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Kultur

Fischfang bedroht Leben in der Tiefsee

In der Tiefsee wimmelt es von Leben. Doch noch bevor Wissenschaftler diesen noch weitgehend unerforschten Teil der Unterwasserwelt genauer unter die Lupe nehmen können, kommen ihnen die Fischer zuvor.

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Auch unterhalb von 400 Metern wird gefischt - zum Ärger der Forscher


So ein sorgloses Leben wie in dem Disney-Kinostreifen "Arielle, die Meerjungfrau" führen die Bewohner der Unterwasserwelt schon lange nicht mehr: Ihnen rückt die Fischereiwirtschaft mit Schleppnetzen und ausgeklügelten Echolotsystemen zu Leibe, immer öfter auch in tieferen Gefilden unterhalb von 400 Metern.

Christopher Zimmermann ist bei der Bundesforschungsanstalt für Fischerei für die Fangquoten zuständig und kennt die Gründe: "Das Problem ist, dass die herkömmlichen Fischerei-Ressourcen, also Hering, Makrelen, Kabeljau in der ganzen Welt bereits überfischt sind. Und wenn die Fischerei eine höhere Anlandung möchte, müssen sie auf bisher ungenutzte Ressourcen ausweichen." Die technischen

Fischtrawler aus Japan

Fischtrawler aus Japan

Voraussetzungen, vor allem starke Maschinenleistung und die Möglichkeiten, die Fische zu finden, seien bisher nicht gegeben gewesen. Das sei, so Zimmermann, eine Entwicklung der letzten 30 Jahre, so dass es jetzt auch möglich sei, den letzten "Zipfel der Erde" zu befischen.

150 Jahre alte Fische sind bedroht

Doch genau da liegt das Problem. Zwar wimmelt es in der Tiefsee geradezu vor Leben und Artenvielfalt, doch die unterscheidet sich maßgeblich von den Bewohnern flacher Gewässer. "Sie sind langsam wachsend und damit auch sehr empfindlich gegenüber Überfischung", erklärt Stephan Lutter, Tiefseeexperte von der Naturschutzorganisation WWF. "Also es sind zum Teil wahre Methusalems dabei. Wenn wir mal den atlantischen Sägebauch nehmen, besser bekannt als 'orange roughy',

Dorsch Fischfang in der Ostsee

Viele Fischarten geraten in Gefahr

der wird erst mit 25 Jahren geschlechtsreif und hat ein stattliches Lebensalter von 150 Jahren." Wenn man da viele Fische aus dem Bestand rausholte, dann sei das natürlich viel viel gravierender als beim Nordseekabeljau. Was passiert: Es kommt zum totalen Zusammenbruch. In Australien und Neuseeland sind auf diese Weise die Bestände um 80 Prozent zurückgegangen.

Schlechte Karten für die Forscher, denn noch bevor sie diese Artenvielfalt und die Geheimnisse der Tiefsee erkunden können, kommen ihnen die Fischer zuvor. Mit ihren schweren Bodenschleppnetzen rasieren sie Korallenriffe und Seeberge regelrecht kahl - mit verheerenden Folgen, befürchtet Zimmermann.

EU kann nicht helfen

Doch von der EU haben die Forscher wenig Unterstützung zu erwarten. Fehlendes Geld für Forschung, zähe Entscheidungsverfahren und eine starke Fischereilobby machen den Wissenschaftlern das Leben schwer. Zimmermann fordert klare Regeln: "Das Problem ist eben auch, dass wir uns wünschen, dass Fischer mehr Weitsicht haben zu sagen, wenn ich jetzt zuviel fische, bleibt für die folgende Generation nichts mehr übrig." Doch mit ihren Warnungen scheinen die Forscher auf taube Ohren zu stoßen. Der Tiefseeexperte Lutter vom WWF beobachtet sogar einen eher gegenteiligen Trend.

Fischernetz

Die Netze werden auch unter 400 Metern ausgeworfen

Im Geldbeutel der Verbraucher macht sich das allerdings noch nicht bemerkbar. Noch sind die Preise trotz leergefischter Meere in den letzten Jahren weitgehend stabil geblieben. Glück für die Fischesser - Pech für die Fische. Denn so lange die Öffentlichkeit von diesen Problemen wenig mit bekommt, werden Forscher wie Zimmermann und Lutter an einsamer Front gegen eine übermächtige Fischereilobby kämpfen.

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