wie sie in Busse der Armee stiegen. Das russische Verteidigungsministerium gab an, zusätzlich zu den drei vorhandenen Korridoren würden vier weitere Passagen geöffnet. 59 Geflohene hätten medizinische Hilfe erhalten. Demnach wurden 14 Tonnen Hilfsgüter in das "Gebiet der Passierpunkte" geliefert sowie 2500 Versorgungspakete über den Rebellenvierteln abgeworfen.

Die Vereinten Nationen haben Syrien und Russland aufgefordert, ihr die Fluchtrouten zu unterstellen, um die Sicherheit der Passagen zu gewährleisten. Russland und das syrische Militär lehnen dies ab. Die syrische Opposition sowie Rebellengruppen, aber auch mehrere westliche Länder wie die USA haben die Einrichtung der Hilfskorridore skeptisch beurteilt.

Hilfswerke warnen vor Katastrophe

Die Opposition hält der Regierung in Damaskus vor, sie wolle sich mit Hilfe der Korridore militärische Vorteile beim Kampf um Aleppo verschaffen. Vor gut zwei Wochen hatten die syrische Armee und ihre Verbündeten die letzte Versorgungsroute in die Rebellenviertel von Aleppo gekappt. Nach UN-Schätzungen sind in Aleppo zwischen 250.000 und 300.000 Menschen in Aleppo eingeschlossen. Die internationale Gemeinschaft forderte das Regime auf, die Belagerung der Rebellenviertel zu beenden. Internationale Hilfsorganisationen warnen seit Tagen vor einer Katastrophe. Hilfsorganisationen warnen seit Tagen vor einer humanitären Katastrophe in Aleppo.

kle/fab (dpa, afp, rtre, ape)

Audio und Video zum Thema