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Kultur

Flauschiger Riesenplanet entdeckt

Es ist der größte, bislang bekannte Planet: TrES-4 ist 20 Mal größer als die Erde, hat allerdings so wenig Masse, dass ein Mensch dort versinken würde. Forscher rätseln jetzt, wieso der Planet überhaupt existiert.

Ein Computerbild von TrES-4, Foto: Lowell Observatory

So leicht, dass es ihn nicht geben dürfte: TrES-4

Amerikanische Astronomen haben in 1400 Lichtjahren Entfernung den bisher größten bekannten Planeten des Universums entdeckt. Der um einen Stern kreisende TrES-4 ist auch deutlich größer als Jupiter, der bisher größten Planeten des Sonnensystems, wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Astrophysical Journal Letters" berichteten.

Eines der weltweit größten Telekope auf Teneriffa, Foto: AP

Auch Teleskope auf den Kanarischen Inseln haben TrES-4 schon gesichtet

TrES-4 wurde erstmals im vergangenen Jahr gesichtet - mit einem Teleskop des Lowell-Observatoriums sowie des Palomar-Observatoriums in Kalifornien und Teleskopen auf den Kanarischen Inseln. Er befindet sich im Sternbild Herkules, wo er alle dreieinhalb Tage in einer Entfernung von nur 4,5 Millionen Kilometern um seine Sonne kreist. Was demnach auf der Erde ein verlängertes Wochenende wäre, ist auf dem Exoplaneten ein ganzes Jahr. Der in kosmischen Dimensionen vergleichbar kleine Abstand - die Erde ist von ihrer Sonne rund 150 Millionen Kilometer entfernt - sorgt dafür, dass die Gashülle von TrES-4 etwa 1400 Grad heiß sein dürfte.

So leicht wie Balsaholz

Weil seine Schwerkraft aufgrund der geringen Masse relativ klein ist, gehen die Astronomen davon aus, dass TrES-4 ständig einen Teil seiner Gashülle "verliert" und als kometenartigen Schweif hinter sich herzieht. "Seine durchschnittliche Dichte liegt bei 0,2 Gramm pro Kubikzentimeter, was der Dichte von Balsaholz entspricht", erklärte Georgi Mandushev vom Lowell-Observatorium in Flagstaff im US-Bundesstaat Arizona nach der Entdeckung. Mit dieser geringen Dichte würde der Plante problemlos im Wasser schwimmen. "Es gibt wahrscheinlich nirgendwo auf dem Planeten eine feste Oberfläche", fügte der Wissenschaftler hinzu, "man würde darauf versinken."

Die Sombrero Galaxie, Foto: AP/NASA

Was gibt es da draußen noch?

Nicht nur der Planet, auch sein Zentralgestirn sei sehr interessant, meint Mandushev. Der unter der Katalognummer GSC 02620-00648 geführte Stern dürfte etwa so alt wie unsere Sonne sein, ist jedoch viel massiver als diese. Daher habe sich dieser Stern viel schneller entwickelt, seinen Wasserstoff-Vorrat im Kern bereits aufgebraucht und befinde sich kurz vor dem Stadium eines Roten Riesen.

TrES-4 dürfte es gar nicht geben

Mandushev und seine Kollegen vom Lowell Obervatorium entdeckten TrES-4 mit Hilfe eines Netzwerkes mehrerer Teleskope. Denn solche Exoplaneten sind von der Erde aus nur schwer zu finden, da sie selbst kaum leuchten oder von der Helligkeit ihres Zentralgestirns überstrahlt werden. Deshalb sind Astronomen in aller Regel auf den Moment angewiesen, in dem der Planet vor seiner Sonne steht und dabei kurzzeitig die Helligkeit der Sonne verändert. Bei diesem indirekten Nachweis können die Wissenschaftler sowohl Masse, als auch Durchmesser des Exoplaneten bestimmen.

Der Exoplanet, wie Planeten außerhalb des Sonnensystems, die einen zentralen Stern umkreisen, bezeichnet werden, sei ein Indiz dafür, "dass die Natur noch einige Überraschungen für uns bereit hält", sagte Alan Boss von der Carnegie Institution. Erst 1995 gelang es Astronomen zum ersten Mal überhaupt die Existenz eines Exoplaneten zu beweisen, bislang sind rund 250 Exemplare entdeckt. Einige Wissenschaftler hoffen, auf einem dieser Planeten in einem anderen Sonnensystem eines Tages Leben zu finden. TrES-4 ist jedoch auch deshalb etwas Besonderes, weil er die Wissenschaftler vor ein theoretisches Problem stellt: Der Leichtbau-Planet sei größer, als er laut gängigen theoretischen Modellen mit seiner geringen Masse eigentlich sein dürfte, so Edward Dunham vom Lowell-Observatorium. Bisher könne noch niemand verstehen, warum diese Planeten so "flauschig" seien, sagt er, "das ist wirklich ein Rätsel, wie sie mit dieser niedrigen Dichte bestehen können." (ina)



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