1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Wettfischen im Atlantik

Die Fischbestände auf den Azoren könnten schon bald gefährdet sein. Die EU-Fischereiminister verhandeln erneut darüber, ob das Gebiet jetzt für den Industriefang geöffnet werden soll.

default

Mögliche Gefahr für traditionelle Fischgründe: Schleppnetze

"Gleicher Zugang für alle" lautet eines der Grundprinzipien des gemeinsamen Marktes der Europäischen Union. Beim Fischfang ist der "gleiche Zugang für alle" aber noch nicht voll durchgesetzt. Fang-Gebiete in der so genannten Westlichen See um die Azoren und Madeira sind noch nicht für alle EU-Fischer geöffnet. Diese Fang-Gebiete in einem Umkreis von 200 Seemeilen um die weit verstreuten, zu Portugal gehörenden Inseln waren für die Fischer anderer Nationen bislang tabu. Nur lokale Boote haben Zugang zu den mitten im Atlantik zwischen Europa und Nordamerika gelegenen Fischgründen. Das gleiche gilt für die spanischen Kanaren.

Die Regelung ist ein Relikt aus der Zeit des EU-Beitritts Portugals im Jahr 1986. Damals hatte man sich darauf geeinigt, beim Fischfang nicht sofort alle Gebiete für die Boote anderer Staaten zu öffnen. Doch seit Ende 2002 ist diese Übergangsfrist abgelaufen und eine Neuregelung überfällig.

"Seeberge, Korallen und hübsche Tiere"

Nun drängen die anderen EU-Mitglieder darauf, Zugang für ihre Flotten zu bekommen. Seit Monaten streiten die Fischereiminister der EU darüber, ob Fischgründe im Westatlantik geöffnet werden sollen. Monica Verbeek vom internationalen Meeresschutz-Dachverband Seas at Risk, sieht darin einen großen Fehler: "Eine Neuregelung würde genau das zerstören, was die neue europäische Fischereipolitik angeblich bewahren möchte. Um die Azoren gibt es sehr tiefe Meere mit schönen Seebergen, die von zahlreichen Korallen und hübschen Tieren bewachsen sind. Die azorianischen Fischer haben diese wunderbare Umgebung bisher bewahrt, weil sie als Brutstätte für ihre Fische dient", erklärt Verbeek.

Die Umweltschützer fürchten, dass die industriellen Fangflotten mit ihren großen Schleppnetzen die Seegründe innerhalb kürzester Zeit leer fischen könnten. Verbeek kritisiert, dass dies im Namen des freien EU-Marktzugangs gefordert wird. Hier gehe es nämlich gar nicht um gleiches Recht für alle: "Der Zugang wäre nur dann gleich, wenn die anderen europäischen Flotten so wie die Azorianer nur mit Angelleinen fischen würden. Aber die anderen Flotten benutzen moderne Fangtechniken, auf die azorianische Fischer bewusst verzichtet haben", so Verbeek.

"Gefährliches Signal"

In einem Brief an EU-Fischerei-Kommissar Franz Fischler warnten die Umweltschützer von Seas at Risk, dem WWF und Greenpeace vor der Zerstörung des fragilen Gleichgewichts zwischen Fischfang und Umwelt in der Region. Sie verwiesen dabei auf eine Studie der Forscher des Internationalen Wissenschaftsrats zur Meeresnutzung ICES (International Council for the Exploration of the Sea).

David Griffith, ICES-Generalsekretär sagt, der Tiefseefang in einigen Regionen habe bereits zu einer Überfischung. "Tiefseefische wachsen und vermehren sich sehr langsam. Wir fürchten, dass sie nicht auf eine nachhaltige Weise befischt werden." Die beobachteten Rückgänge der Tiefseefischfänge seien ein gefährliches Signal, ergänzt er. Griffith warnt, die Tiefseefischerei sollte nicht expandieren, bevor die Forscher mehr über diese Fischarten wüßten.

Vieles noch nicht erforscht

Der Forschungsstand ist in der Tat sehr dürftig. Erst vor wenigen Jahren wurde beispielsweise entdeckt, dass nördlich der Azoren in 600 Metern Tiefe auf dem Sedlo-Seeberg Kaltwasserkorallen wachsen. Auch diese sehr artenreichen, kaum erforschten Korallenfelder seien nun mit der geplanten Öffnung in akuter Gefahr, glaubt Monika Verbeek: "Tiefseekorallen brauchen Tausende Jahre, um zu wachsen. Wenn man da mit einem Netz drübergeht und sie zerstört, ist das irreparabel." Die EU-Fischerei könnte somit, wenn sie schlecht kontrolliert würde, in wenigen Jahren die komplette Umgebung der Azoren zerstören, befürchtet die Umweltschützerin.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links