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Web-Browser

Firefox macht Quantensprung

Im Kampf um Marktanteile ist es still geworden um den Internetbrowser Firefox. Dabei hat er für Software eine nahezu ehrwürdige Geschichte. Die neue Version soll jetzt Google Chrome wieder Fans abjagen.

Firefox 57 ist da! Diese Nachricht dürfte bei jener Mehrheit der Computernutzer ein herzliches "Hä?" hervorrufen, denen es eigentlich egal ist, mit welchem Programm sie sich das Internet angucken: Microsoft Edge, Google Chrome, Apple Safari oder eben Firefox - Hauptsache, das Internet ist nicht zu holprig, die Videos laufen rund, und der Rechner fängt sich keine Viren ein.

Bei all denen, die den Namen Firefox schon einmal gehört haben, ist eine andere Frage nicht unwahrscheinlich: Firefox - gibt's den überhaupt noch?

Ja, es gibt ihn noch. Zwar hat er im Laufe der vergangenen Jahre weltweit Marktanteile verloren. Zuerst war er von dem damaligen Microsoft-Browser Internet Explorer, danach von Google Chrome als Browser der Massen an den Rand gedrängt worden. Chrome hatte zuletzt weltweit einen Marktanteil von über 60 Prozent. Ganz unschuldig am eigenen Niedergang war Firefox nicht: Verglichen mit seinen Konkurrenten brauchte er zuletzt viel Arbeitsspeicher und machte trotzdem einen schläfrigen, also langsamen Eindruck.

Kleiner Panda | Roter Panda | Red Panda (picture-alliance/Pixsell/P. Glebov)

Lässt es gerne ruhig angehen: Der Rote Panda, in China auch "Feuerfuchs" genannt, Namensgeber der Software

Diese Zeiten sollen nach dem Willen der Mozilla Foundation, der Stiftung hinter Firefox, vorbei sein. Während die vorangegangenen 56 Versionen des Firefox mehr oder weniger große Änderungen am Programmcode des allerersten Firefox aus dem Jahr 2002 aufwiesen, bekam Version 57 eine ganz neue Engine mit dem Namen "Quantum" (die Engine ist der Teil des Programmes, der Seiten aus dem Internet auf dem Bildschirm zusammenbaut) und gleich noch ein neues Aussehen dazu. Drei Viertel des Codes haben die Entwickler für Version 57 angefasst und umgeschrieben.

Aufholjagd eines Veteranen

Dabei ist Firefox nicht irgendwer in der Netzwelt. Der Browser ist der Urenkel des allerersten kommerziell verfügbaren Browsers Netscape Navigator; die Älteren unter uns, also die, die schon in den 90er Jahren ins Netz gingen, erinnern sich vielleicht noch - mühsam - daran, wie sie Netscape installierten und - mühsam - zum Laufen bekamen.

Damals, 1994 und 1995, war Netscape der einzige massentaugliche Browser - bis der damalige Microsoft-Chef Bill Gates die Relevanz des World Wide Web erkannte und verfügte, dass künftig auf jedem Windows-PC der hauseigene Internet Explorer vorinstalliert sein sollte. Für Netscape war das beinahe das Todesurteil: Von einem Marktanteil nahe der 100-Prozent-Marke stürzte er ab in den einstelligen Bereich. Gerichtsverfahren gegen Microsoft halfen nicht weiter, aber auch nicht der vorhergegangene Wettlauf um neue Funktionen und neue Standards, der aus Netscape ein unbeherrschbares Software-Monster gemacht hatte.

Firefox 57 Quantum | DW-Startseite (DW/K. Klein)

Auf den Inhalt kommt es an: Firefox 57 "Quantum" auf einem Windows-10-PC

Der so genannte Browser-Krieg der 90er Jahre endete damit, dass Netscape, die Firma, 1998 vom Online-Anbieter AOL übernommen und Netscape, der Browser, an eine gemeinnützige Stiftung zur Weiterentwicklung übergeben wurde. Diese, die Mozilla Foundation, benannt nach dem internen Codenamen für den allerersten Netscape-Browser, kämpfte lange mit dem ererbten Code. Nach einigen mehr oder weniger brauchbaren Zwischenversionen eines neuen Netscape brachte sie erst Jahre später, 2002, den ersten Firefox heraus. Gegen die Übermacht des Microsoft-Browsers sollte der damals kleine, schlanke und schnelle Browser nie mehr ankommen; zuletzt lag der weltweite Marktanteil je nach Messmethode zwischen 10 und 20 Prozent.

Ein Browser für alle, die guten Willens sind

Heute stellt sich die Mozilla-Stiftung als gute Kraft im Internet dar. Auf der deutschen Webseite der Stiftung heißt es: "Mozilla verfolgt eine Mission, das Internet zu pflegen und gesundzuerhalten." Und weiter: "Wir machen das Internet sicherer, schneller und besser für alle. Als Non-Profit-Organisation nimmt Mozilla aktiv an politischen Gestaltungsprozessen teil und entwickelt Produkte für Menschen statt Profit."

Damit positioniert sich Mozilla als Gegenstück zu den kommerziell orientierten Herstellern Microsoft, Google und Apple. Diese geben ihre Browser zwar ebenfalls kostenfrei jedem, der sie haben will und/oder ein Betriebssystem von Microsoft, Google, Apple verwendet, verfolgen aber - so will Mozilla uns denken lassen - dabei ihre eigenen Interessen. Dass die Stiftung selbst nicht frei von Einflüssen ist, sieht man daran, dass sie den eigenen Finanzbedarf in dreistelliger Millionenhöhe zu 99 Prozent dadurch deckt, dass sie in den meisten Ländern Google als Standard-Suchmaschine in Firefox voreinstellt und dafür kassiert.

Und - hat sich der Neustart gelohnt?

Der Effekt ist spürbar. In einem ersten Test auf einem aktuellen Windows-PC war Firefox gefühlt so schnell wie Google Chrome - mal etwas schneller, mal ein klein wenig langsamer. Ein Blick ins laufende System zeigte, dass Firefox 57 - anders als seine älteren Brüder - erheblich sparsamer mit dem Arbeitsspeicher des Rechners umgeht, sogar ein wenig sparsamer als der Chrome-Browser. 

Dass der neue Firefox seinen übermächtigen Konkurrenten nicht durchgehend Staub fressen lässt, erkennen aber sogar seine Entwickler an: Sie haben ein Video von einem Vergleichstest ins Netz gestellt, bei dem einmal Firefox vorne liegt, dann aber wieder Google Chrome.

Als zusätzliche Lockmittel bietet der neue Browser deshalb beim Start einen Überblick über "wichtige Seiten" (siehe Artikelbild), ein Werkzeug zur schnellen Herstellung von Bildschirmfotos und einen neuen Privatsphäremodus. Dieser soll nicht nur - wie der Vorgänger in Firefox 56 - vergessen, was der Nutzer sich angesehen hat, sondern auch verhindern, dass solche Daten zuvor noch schnell an andere weitergegeben werden.

Natürlich lässt sich der neue Firefox auch - wie jeder andere Browser - mit Erweiterungen nach Bedarf und Geschmack des Nutzers personalisieren. Umsteiger von früheren Firefox-Versionen stellen aber entsetzt fest, dass einige ihrer Lieblings-Erweiterungen nicht mehr funktionieren. Die Entwickler haben die Art der Einbindung der Erweiterungen verändert und dabei alte Firefox-Erweiterungen, die nicht mehr angepasst werden, außenvor gelassen.

Wer nun also einen Browser sucht, der ungefähr so schnell ist wie Google Chrome, kann ab sofort Firefox Quantum installieren und nutzen und dabei das gute Gefühl haben, das Internet "gesund zu erhalten". Er oder sie kann aber natürlich auch gleich bei Chrome bleiben. Weniger Arbeit macht das in jedem Fall.

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