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Afrika

Flüchtlingsdrama in Angola

Rund 50.000 Kongolesen aus der Krisenprovinz Kasaï sind nach Angola geflohen. Ihre Lebensbedingungen sind schlecht - denn der UN fehlen die Mittel, ihnen zu helfen. Manchen droht die Abschiebung in die Heimat.

"In den Flüchtlingslagern in Angola geht es menschenunwürdig zu. Viele Menschen müssen im Freien schlafen und bekommen höchstens eine Mahlzeit am Tag", sagt DW-Korrespondent Nelson Sul D'Angola. Anfang des Monats konnte er die Provinz Lunda Norte im äußersten Nordosten Angolas besuchen. Im schwer bewachten Grenzgebiet zur Demokratischen Republik Kongo befinden sich zwei provisorische angolanische Flüchtlingslager: Mussunga und Kakanda. Allein dort, rund 30 Kilometer von der kongolesischen Grenze entfernt, leben an die 30.000 Kongolesen. Mehr als die Hälfte seien Kinder, berichtet Sul D'Angola im DW-Gespräch.

Die Lebensbedingungen sind so schlecht, dass die meisten Männer die Aufnahmelager bereits nach wenigen Tagen wieder verlassen. Ihre Frauen und Kinder lassen sie zurück. Sie suchen ihr Glück auf den Diamantenfeldern der Region. "Dort werden sie aber als Kriminelle gesehen und nicht selten erneut Opfer von Gewalt: sie werden verhaftet, geschlagen und manchmal sogar getötet", berichtet Sul D'Angola. Die Täter seien angolanische Soldaten oder Angehörige privater Sicherheitsfirmen, die im Auftrag der Diamantengesellschaften in der Region für Ordnung sorgen sollen.

Einmal am Tag Mailsmehl und Bohnen

"Der Zustrom von Flüchtlingen aus dem Kongo reißt nicht ab", sagt Margarida Loureiro, Mitarbeiterin des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge. Täglich kämen rund 500 neue Flüchtlinge aus Kasaï nach Angola. Genug Zelte haben die UN nach ihren Angaben aber nicht, um alle unterzubringen.  "Wir versuchen, allen Flüchtlingen wenigstens Matten, Decken und auch Küchenutensilien zu geben. Bei der Essensverteilung müssen wir uns auf das beschränken, was zur Verfügung steht", so Loureiro.

Ein Flüchtlingslager nahe Kakanda in Angola (DW/N. Sul d'Angola)

Das Leben in den Flüchtlingslagern ist hart

Viel ist das nicht. Eine einzige Mahlzeit am Tag bekomme man hier, erzählt der kongolesische Flüchtling Jimba Kuna, Vater von sieben kleinen Kindern. Vor einem Monat ist er in Kakanda angekommen: "Das Überleben im Flüchtlingscamp ist schwierig. Zu essen bekommen wir nichts anderes als Maisbrei und Bohnen. Es gibt keinen Fisch, keinen Zucker, keinen Tee."

Nach eigenen Angaben brauchen die Vereinten Nationen mindestens 65 Millionen US-Dollar, um den Flüchtlingen mit dem allernötigsten zu helfen. Solange diese Hilfe nicht ankomm, müsse improvisiert werden, sagt UN-Mitarbeiterin Loureiro.

Enge Freundschaft zwischen Kinshasa und Luanda

Das Regime des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila ist seit Langem eng mit dem in Angola verbandelt. Daher protestierte Angolas Regierung auch nicht gegen Kabilas Strategie, nach dem Ende seiner Amtszeit an der Macht zu bleiben. Im Gegenteil: Auch nach brutalen  Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Einsatzkräften mit Toten und Verletzten im letzten Jahr unterstützte Angolas Regierung Kabila weiter. "Alles im Namen der politischen Stabilität, einer Stabilität, die es in weiten Teilen der Demokratischen Republik Kongo seit Langem nicht mehr gibt, auch und vor allem nicht in der Kasaï-Region", meint Journalist und DW-Korrespondent Sul D'Angola.

Laut UN ist die Zahl der Menschenrechtsverletzungen in der Demokratischen Republik Kongo 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent gestiegen. Trotzdem werden nach Angaben von DW-Korrespondent Sul D'Angola kongolesische Flüchtlinge an der Grenze abgewiesen. Auch Flüchtlinge, die es bereits nach Angola geschafft haben, werden immer wieder abgeschoben.

UN-Soldaten mit blauen Helmen auf weißen Panzern mit der Aufschrift UN (Getty Images/AFP/P. Moore)

Die Vereinten Nationen verzeichnen zahlreiche Menschenrechtsverletzungen im Kongo

Hintergrund des Kasaï-Konflikts

Dabei ist der Konflikt in ihrer Heimat längst nicht gelöst: Er brach im August letzten Jahres in der Kleinstadt Dibaya in der Provinz Kasaï-Central aus. Die Provinzregierung weigerte sich, Kamuina Nsapu als traditionelles Oberhaupt einer lokalen Ethnie anzuerkennen. Auseinandersetzungen waren die Folge. Kongolesisches Militär tötete Nsapu schließlich. Doch der Konflikt war dadurch nicht zuende. Stattdessen formierten sich verschiedene Milizen, die nach eigenen Angaben für die Interessen der lokalen Ethnien kämpfen. Sie greifen regelmäßig Ziele in den drei Provinzen Kasaï, Kasaï -Central und Kasaï –Oriental an.

"Die Situation in Kasaï wird von Tag zu Tag gefährlicher. Die Gewalt nimmt stark zu", sagt der Kongo-Experte Phil Clark im DW-Gespräch. Dabei sei die Region in der Vergangenheit stabil und sicher gewesen. Dann habe sie sich in eine Hochburg der Opposition gegen Präsident Joseph Kabila verwandelt. Verschiedene oppositionelle Milizen hätten sich eingenistet und Gewalt verbreitet. Als die kongolesische Armee die Region abgeriegelt habe, sei die Zivilbevölkerung zwischen die Fronten geraten. "3000 Menschen sind schon im Zuge dieses Konflikts getötet worden und Zehntausende verletzt. Mehr als eine Millionen Menschen wurden vertrieben", sagt er. 

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